Land zahlt 4000 Eu­ro Meis­ter­prä­mie

Nie­mer­sich­sen will Hinmwer­ker kei mer Wei­ter­kil­muns fi­nin­zi­ell ent­lis­ten / Wirt­schifts­mi­nis­te­ri­um rech­net mit 8 kis 10 Mil­lio­nen Eu­ro Kos­ten im Jihr

Hannoversche Allgemeine - - WIRTSCHAFT - Von Chris­ti­en Wö­liert

Han­no­ver. Nie­der­sach­sen will die Aus­bil­dung von Hand­werks­meis­tern deut­lich stär­ker för­dern. Wirt­schafts­mi­nis­ter Olaf Lies (SPD) hat sich am Frei­tag mit Ver­tre­tern der Hand­werks­kam­mern und Ar­beit­ge­ber auf ei­ne neue Meis­ter­prä­mie in Hö­he von 4000 Eu­ro ge­ei­nigt. Das Geld soll nach be­stan­de­ner Meis­ter­prü­fung ge­zahlt wer­den – und zwar rück­wir­kend vom 1. Sep­tem­ber an. „Das ist ein Durch­bruch“, sag­te Karl-Wil­helm St­ein­mann, Vi­ze­prä­si­dent des Nie­der­säch­si­schen Hand­werks­ta­ges.

Lies be­grün­de­te die För­de­rung mit dem Man­gel an Fach­kräf­ten im Hand­werk. „An­fang der 2000erJah­re ha­ben in Nie­der­sach­sen noch mehr als 3000 Per­so­nen ei­ne Meis­ter­prü­fung ab­ge­legt. Bis 2016 sank die­se Zahl auf we­ni­ger als 2200“, sag­te er. Dies er­schwe­re äl­te­ren Meis­tern die Su­che nach ge­eig­ne­ten Nach­fol­gern, die ih­re Be­trie­be wei­ter­führ­ten. Au­ßer­dem füh­re der Man­gel da­zu, dass im­mer we­ni­ger Be­trie­be jun­ge Hand­wer­ker aus­bil­de­ten.

Al­le Frak­tio­nen an ei­nem Strang Lies’ Mi­nis­te­ri­um rech­net mit Kos­ten von 8 bis 10 Mil­lio­nen Eu­ro pro Jahr. „Die not­wen­di­gen Fi­nanz­mit­tel sol­len in ei­nem Nach­trags­haus­halt 2018 ver­an­kert wer­den“, sag­te der Mi­nis­ter. Vor der Land­tags­wahl am 15. Ok­to­ber wird das al­ler­dings nicht pas­sie­ren, denn für die letz­te Sit­zung in der kom­men­den Wo­che steht das The­ma nicht auf der Agen­da. Das Geld wird al­so das neue Par­la­ment frei­ge­ben müs­sen.

Kom­men dürf­te die Meis­ter­prä­mie aber un­ab­hän­gig vom Aus­gang der Wahl. Denn die För­de­rung geht zu­rück auf ei­nen An­trag der FDP-Frak­ti­on, dem Mit­te Au­gust al­le Frak­tio­nen zu­ge­stimmt hat­ten. Der An­trag for­der­te die Lan­des­re­gie­rung auf, an­ge­hen­de Meis­ter von Lehr­gangs- und Prü­fungs­ge­büh­ren zu be­frei­en, um sie Stu­den­ten gleich­zu­stel­len.

Für die­ses Ziel kämp­fen die Hand­werks­kam­mern schon seit Jah­ren. Sie hal­ten es für un­fair, dass Aka­de­mi­ker ge­büh­ren­frei stu­die­ren, wäh­rend Meis­ter für ih­re Kur­se zah­len. Mit der Meis­ter­prä­mie sei man in Nie­der­sach­sen nun „end­lich auf dem rich­ti­gen Weg zu der im­mer wie­der vom Hand­werk ge­for­der­ten Gleich­stel­lung der aka­de­mi­schen und be­ruf­li­chen Bil­dung“, sag­te St­ein­mann.

Der nie­der­säch­si­sche Hand­werks­tag schätzt, dass Hand­wer­ker im Durch­schnitt 9000 Eu­ro für die Vor­be­rei­tungs­kur­se aus­ge­ben. Die Meis­ter­schu­len der Kam­mern er­he­ben die Ge­büh­ren, weil sie sich selbst fi­nan­zie­ren müs­sen. Hin­zu kom­men Kos­ten für das Meis­ter­stück; zu­dem müs­sen die an­ge­hen­den Meis­ter ei­nen Ver­dienst­aus­fall ein­kal­ku­lie­ren, der aber schwer zu be­zif­fern ist. Un­ter dem Strich in­ves­tie­ren die meis­ten aber fünf­stel­li­ge Be­trä­ge in ih­re Meis­ter­aus­bil­dung. Bund und Län­der un­ter­stüt­zen die an­ge­hen­den Meis­ter des­halb schon seit Län­ge­rem mit Zu­schüs­sen und Dar­le­hen. Die­ses so­ge­nann­te Meis­terb­afög deckt je­doch nur rund die Hälf­te der Aus­bil­dungs­kos­ten ab.

Kri­tik vom Bund der Steu­er­zah­ler Die nie­der­säch­si­sche Lan­des­re­gie­rung und die Hand­werks­kam­mern hof­fen, dass die Bun­des­re­gie­rung das Auf­stiegs­fort­bil­dungs­ge­setz so än­dert, dass das Meis­terb­afög künf­tig 100 Pro­zent der Kos­ten ab­deckt. „Falls dies nicht im Ko­ali­ti­ons­ver­trag der neu­en Bun­des­re­gie­rung ste­hen soll­te, wird Nie­der­sach­sen ei­ne ent­spre­chen­de Bun­des­rats­in­itia­ti­ve star­ten“, sag­te Lies. Soll­te die­ses Vor­ha­ben ge­lin­gen, dürf­te die nie­der­säch­si­sche Meis­ter­prä­mie über­flüs­sig sein.

Der Bund der Steu­er­zah­ler sieht die neue Prä­mie kri­tisch. „Mi­nis­ter Lies zeigt sich bei der Meis­ter­prä­mie aus­ge­spro­chen spen­da­bel. Vor Wah­len ist so man­ches mög­lich“, sag­te Bern­hard Zent­graf, Vor­sit­zen­der des Steu­er­zah­ler­bunds in Nie­der­sach­sen. Län­der wie Bay­ern oder Meck­len­burg-Vor­pom­mern zahl­ten le­dig­lich 1000 Eu­ro.

„Der Bo­nus des Staa­tes ist we­der ein­kom­men­steu­er­pflich­tig noch min­dert er Wer­bungs­kos­ten, die im Zu­sam­men­hang mit dem Meis­ter­kurs ste­hen“, be­ton­te Zent­graf. „So sehr mit der Prä­mie ei­ne Wert­schät­zung des Hand­werks und ei­ne Stär­kung des Un­ter­neh­mer­tums ein­her­geht, so wich­tig ist ei­ne so­li­de Fi­nan­zie­rung im Lan­des­haus­halt“, er­gänz­te er.

Ju­bel bei der Meis­ter­fei­er: Un­ter dem Strich in­ves­tie­ren Hand­wer­ker fünf­stel­li­ge Be­trä­ge in ih­re Meis­ter­aus­bil­dung.

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