Er­lahm­te Ener­gie

Hannoversche Allgemeine - - FINANZEN -

Es ist wie ver­hext. Al­le drei Mo­na­te wird mit ei­ni­gem Trom­mel­wir­bel der so­ge­nann­te He­xen­sab­bat der Bör­se an­ge­kün­digt – je­ner „drei­fa­che Ver­falls­tag“, an dem die Ter­min­ge­schäf­te in drei ver­schie­de­nen Wert­pa­pier­grup­pen ab­lau­fen. Je nä­her der Ter­min rückt, des­to grö­ßer wird der Druck, die zu­grund­lie­gen­den Kur­se in die rich­ti­ge Rich­tung zu be­we­gen. Das kann theo­re­tisch zu hef­ti­gen und kaum kal­ku­lier­ba­ren Kurs­be­we­gun­gen füh­ren – tut es in der Pra­xis aber gar nicht so oft. Ges­tern et­wa war ein ge­ra­de­zu schläf­ri­ger He­xen­sab­bat, und hier be­stä­tigt sich, dass be­son­ders viel über ihn ge­re­det wird, wenn be­son­ders we­nig los ist. Der Eu­ro ist we­gen durch­wach­se­ner US-Kon­junk­tur­da­ten wie­der ge­stie­gen, was den Ak­ti­en­han­del be­kannt­lich auch nicht be­lebt. Ganz vorn lag im Dax Con­ti­nen­tal, wo of­fen­bar noch die Ge­dan­ken­spie­le rund um die Auf­spal­tung des Kon­kur­ren­ten Au­to­liv nach­wir­ken. Es war aber – trotz des stei­gen­den Eu­ro – ge­ne­rell kein schlech­ter Tag für Au­to­wer­te. Auch Daim­ler und BMW reih­ten sich vorn ein, al­ler­dings mit be­schei­de­nen Zu­wäch­sen.

Zum Wo­chen­schluss er­lahmt oft die Ener­gie. So war es am Frei­tag auch mit den ein­schlä­gi­gen Ak­ti­en. Wäh­rend man beim Men­schen al­ler­dings von ei­nem na­tür­li­chen und ge­ra­de­zu wün­schens­wer­ten Pro­zess spre­chen kann, half bei den Ener­gie­ak­ti­en der Ex­per­te der fran­zö­si­schen So­cié­té Gé­né­ra­le nach. In sei­ner Bran­chen­stu­die gräbt er sich tief durch die Zah­len und kommt zu dem Schluss, dass die Ak­ti­en nach dem An­stieg der ver­gan­ge­nen Mo­na­te mehr als or­dent­lich be­wer­tet sei­en. RWE und Eon wur­den von „kau­fen“auf „hal­ten“her­un­ter­ge­stuft, was den ei­nen 1,1 und den an­de­ren 0,5 Pro­zent Kurs­ver­lust be­scher­te. Die je­wei­li­gen Be­tei­li­gun­gen In­no­gy und Uni­per büß­ten so­gar 1,3 und 2 Pro­zent an Wert ein. Zu zi­tie­ren ist al­ler­dings auch die Be­mer­kung des Ex­per­ten, dass sei­ne Ein­schät­zung et­wai­ge Über­nah­me­an­ge­bo­te nicht be­rück­sich­ti­ge. In der Tat, vor al­lem bei In­no­gy hat sich die Fu­si­ons­fan­ta­sie zu ei­ner Art re­ge­ne­ra­ti­ver Ener­gie­quel­le für den Kurs ent­wi­ckelt.

Es gibt un­ge­fähr 30 Mil­lio­nen Haus­tie­re in Deutsch­land. Das ist, man kann es nicht an­ders sa­gen: viel. Aber of­fen­bar ist es nicht ge­nug für all die Un­ter­neh­men, die da­mit Ge­schäf­te ma­chen wol­len. Der On­lin­händ­ler Zo­op­lus je­den­falls kann sich Ge­winn im Mo­ment nicht so rich­tig leis­ten, son­dern braucht das Geld zur Neu­kun­den­ge­win­nung zwecks Er­halt des Markt­an­teils. Der Vor­steu­er­ge­winn, der in die­sem Jahr rund um 20 Mil­lio­nen Eu­ro lie­gen soll­te, wird des­halb nicht ein­mal halb so hoch aus­fal­len. Der Kurs rutsch­te zeit­wei­se um ein Fünf­tel, und es ist ein sehr schwa­cher Trost, dass es am En­de nur noch 10 Pro­zent wa­ren.

Ste­fan Win­ter

WIRTSCHAFTSREDAKTION

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.