Da­ten­schutz leicht­fer­tig ge­op­fert

Hamburger Morgenpost - - POLITIK - JÜRGEN DREVES po­li­tik@mopo.de

Dass künf­tig Per­so­nal­aus­wei­se nur noch mit di­gi­ta­lem Fin­ger­ab­druck aus­ge­ge­ben wer­den, ist so gut wie be­schlos­sen. Die EU will es, die Bun­des­re­gie­rung hat kei­ne Ein­wän­de. Ar­gu­ment: Die Do­ku­men­te wer­den fäl­schungs­si­cher. Das schützt uns vor Ter­ro­ris­ten und an­de­ren Kri­mi­nel­len. Wirk­lich? Die Zah­len, die die Bun­des­re­gie­rung sel­ber nennt, spre­chen ei­ne an­de­re Spra­che. Da­nach wa­ren im Jahr 2001 rund 62 Mil­lio­nen Bun­des­per­so­nal­aus­wei­se in Um­lauf. Zahl der fest­ge­stell­ten Ur­kun­den­de­lik­te im Zu­sam­men­hang mit der Nut­zung des Per­sos: 495 bin­nen knapp sie­ben Jah­ren, da­von 88 To­tal­fäl­schun­gen. Das war lan­ge vor Ein­füh­rung der Bio­me­trie. Da­nach dürf­te die Zahl der Fäl­schun­gen eher wei­ter zu­rück­ge­gan­gen sein. Hin­zu kommt: Die gro­ße Mehr­heit der Deut­schen will den Bio­me­trie-Per­so nicht, ver­zich­tet auf die heu­te be­reits mög­li­che Ak­ti­vie­rung des Chips. Fa­zit: Mit frag­wür­di­gen Ar­gu­men­ten und für ei­nen kaum wahr­nehm­ba­ren Nut­zen wird leicht­fer­tig wie­der ein Stück Da­ten­schutz ge­op­fert.

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