Wie ist der Kiez zu ret­ten?

Nach der MOPO-Schlag­zei­le: Die Dis­kus­si­on über St. Pau­lis Nie­der­gang. Was der Be­zirks-Chef da­ge­gen tun will

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Mehr Suff, mehr Ge­walt, mehr Dreck: Kiez-Ur­ge­stein Uwe Chris­ti­an­sen pran­ger­te in der MOPO die un­halt­ba­ren Zu­stän­de auf der Ree­per­bahn an. Vor al­lem die Sauf-Ki­o­s­ke mit ih­rem Bil­lig-Fu­sel macht er für den Nie­der­gang ver­ant­wort­lich. Des­we­gen for­dert der Kul­tGas­tro­nom ei­nen run­den Tisch mit al­len Be­tei­lig­ten. Be­zirks­chef Fal­ko Droß­mann (SPD) re­agiert im In­ter­view mit ei­ner Ab­sa­ge. MOPO: Herr Droß­mann, wann wird es den ge­for­der­ten run­den Tisch end­lich ge­ben? Fal­ko Droß­mann: Gar nicht, weil es nichts bringt. Und war­um nicht? Wie dann?

Weil wir da­mit höchs­tens noch ein­mal die Pro­ble­me de­fi­nie­ren, die längst je­dem be­kannt sind. Die 58 Kiez-Ki­o­s­ke be­kom­me ich da­mit je­den­falls nicht weg.

Ich hof­fe, dass die Po­li­tik mir die recht­li­che Mög­lich­keit schafft, Al­ko­hol­ver­kauf aus Ki­o­s­ken her­aus ein­zu­schrän­ken. Ich glau­be, dass ich mit die­ser For­de­rung in­zwi­schen auf Ge­hör ge­sto­ßen bin. Mit Ver­laub, Glau­be reicht nicht. Vie­le be­kla­gen, dass die Si­tua­ti­on ein­fach nicht bes­ser wird. Den Ein­druck ha­be ich auch. Das liegt aber nicht an der Stadt oder den Ge­wer­be­trei­ben­den, son­dern vor al­lem an den Grund­ei­gen­tü­mern. Die ver­su­chen, je­den Qua­drat­me­ter in Geld um­zu­wan­deln, und set­zen da­mit die Kul­tur­land­schaft auf dem Kiez aufs Spiel. Es geht aber nicht nur um die Ki­o­s­ke, es geht auch um das The­ma Sau­ber­keit. Wä­re nicht zu­min­dest hier mal ein run­der Tisch sinn­voll? Den gibt es qua­si schon mit dem Bu­si­ness Im­pro­ve­ment District Ree­per­bahn. Ge­wer­be­trei­ben­de, Stadt und Stadt­rei­ni­gung ver­su­chen dort ge­mein­sam, et­wa die Sau­ber­keits­si­tua­ti­on zu ver­bes­sern. Das schaf­fen sie auch, in­dem zum Bei­spiel mehr Müll­ei­mer auf­ge­stellt wur­den. So was ge­schieht aber vor al­lem im neu­en öst­li­chen Teil der Ree­per­bahn mit Spiel­bu­den­platz und Tan­zen­den Tür­men. Im Wes­ten ver­kommt der Kiez zu­neh­mend. Wir über­le­gen uns be­reits et­was, um die La­ge im west­li­chen Teil zu ver­bes­sern. Das ist aber noch nicht spruchreif. Dann sa­gen Sie zu­min­dest, wie Sie den Kiez-Charme er­hal­ten wol­len. Vie­le be­dau­ern, dass Ham­bur­gen­si­en ver­schwin­den, die die gei­le Mei­le mal aus­ge­zeich­net ha­ben. Die Ree­per­bahn ver­än­dert sich, das stimmt. Heut­zu­ta­ge le­gen lei­der nicht mehr Tau­sen­de See­leu­te im Ha­fen an, um dann zur Ver­gnü­gungs­mei­le zu strö­men. Die Ge­schäf­te wan­deln sich mit der Zeit. Mit dem so­ge­nann­ten St. Pau­li-Co­de glei­chen wir neue Bau­maß­nah­men aber ab, um Tra­di­ti­ons­ge­schich­te zu er­hal­ten. Der Kiez wird aber lei­der – oder zum Glück? – nie mehr in die 50er Jah­re zu­rück­keh­ren. Zu dem Wan­del ge­hö­ren auch Ge­wer­be­leer­stand und stei­gen­de Mie­ten. Was tun Sie da­ge­gen? Auch auf St. Pau­li gibt es ei­ne Ver­teue­rung von Mie­ten. Mit den neu­en Es­so­häu­sern sind wir aber auf ei­nem gu­ten Weg, da dort auch So­zi­al­woh­nun­gen ent­ste­hen. Bei Ge­wer­be kann ich recht­lich we­nig ma­chen, aber ich ver­su­che es. Ak­tu­ell be­fin­den wir uns in ei­nem Bau­ge­bots­ver­fah­ren, mit dem ich ei­nen Grund­ei­gen­tü­mer da­zu zwin­gen möch­te, sei­ne un­be­bau­ten Flä­chen zu nut­zen. Kön­nen Sie auch et­was für das The­ma Si­cher­heit tun?

Das ist vor al­lem ei­ne An­ge­le­gen­heit der Po­li­zei. Und ich fin­de, dass die Be­am­ten ei­ne gu­te Prä­senz auf der Ree­per­bahn und in der Um­ge­bung zei­gen.

Be­zirks­chef Fal­ko Droß­mann (SPD) spricht im In­ter­view über den Kiez-Zu­stand und was sich künf­tig än­dern muss.

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