VW-Händ­ler Wil­ly Tiedt­ke ist plei­te! Sei­te 12

360 Mit­ar­bei­ter sind be­trof­fen.

Hamburger Morgenpost - - VORDERSEITE - MI­RI­AM KHAN mi­ri­am.khan@mopo.de

Ham­burg könn­te sein ers­tes pro­mi­nen­tes Die­sel-Op­fer ha­ben: Das Tra­di­ti­ons-Au­to­haus Wil­ly Tiedt­ke hat In­sol­venz an­ge­mel­det! Bran­chen­ken­ner be­rich­ten von mas­si­ven Um­satz­ein­bu­ßen nach der Af­fä­re um ma­ni­pu­lier­te Ab­gas­wer­te. Aber hat der Skan­dal Tiedt­ke tat­säch­lich das Ge­nick ge­bro­chen? Der In­sol­venz­ver­wal­ter sieht meh­re­re Grün­de.

Wie ei­ne Spre­che­rin von Wil­ly Tiedt­ke be­stä­tigt, ha­be man am Di­ens­tag beim Amts­ge­richt ei­nen In­sol­venz­an­trag ge­stellt. Die­ser Schritt sei „er­for­der­lich ge­wor­den, nach­dem trotz in­ten­si­ven Be­mü­hens in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten die wei­te­re Fi­nan­zie­rung der Ge­sell­schaft nicht mehr ge­si­chert wer­den konn­te“, heißt es in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung. An­ders aus­ge­drückt: Tiedt­ke ist plei­te!

Schuld könn­te der Die­selskan­dal sein. Nach MOPOIn­for­ma­tio­nen hat der näm­lich da­zu ge­führt, dass vie­le Au­to­häu­ser Mie­se ma­chen. Vor al­lem VW-Händ­ler wie Tiedt­ke wer­den arg ge­beu­telt. Pro­ble­me ma­che be­son­ders der Rück­kauf von Lea­sing­fahr­zeu­gen, be­rich­tet ein Bran­chen-In­si­der der MOPO: So­bald ein Händ­ler ei­nen Lea­sing­ver­trag ab­schließt – egal über wel­che Lauf­zeit – wird ein Rest­kauf­wert fest­ge­legt. Der Die­selskan­dal ha­be nun aber da­zu ge­führt, dass es bei den meis­ten Die­sel­au­tos ei­nen ex­tre­men Wert­ver­lust ge­be, so der In­si­der wei­ter. Es kön­ne da­her pas­sie­ren, dass Händ­ler pro Wa­gen 4000 bis 5000 Eu­ro Mie­se ma­chen wür­den. Das Pro­blem be­tref­fe aber al­le Händ­ler mit Die­sel-Mo­del­len, nicht nur Tiedt­ke.

Das be­stä­tigt auch Ger­rit Hölz­le auf MOPO-Nach­fra­ge. Er und sein Kol­le­ge Thors­ten Bieg von der Kanz­lei Görg wur­den als In­sol­venz­ver­wal­ter in die Tiedt­ke-Ge­schäfts­füh­rung be­ru­fen. In der Tat ha­be die Die­sel­af­fä­re bei Tiedt­ke, genau wie bei an­de­ren Au­to­häu­sern, zu Um­satz­ein­bu­ßen ge­führt, sagt Hölz­le.

Die Plei­te aber nur auf den Skan­dal zu­rück­zu­füh­ren, sei „Le­gen­den­bil­dung“. Viel­mehr sei­en es meh­re­re Grün­de, die zur Plei­te ge­führt hät­ten, „wo­mög­lich auch Ma­nage­ment­feh­ler“. Genau wis­se man das erst nach der Prü­fung al­ler Un­ter­la­gen. „Da­mit ha­ben wir aber ge­ra­de erst an­ge­fan­gen“, so Hölz­le.

Tiedt­ke selbst teil­te via Pres­se­mel­dung mit, man sei be­reits in Ge­sprä­chen, um das Un­ter­neh­men „kurz­fris­tig an ei­nen In­ves­tor zu ver­äu­ßern“. Hölz­le woll­te das nicht be­stä­ti­gen. Man hal­te sich „al­le Op­tio­nen of­fen“.

Von der In­sol­venz be­trof­fen sind 360 Mit­ar­bei­ter. Bis En­de des Jah­res er­hal­ten sie noch Ge­halt, so Hölz­le. Wie es da­nach wei­ter­ge­he, sei noch un­klar. Man wer­de sich da­zu in den kom­men­den Wo­chen be­rat­schla­gen.

Und was müs­sen Tiedt­keKun­den nun wis­sen? Wer ein Au­to ge­kauft und ge­lie­fert be­kom­men hat, für den ent­stün­den kei­ne Pro­ble­me. Hölz­le geht da­von aus, dass ih­re Ga­ran­ti­en von VW oder an­de­ren Händ­ler über­nom­men wer­den. Kun­den, die ein ge­kauf­tes Au­to noch nicht ge­lie­fert be­kom­men ha­ben, mel­den sich am bes­ten per E-Mail bei Hölz­le und sei­nem Kol­le­gen: wil­ly tiedt­ke@go­erg.de

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