Zwang führt zur Prä­mie

Hannoversche Allgemeine - - WIRTSCHAFT - Von Ali­recht Sche­termenn

Ist der Man­gel an Hand­werks­meis­tern ein Pro­blem, dem man mit Steu­er­geld be­geg­nen muss? Die­se Fra­ge stellt sich im Zu­sam­men­hang mit der nun vom Land Nie­der­sach­sen ver­ein­bar­ten Meis­ter­prä­mie. 4000 Eu­ro soll es für ei­ne er­folg­rei­che ab­ge­leg­te Prü­fung ge­ben – das ist für vie­le Hand­wer­ker be­stimmt ein An­reiz, sich die­sen Mü­hen zu un­ter­zie­hen. Zu­sätz­lich setzt sich Nie­der­sach­sens Wirt­schafts­mi­nis­ter Olaf Lies da­für ein, dass der Staat die­se Wei­ter­bil­dung ei­nes Ta­ges kom­plett fi­nan­ziert.

Dass der Meis­ter­man­gel auch zu ei­nem po­li­ti­schen The­ma ge­wor­den ist, hängt mit ei­ner Be­son­der­heit der deut­schen Wirt­schafts­ord­nung zu­sam­men: In vie­len Hand­werks­be­ru­fen vom Bä­cker über den Klemp­ner bis zum Zwei­rad­me­cha­ni­ker darf man hier­zu­lan­de nur mit Meis­ter­brief ei­nen ei­ge­nen Be­trieb auf­ma­chen. Gibt es zu we­nig Meis­ter­nach­wuchs, droht folg­lich vie­len Un­ter­neh­men das Aus. Das könn­te schlecht für die Wirt­schaft und den Ar­beits­markt sein – und so macht erst der Meis­ter­zwang den Meis­ter­man­gel zu ei­nem Pro­blem, das auch die Po­li­tik an­geht.

Ei­ne Lö­sung wä­re, den Meis­ter­zwang ab­zu­schaf­fen. Doch da­für gibt es hier­zu­lan­de kei­ne Mehr­hei­ten, zu­mal so­mit auch das welt­weit an­ge­se­he­ne dua­le Aus­bil­dungs­sys­tem ins Wan­ken ge­rie­te. Un­ter die­sen Be­din­gun­gen ist die Meis­ter­prä­mie fol­ge­rich­tig.

Zu­dem ist sie ein Si­gnal an jun­ge Leu­te: Ei­ne qua­li­fi­zier­te Aus­bil­dung mit gu­ten Zu­kunfts­chan­cen bie­ten nicht nur die Hoch­schu­len, son­dern auch Hand­werks­be­trie­be. Geld ist bei der Be­rufs­wahl si­cher nicht al­les, aber es spielt ei­ne wich­ti­ge Rol­le.

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