Wer re­giert jetzt ei lich Hamburg?

Olaf Scholz bleibt Sit­zung wie­der fern - Op­po­si­ti­on er­bost

Hamburger Morgenpost - - HAMBURG - MI­KE SCHLINK UND KRIS­TI­AN MEY­ER kris­ti­an.mey­er@mopo.de

Bür­ger­schafts­sit­zung im Rat­haus – und wer fehlt? Der Ers­te Bür­ger­meis­ter. Mal wie­der. Seit Wo­chen be­schäf­tigt sich Olaf Scholz (SPD) mit den Ko­ali­ti­ons­ver­hand­lun­gen in Ber­lin, ges­tern weil­te er in Bay­ern (sie­he Sei­te 5). Stellt sich die Fra­ge: Wer re­giert ge­ra­de Hamburg?

Nicht nur in Ber­lin, auch in un­se­rer Stadt schei­nen wich­ti­ge po­li­ti­sche Ent­schei­dun­gen der­zeit auf Eis ge­legt – weil Scholz durch Ab­we­sen­heit glänzt. Bes­tes Bei­spiel: Die für die ver­gan­ge­ne Wo­che an­ge­kün­dig­te Un­ter­zeich­nung ei­ner stra­te­gi­schen Part­ner­schaft mit der DHL wur­de kurz­fris­tig ab­ge­sagt. Scholz hat­te kei­ne Zeit. Auch für die gest­ri­ge Bür­ger­schafts­sit­zung nicht. Statt­des­sen fei­er­te er den po­li­ti­schen Ascher­mitt­woch bei der Bay­ern-SPD in Vilshofen.

„Par­tei­tags­re­den sind Olaf Scholz wich­ti­ger als die Stadt“, läs­tert Den­nis Gla­dia­tor (CDU). Ei­gent­lich woll­ten die Christ­de­mo­kra­ten Scholz’ Ab­gang nach Ber­lin the­ma­ti­sie­ren, doch dar­aus wur­de nichts.

Den Ta­ges­ord­nungs­punkt blo­ckier­te die SPD mit zahl­rei­chen Re­de­bei­trä­gen, in de­nen sie sich für die Ko­ali­ti­ons-Er­geb­nis­se selbst be­weih­räu­cher­te.

Für Micha­el Kru­se (FDP) ein kla­rer „Ver­such, von den Per­so­nal­spe­ku­la­tio­nen um Olaf Scholz ab­zu­len­ken“. Dass der sich nicht zu sei­nen Zu­kunfts­plä­nen äu­ße­re und statt­des­sen in ei­nem „Fa­schings­zelt“wei­le, sei „re­spekt­los ge­gen­über Ham­burgs Bür­gern“.

Dirk Ki­en­scherf (SPD) kon­tert: „Olaf Scholz ist zum Woh­le der Stadt un­ter­wegs“, schließ­lich tref­fe er sich in Bay­ern mit für Hamburg wich­ti­gen Part­nern wie dem BMW-Vor­stand und der Fraun­ho­fer-Ge­sell­schaft. „Das Re­gie­rungs­ge­schäft geht mit Voll­dampf vor­an un­ter die­sem Bür­ger­meis­ter“, sagt An­jes Tjarks (Grü­ne). Ein Be­leg sei­en die gu­ten Fort­schrit­te beim HSH-Nord­bank-Ver­kauf.

Tat­säch­lich ist Scholz in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten nicht un­tä­tig ge­we­sen. Die MOPO weiß: Statt sei­ner Stell­ver­tre­te­rin Kat­ha­ri­na Fe­ge­bank (Grü­ne) das Re­gie­ren zu über­las­sen, lei­te­te er die Ge­schi­cke der Stadt selbst – auch aus der Fer­ne. Per iPho­ne und Ta­blet di­ri­giert er sei­ne Mit­ar­bei­ter, Ak­ten und Ver­trä­ge wer­den ihm auf Rei­sen stets hin­ter­her­ge­schickt. Das wird auch min­des­tens bis zum SPD-Mit­glie­der­ent­scheid so blei­ben.

Ein Bier­zelt überm Kopf, ein Weiß­bier in der Hand – Bür­ger­meis­ter Olaf Scholz (SPD) war ges­tern bei der Bay­ern-SPD zu Gast.

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