Die­se RAF-Rent­ner nar­ren die Po­li­zei

Über­fäl­le mit Pan­zer­faust Seit 25 Jah­ren lebt das Ter­ro­ris­ten-Trio im Un­ter­grund

Hamburger Morgenpost - - POLITIK -

HANNOVER Sie woll­ten mal ei­ne bes­se­re Welt her­bei­schie­ßen. Jetzt wol­len sie nur noch schie­ßen: Die Po­li­zei fahn­det nach drei Ex-RAFTer­ro­ris­ten – min­des­tens neun Raub­über­fäl­le wer­den ih­nen vor­ge­wor­fen. Die Ter­ror-Ol­dies ge­hen bru­tal vor.

Seit mehr als 25 Jah­ren le­ben Ernst-Vol­ker Staub (63), Burk­hard Gar­weg (49) und Da­nie­la Klet­te (59) im Un­ter­grund. Und die­ses Ver­steck­spiel kos­tet nicht nur Ner­ven, son­dern auch Geld. Das LKA Nie­der­sach­sen wirft den drei Alt­ter­ro­ris­ten vor, neun Über­fäl­le be­gan­gen zu ha­ben: acht Su­per­märk­te, ein Geld­trans­por­ter, al­les in Nord­deutsch­land. Die Beu­te: et­wa ei­ne Mil­li­on Eu­ro. Da­bei geht das Trio mit Pan­zer­faust und Schnell­feu­er­ge­wehr auf sei­ne Op­fer los.

Vor zwei Jah­ren si­cher­ten Er­mitt­ler DNA nach ei­nem fehl­ge­schla­ge­nen Über­fall bei Bre­men – seit­her wis­sen sie: Es sind tat­säch­lich Staub, Gar­weg und Klet­te.

Die Ver­däch­ti­gen ge­hö­ren zur „drit­ten Ge­ne­ra­ti­on“der „Ro­ten Ar­mee Frak­ti­on“– zehn Mor­de wer­den de­ren Mit­glie­dern im Zei­t­raum von 1985 bis 1993 vor­ge­wor­fen. Die­se „drit­te Ge­ne­ra­ti­on“war in der deut­schen lin­ken Sze­ne fast völ­lig iso­liert – sie fand aber Un­ter­stüt­zung im Aus­land: Ei­ni­ge An­schlä­ge wur­den ge­mein­sam mit den ita­lie­ni­schen „Bri­ga­te Ros­se“und der fran­zö­si­schen „Ac­tion Di­rec­te“durch­ge­führt.

Und die­se Dräh­te könn­ten den ehe­ma­li­gen Mit­glie­dern heu­te hel­fen. Denn seit die RAF sich 1998 auf­ge­löst hat, geht es für die Ge­such­ten nur noch um eins: sich zu ver­ste­cken. Mög­li­cher­wei­se grei­fen sie da­bei auf ge­fälsch­te Pa­pie­re aus DDRPro­duk­ti­on zu­rück.

Doch vor al­lem geht’s um Geld: „Das Le­ben in der Il­le­ga­li­tät ist we­sent­lich teu­rer als ein le­ga­les Le­ben“, so der Ex-RAF­ler Pe­ter-Jürgen Boock im „Spie­gel“. 1999 über­fiel das Trio ei­nen Geld­trans­por­ter in Duisburg – von der Beu­te konn­ten sie of­fen­bar bis 2011 le­ben. Denn da gin­gen die Über­fäl­le wie­der los.

Wo die drei sich auf­hal­ten, wie sie sich or­ga­ni­sie­ren und ob sie über­haupt zu­sam­men­le­ben, ist un­klar: „Die sind wie vom Erd­bo­den ver­schluckt, hoch­pro­fes­sio­nell“, so ein Fahn­der. Sie ver­mu­ten, dass das Trio Hil­fe von den al­ten Mit­kämp­fern be­kommt: et­wa der bas­ki­schen ETA oder Ita­li­ens „Bri­ga­te Ros­se“.

Ein Sze­na­rio der Fahn­der: drei zu al­lem be­rei­te Ter­rorSe­nio­ren, die ir­gend­wo am Mit­tel­meer mit fal­schen Iden­ti­tä­ten ein völ­lig un­auf­fäl­li­ges Le­ben füh­ren und nur für ih­re Über­fäl­le ins ver­trau­te Nord­deutsch­land rei­sen.

In Hil­des­heim wur­de das Trio bei ei­nem Über­fall ge­filmt. Al­te Fotos: Burk­hard Gar­weg, Ernst-Vol­ker Staub und Da­nie­la Klet­te (v. l.)

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