Wem ge­hört Leib­niz?

Die­se Fra­ge be­schäf­tigt dem­nächst ein Ge­richt, weil Bahl­sen sei­ne Na­mens­rech­te ver­letzt sieht – durch ei­nen Sou­ve­nir-Shop der Uni Han­no­ver

Hannoversche Allgemeine - - WIRTSCHAFT - Von Chris­ti­an Wöl­bert unc Ralf E. Krü­ger

Han­no­ver. Ein skur­ri­ler Na­mens­streit ent­zweit den Keks­kon­zern Bahl­sen und Nie­der­sach­sens zweit­größ­te Hoch­schu­le. Bei­de be­ru­fen sich auf Han­no­vers be­rühm­ten Uni­ver­sal­ge­lehr­ten Gott­fried Wil­helm Leib­niz (1646–1716): Bahl­sen nennt sei­nen be­kann­tes­ten But­ter­keks seit mehr als ei­nem Jahr­hun­dert nach ihm, die Uni­ver­si­tät Han­no­ver führt den Na­men des Ho­f­ra­tes seit 2006 im Na­men.

Das ging lan­ge gut – doch nun hat Bahl­sen die Uni­ver­si­tät vor dem Land­ge­richt Ham­burg ver­klagt. In der Kla­ge­schrift stellt das Un­ter­neh­men drei For­de­run­gen: Die Hoch­schu­le dür­fe den Be­griff Leib­niz nicht „in Al­lein­stel­lung“für Tee, al­ko­ho­li­sche Ge­trän­ke und Ähn­li­ches ver­wen­den. Au­ßer­dem dür­fe sie die Be­zeich­nung „Leib­niz-Shop“nicht im ge­schäft­li­chen Ver­kehr nut­zen und müs­se auf die ent­spre­chen­den In­ter­net­adres­sen ver­zich­ten.

Seit 1897 ge­schützt Der St­ein des An­sto­ßes: Seit zwei Jah­ren ver­kauft die Uni un­ter www.leib­niz-shop.de di­ver­se Sou­ve­ni­rar­ti­kel, vor al­lem Klei­dung und Bü­ro­ar­ti­kel, aber auch Le­bens­mit­tel wie Tee und Sekt. Au­ßer­dem hat sie die Mar­ke „Leib­niz-Shop“beim Deut­schen Pa­tent- und Mar­ken-Amt ein­ge­tra­gen.

Die Bahl­sen-Grup­pe sieht da­durch ih­re Mar­ke Leib­niz ver­letzt, die sie schon 1897 hat schüt­zen las­sen. Im­mer wie­der wür­den Wett­be­wer­ber aus der Sü­ßig­kei­ten­bran- che ver­su­chen, die Bahl­sen-Mar­ken zu ko­pie­ren, er­klärt ein Spre­cher. Zum Bei­spiel ha­be ein Un­ter­neh­men Pi­ckit-Kek­se an­ge­bo­ten, in An­leh­nung an Bahl­sens Pick­up. Ge­gen sol­che Ver­su­che weh­re man sich in der Re­gel so­fort ju­ris­tisch.

Mit der Uni­ver­si­tät ha­be man hin­ge­gen meh­re­re Ver­mitt­lungs­ge­sprä­che ge­führt. Auch Kon­zern­chef Wer­ner M. Bahl­sen und UniPrä­si­dent Vol­ker Ep­ping hät­ten sich ge­trof­fen – je­doch nicht ge­ei­nigt. Die Uni ha­be sich so­gar ge­wei­gert, als Kom­pro­miss den Na­men „Leib­niz-Uni-Shop“zu ak­zep­tie­ren, be­klagt die Fir­ma. Des­we­gen ha­be man sich nun ge­zwun­gen ge­se­hen, ge­gen die Uni zu kla­gen. Wür­de man ein Au­ge zu­drü­cken, wür­de das lang­fris­tig das ei­ge­ne Mar­ken­recht schwä­chen, be­tont die Fir­ma. Im Ex­trem­fall kön­ne man die Mar­ken­rech­te so­gar ver­lie­ren.

Von der Uni­ver­si­tät gab es zu­nächst kei­ne Stel­lung­nah­me. „Uns liegt noch kei­ne An­kla­ge­schrift vor, in­so­fern kön­nen wir uns auch nicht äu­ßern“, sag­te ei­ne Spre­che­rin. Auch ein Ver­hand­lungs­ter­min steht noch aus.

Der Mar­ken­rechts­spe­zia­list Mar­cel Lee­ser geht da­von aus, dass Bahl­sen nur ei­nen sei­ner An­sprü­che leicht durch­set­zen kann. „Die Uni wird ei­nen mög­li­chen Ver­kauf von Le­bens­mit­teln über den Shop wohl zu un­ter­las­sen ha­ben“, sagt der Rechts­an­walt der Köl­ner Kanz­lei Hö­cker. „Es gilt das Prin­zip, dass die äl­te­re Mar­ke ge­winnt.“

Den On­li­ne-Shop der Uni sieht Lee­ser je­doch we­ni­ger in Ge­fahr. Denn da­für ge­be es ei­ne ei­ge­ne Schutz­klas­se. Und in die­ser ha­be die Uni­ver­si­tät 2015 ih­ren „Leib­niz-Shop“an­ge­mel­det, Bahl­sen sei­nen „Leib­niz“erst 2016.

Falls Lee­ser mit sei­ner Ana­ly­se rich­tig liegt, müss­ten al­so bei­de Streit­häh­ne Zu­ge­ständ­nis­se ma­chen. Der Ex­per­te emp­fiehlt des­halb, sich lie­ber gleich au­ßer­ge­richt­lich zu ei­ni­gen. „Das ist kauf­män­nisch we­sent­lich bes­ser, als jah­re­lang durch die In­stan­zen zu pro­zes­sie­ren.“

FO­tOs: DILLENBErG, DPA Ver­klagt die Uni Han­no­ver: Wer­ner M. Bahl­sen vor der Un­ter­neh­mens­zen­tra­le in Han­no­ver.

In Kon­kur­renz zu Kek­sen?: Tas­sen und ein Leib­niz-Qu­iet­sche­ent­chen.

Der Leib­niz-Shop im Haupt­ge­bäu­de der Uni im Wel­fen­schloss.

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