Das De­sy wird zum Kunst­mu­se­um

Die Aus­stel­lung „Dark Mat­ter“im Teil­chen­be­schleu­ni­ger zeigt Wer­ke, die durch For­schung in­spi­riert wur­den

Hamburger Morgenpost - - KULTUR - Von TILL STOPPENHAGEN

Nor­ma­ler­wei­se tref­fen im De­sy-For­schungs­zen­trum in Bah­ren­feld win­zi­ge elek­trisch ge­la­de­ne Teil­chen mit enor­mer Ener­gie auf­ein­an­der und ge­ben da­durch völ­lig neue Ein­bli­cke in un­se­re Welt und ih­re Be­schaf­fen­heit. Ab heu­te pral­len dort aber zu­sätz­lich zwei ganz an­de­re Wel­ten auf­ein­an­der: Wis­sen­schaft und Kunst. „Dark Mat­ter“heißt die Aus­stel­lung von Wer­ken, die durch die Teil­chen-For­schung nach der „Dunk­len Ma­te­rie“in­spi­riert wur­den.

„Es gibt ei­ne Men­ge uner­war­te­te Ge­mein­sam­kei­ten zwi­schen For­schern und Künst­lern“, sagt Prof. Chris­ti­an Schwa­nen­ber­ger (49). Der Lei­ten­de Wis­sen­schaft­ler forscht nach Dunk­ler Ma­te­rie, die es zwar ge­ben muss – de­ren Exis­tenz aber noch nie be­stä­tigt wor­den ist. Er ist ei­ner der Initia­to­ren des Pro­jek­tes, ge­mein­sam mit der Ham­bur­ger Ma­le­rin Tan­ja Heh­mann.

„Wir ha­ben uns auf ei­ner Par­ty ken­nen­ge­lernt und über Wis­sen­schaft und Kunst un­ter­hal­ten“, er­zählt Schwa­nen­ber­ger. „Da­bei sa­hen wir, dass die Her­an­ge­hens­wei­sen von For­schern und Künst­lern sehr ähn­lich ist: Wir bei­de su­chen et­was, oh­ne ge­nau zu wis­sen, was es ist.“

Als Teil­chen­phy­si­ker geht er bei sei­nen Ver­su­chen von be­stimm­ten Wer­ten aus, die als Er­geb­nis her­aus­kom­men müss­ten. „Wenn die Zah­len sich be­stä­ti­gen, hab ich ge­won­nen – wie beim Lot­to.“Auch bei Heh­manns Schütt­bil­dern sei das Er­geb­nis nur be­dingt pl­an­bar. „Sie weiß nicht, wie das Bild nach­her aus­se­hen wird.“

Wäh­rend es bei Heh­manns Ge­mäl­den vor al­lem um ähn­li­che Ar­beits­wei­sen zwi­schen Kunst und Wis­sen­schaft geht, stellt Da­ni­el En­gel­berg kon­kre­ter dar, was die De­sy-For­scher den 15 teil­neh­men­den Künst­lern beim Start-Work­shop mit auf den Weg ge­ge­ben ha­ben. „Mei­ne Ar­bei­ten ori­en­tie­ren sich an Licht­strah­len und an den rund­li­chen For­men der Teil­chen“, sagt der 37-Jäh­ri­ge. Die Licht­bre­chungs­ef­fek­te, die Dunk­le Ma­te­rie im Uni­ver­sum ver­ur­sacht, hat er durch Bil­der aus glas­ar­ti­gem Harz auf­ge­grif­fen.

Mar­cel Gro­ße lässt Strom­ka­bel an­ein­an­der­schla­gen und fo­to­gra­fiert die Fun­ken, die an Teil­chen­kol­li­sio­nen er­in­nern. Ein schwar­zer Kup­pel­bau von Ja­na Schu­ma­cher steht für den Per­spek­tiv­wech­sel, den die For­schung er­mög­licht. Von au­ßen wirkt er wie ein Klotz mit mas­si­ven Wän­den, ent­puppt sich aber als leich­tes Stoff­ge­bil­de mit win­zi­gen Lö­chern, durch die Licht in In­ne­re fällt, „Geht man hin­ein, glaubt man, das Uni­ver­sum zu se­hen“, sagt Schwa­nen­ber­ger.

De­sy: bis 9.11., div. Ter­mi­ne. Er­öff­nung heu­te, 19 Uhr, Hör­saal, Ge­bäu­de 5, An­mel­dung auf de­sy.de, gra­tis

Der Mün­che­ner Künst­ler Da­ni­el En­gel­berg stellt sei­ne Ar­bei­ten zum The­ma „Dunk­le Ma­te­rie“in den For­schungs­hal­len des De­sy aus. Ein Schütt­bild der Ham­bur­ger Ma­le­rin Tan­ja Heh­mann, die die Aus­stel­lung am De­sy mit­or­ga­ni­siert hat

Der Teil­chen­phy­si­ker Prof. Chris­ti­an Schwa­nen­ber­ger vor ei­ner In­stal­la­ti­on der Künst­le­rin Ja­na Schu­ma­cher im De­sy.

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