EM-Deutsch­land 2024

Der DFB hat ent­schie­den, mit wel­chen Städ­ten er sich um die Fuß­ball-EM in sie­ben Jah­ren be­wer­ben will. Das Ran­king, die Re­ak­tio­nen.

Hannoversche Allgemeine - - SPORT - VON SE­BAS­tI­AN HARFSt

Frank­furt. Die­se Wor­te wer­den die Ver­lie­rer kaum trös­ten: „Al­le wa­ren taug­lich, kei­ner ist durch­ge­fal­len“, sag­te DFB-Prä­si­dent Rein­hard Gr­in­del, als fest­stand, mit wel­chen zehn Städ­ten sich der Deut­sche Fuß­ball-Bund um die EM 2024 be­wer­ben will. Das Pro­blem: Ob­wohl al­le „taug­lich“wa­ren, muss­ten vier Be­wer­ber als et­was we­ni­ger taug­lich ein­ge­stuft wer­den. Mit mehr als zehn Are­nen woll­te der DFB das Un­ter­neh­men EM nicht an­ge­hen. Und des­we­gen blei­ben in sie­ben Jah­ren ne­ben Han­no­ver auch Nürn­berg, Mön­chen­glad­bach und Bre­men oh­ne Tur­nier­spie­le. Ber­lin, Mün­chen, Düs­sel­dorf, Stuttgart, Köln, Ham­burg, Leip­zig, Dort­mund, Gel­sen­kir­chen und Frank­furt dür­fen Fuß­ball-Eu­ro­pa emp­fan­gen – wenn die Be­wer­bung ge­gen Kon­kur­rent Tür­kei er­folg­reich ist. Die Ent­schei­dung dar­über fällt in ei­nem Jahr. Gr­in­del vor­sich­tig: „Es wä­re ein völ­lig fal­scher Ein­druck, dass das Ren­nen schon ge­lau­fen ist.“

So ent­stand das Städ­ter­an­king: Haupt­sa­che, trans­pa­rent! Die­se Lo­sung hat­te der DFB auf­grund der Er­fah­run­gen mit der WM 2006 vor­her aus­ge­ge­ben. Des­we­gen wur­de ein Ka­ta­log er­stellt, auf des­sen Ba­sis die Be­wer­ber ge­prüft wur­den. Um­fang: statt­li­che 103 Prüf­punk­te wie Sta­di­on­ka­pa­zi­tät, Ho­tel­bet­ten, An­fahrt, Si­cher­heit und so wei­ter in zehn Sek­to­ren.

Am En­de ent­stand auch mit der Hil­fe von Trans­pa­ren­cy In­ter­na­tio­nal ei­ne Rei­hen­fol­ge der Be­wer­ber, die Ber­lin vor Mün­chen an­führt und de­ren Schluss­licht Bre­men ist.

Die Re­ak­tio­nen der Ver­lie­rer: Bo­rus­sia Mön­chen­glad­bachs Vi­ze­prä­si­dent Rai­ner Bon­hof platz­te der Kra­gen. „Ich bin nicht sau­er, ich bin stink­sau­er“, schimpf­te der Welt­meis­ter von 1974, nach­dem sei­ne Hei­mat­stadt nach der EM 1988 und der WM 2006 er­neut leer aus­ge­gan­gen war. „Ich bin kurz da­vor, dass mein Hals platzt, weil ich wirk­lich da­mit ge­rech­net ha­be, dass Bo­rus­sia nach all den Jah­ren mit dem Sta­di­on, mit dem Um­feld, mit der su­per Zu­sam­men­ar­beit mit der Stadt und der Prä­sen­ta­ti­on, die wir ab­ge­lie­fert ha­ben, den Zu­schlag kriegt“, so Bon­hof wei­ter.

Auch Ran­king-Schluss­licht Bre­men ging zum vier­ten Mal leer aus. Nach­dem man bei der Ent­schei­dung vor der WM 2006 an Han­no­ver ge­schei­tert war, bli­cken nun bei­de nord­deut­schen Städ­te in die Röh­re. „Wir sind nach wie vor über­zeugt, dass Bre­men mit sei­ner ganz be­son­de­ren Fuß­ball-At­mo­sphä­re der deut­schen Be­wer­bung ei­ne be­son­de­re No­te ge­ge­ben hät­te“, sag­te Hu­ber­tus Hess-Gru­ne­wald, Prä­si­dent des SV Wer­der.

In Nürn­berg sah man nach der Nie­der­la­ge die po­si­ti­ven Aspek­te: „Al­le ge­stell­ten An­for­de­run­gen konn­ten wir er­fül­len. Wir kön­nen al­so sa­gen, wir wä­ren in der La­ge, das dritt­größ­te Sport­er­eig­nis der Welt bei uns auf­zu­neh­men“, sag­te Bür­ger­meis­ter Chris­ti­an Vo­gel. „Ich se­he des­halb die Ent­schei­dung des DFB nicht als Vo­tum ge­gen Nürn­berg, son­dern als ei­ne Re­gio­nal­aus­wahl, die ei­ne größt­mög­li­che Ver­tei­lung der Spiel­or­te in der Bun­des­re­pu­blik er­mög­licht.“

Die Re­ak­tio­nen der Ge­win­ner: Be­son­ders groß war die Er­leich­te­rung in Frank­furt. Nur ganz knapp lan­de­te die Main-Me­tro­po­le auf Platz zehn – und ließ da­mit Nürn­berg und Han­no­ver ge­ra­de so hin­ter sich. „Frank­furt hät­te ei­ne bes­se­re Be­wer­bung ab­ge­ben kön­nen“, stell­te DFB-Ge­ne­ral­se­kre­tär Fried­rich Cur­ti­us kri­tisch fest. Frank­furts Ober­bür­ger­meis­ter Pe­ter Feld­mann war den­noch zu­frie­den. „Die EM 2024 ist ei­ne gro­ße Ge­le­gen­heit, un­se­re Stadt na­tio­nal und in­ter­na­tio­nal zu po­si­tio­nie­ren“, kom­men­tier­te er die Ent­schei­dung.

Bei Ran­king-Spit­zen­rei­ter Ber­lin wur­de man von der Ent­schei­dung nicht über­rascht: „Mit dem Olym­pia­sta­di­on Ber­lin als ei­nem der we­ni­gen Fünf-Ster­ne-Ni­veau-Sta­di­en in Eu­ro­pa ha­ben wir uns auf na­tio­na­ler Ebe­ne von An­fang an gu­te Chan­cen aus­ge­rech­net“, sag­te Sport­se­na­tor Andre­as Gei­sel.

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