Kei­ner will das „schwar­ze Gold“

„Zehn Hekt­ar Wald sind ein­fach weg“: Hei­de­dör­fer weh­ren sich ge­gen den Bau ei­nes As­phalt­wer­kes

Hannoversche Allgemeine - - NIEDERSACHSEN & DER NORDEN - VON GA­B­RIE­LE SCHUL­TE

Kre­lin­gen. Es gibt Be­trie­be, die kei­ner in sei­ner Nach­bar­schaft ha­ben will. Im Hei­de­kreis wächst der Un­mut über die Plä­ne der Fir­ma Ah­rens, die in der Re­gi­on ein As­phalt­werk er­rich­ten möch­te. Seit Mo­na­ten sucht das Un­ter­neh­men ei­nen Bau­platz für ei­ne neue Mi­sch­an­la­ge, doch ei­ne Kom­mu­ne nach der an­de­ren winkt ab; auch die Wals­ro­der Orts­tei­le Kre­lin­gen und Wes­ten­holz ha­ben nun Wi­der­stand si­gna­li­siert. „Mit der schwar­zen In­dus­trie ver­baut man sich ei­ne gan­ze Re­gi­on“, meint Kre­lin­gens Orts­vor­ste­her Karl-Heinz Frei­tag. Nicht ein­mal Ge­wer­be­steu­er oder ei­ne nen­nens­wer­te Zahl von Ar­beits­plät­zen sei zu er­war­ten: „Zehn Hekt­ar Land sind ein­fach weg.“

Auf dem Ge­län­de am Au­to­bahn­drei­eck Wals­ro­de steht Kie­fern­wald. Dort will Ah­rens zu­sätz­lich zur Pro­duk­ti­on in Stadtha­gen und Bre­men mehr „schwar­zes Gold“her­stel­len, wie das Un­ter­neh­men sein Pro­dukt be­wirbt. Nach ge­schei­ter­ten An­sied­lungs­ver­su­chen in Bom­litz und Düs­horn meint Ge­schäfts­füh­rer Kars­ten Klein nun den idea­len Stand­ort für die 23 Me­ter ho­he An­la­ge ge­fun­den zu ha­ben. Die nächs­te Sied­lung lie­ge 1,6 Ki­lo­me­ter ent­fernt. „Die Be­woh­ner wer­den nichts se­hen, nichts hö­ren, nichts rie­chen“, sagt er.

Nur sechs Werks­ar­beits­plät­ze Die zu­stän­di­ge Stadt Wals­ro­de lässt die An­fra­ge wohl­wol­lend prü­fen. In den Dör­fern rund um den mög­li­chen Bau­platz ist man da­ge­gen mehr als skep­tisch. Seit ei­ner von Ah­rens or­ga­ni­sier­ten In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung wach­se der Pro­test, be­rich­tet Frei­tag. Der Orts­vor­ste­her hat­te sich an­fangs durch­aus of­fen für die Plä­ne ge­zeigt. „Aber das Dorf will das nicht“, hat er in­zwi­schen er­kannt. Die vom Un­ter­neh­men vor­ge­se­he­nen sechs Ar­beits­plät­ze im Werk, plus Last­wa­gen­fah­rer, sei­en nichts ge­gen die zu er­war­ten­den Nach­tei­le. „Ge­wer­be­steu­er zah­len die auch nicht“, sagt Frei­tag.

Die Nach­tei­le lie­gen nach An­sicht der An­lie­ger auf der Hand: Krach und Staub beim St­ei­ne­zer­trüm­mern, Gestank und mög­li­cher­wei­se krank ma­chen­de Emis­sio­nen ins­be­son­de­re beim Be­trieb mit Braun­koh­le. Da­zu kommt die Ver­kehrs­be­las­tung beim Ab­trans­port des hei­ßen As­phalts zu den Bau­stel­len. Das Werk, sagt der Kre­lin­ger Arzt Tho­mas Bartsch, pas­se nicht in die Hei­de­land­schaft: „Der Bau zwi­schen den Land­schafts­schutz­ge­bie­ten Kre­lin­ger Hei­de und Wes­ten­hol­zer Bruch ver­stößt ge­gen das Bun­des­na­tur­schutz­ge­setz.“Förs­ter Mat­thi­as Hö­ber­mann aus Wes­ten­holz ver­weist auf Be­las­tun­gen, die die Re­gi­on schon zu tra­gen ha­be, un­ter an­de­rem Schieß­lärm vom Trup­pen­übungs­platz.

Auch in Stadtha­gen sieht sich Ah­rens mit sei­ner As­phalt­s­par­te Ge­gen­wind aus­ge­setzt. Aus der dor­ti­gen Bür­ger­initia­ti­ve ist Bür­ger­meis­ter Oli­ver Theiß her­vor­ge­gan­gen. „Wir ha­ben hier mit Ge­rü­chen wie auf ei­ner Au­to­bahn­bau­stel­le zu kämp­fen“, sagt er, Ah­rens sei den An­lie­gern aber in man­cher Hin­sicht ent­ge­gen­ge­kom­men. Für das ge­plan­te Werk bei Kre­lin­gen ver­spricht Ge­schäfts­füh­rer Klein best­mög­li­chen Sicht- und Lärm­schutz und mo­der­ne Luft­fil­ter; er lädt zur Be­sich­ti­gung des Werks nach Stadtha­gen ein. Ob das die An­woh­ner um­stimmt, ist frag­lich.

FO­TO: AH­RENS

Un­pas­send für die Hei­de­land­schaft? So soll das As­phalt­misch­werk aus­se­hen.

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