Ka­ter­stim­mung nach dem Kar­ne­val

Der 1. FC Köln muss nach sei­ner Rück­kehr auf die eu­ro­päi­sche Büh­ne gleich meh­re­re Wun­den le­cken

Hannoversche Allgemeine - - SPORT - VON HEI­KO OStENDORP uND HOL­GER SCHMIDt

LONDON. Nach Lob und Schul­ter­klop­fen stand beim 1. FC Köln nie­man­dem der Sinn. Der Schat­ten über dem lang er­sehn­ten Eu­ro­pa­cup-Come­back war zu groß. Sport­lich war es ein Tag für die Ver­eins­his­to­rie, die Leis­tung war eh­ren­haft, die Stim­mung wäh­rend des Spiels er­in­ner­te an ei­ne rie­si­ge Kar­ne­vals­par­ty. Den­noch sah man beim FC nur be­trüb­te Ge­sich­ter. Die 1:3 -Nie­der­la­ge beim FC Ar­senal, die Ver­let­zung von Na­tio­nal­spie­ler Jo­nas Hec­tor, der mit ei­nem Syn­des­mo­se­band­riss mo­na­te­lang aus­fällt – vor al­lem aber die Ran­da­le vor dem um ei­ne St­un­de ver­scho­be­nen An­pfiff er­zeug­ten ei­nen hef­ti­gen Ka­ter.

Mit­tags hat­ten rund 15 000 Köl­ner Fans noch für be­ein­dru­cken­de Bil­der ge­sorgt. Doch nach den chao­ti­schen Sze­nen vor dem Spiel sah sich der FC Kri­tik von vie­len Sei­ten aus­ge­setzt. Die Ue­fa lei­te­te Er­mitt- lun­gen ein. Vor al­lem die bri­ti­schen Zei­tun­gen fie­len über die deut­schen An­hän­ger her. Der „Mir­ror“schrieb von ei­nem „Rück­fall in die be­schä­men­de Zeit der Hoo­li­gans in den 80ern“.

Ar­senals Trai­ner Ar­sè­ne Wen­ger zeig­te fast so et­was wie Mit­leid: „Die Köl­ner ha­ben 25 Jah­re dar­auf ge­war­tet, zu­rück­zu­kom­men. Und dann ver­sau­en sie sich den ers­ten Abend.“Ver­ständ­li­cher­wei­se wa­ren Spie­ler und Ver­ant­wort­li­che ver­är­gert über die Chao­ten un­ter ih­ren vie­len tol­len Fans. „Wir hei­ßen das nicht gut. Das hat man auch bei der Be­grü­ßung der Fans ge­se­hen, die sehr kurz und knapp aus­fiel“, sag­te Tor­hü­ter Ti­mo Horn. „Im End­ef­fekt scha­den die Fans, die so was ma­chen, dem Ver­ein.“

Trai­ner Pe­ter Stö­ger woll­te zu den Vor­fäl­len gar nichts sa­gen. Die Wut war ihm deut­lich an­zu­mer­ken. „Zu den Fans ge­be ich kei­nen Kom­men­tar ab“, sag­te der Ös­ter­rei­cher un­ge­wohnt schmal­lip­pig. Am Freid­ass tag gab er dann zu: „Der Ein­druck ist doch ge­trübt. So po­si­tiv das Er­leb­nis war, es hat durch die Um­stän­de ein biss­chen was ver­lo­ren.“

Kaum bes­ser ge­launt war Kölns Sport­di­rek­tor Jörg Schmadt­ke. „Wenn ein Spiel ei­ne St­un­de spä­ter be­gin­nen muss, ist das nie schön und gut“, sag­te er. Auf die Fra­ge, wie eng die Par­tie vor ei­ner Ab­sa­ge ge­stan­den ha­be, ant­wor­te­te Schmadt­ke: „Re­la­tiv eng.“

Ein Ar­senal-Spre­cher er­klär­te, man es für die si­chers­te Va­ri­an­te ge­hal­ten ha­be, das Spiel doch noch an­zupfei­fen. Im Fal­le ei­ner Ab­sa­ge hät­te man Schlim­me­res be­fürch­tet. Ar­senal-Ka­pi­tän Per Mer­te­sacker be­rich­te­te laut „Bild“da­von, dass man den Fa­mi­li­en der Spie­ler ge­ra­ten ha­be, nicht ins Emi­ra­tes-Sta­di­on zu kom­men.

Zu­vor hat­te die Dee­s­ka­la­ti­ons­stra­te­gie nicht ge­grif­fen. Was an­satz­wei­se als Er­klä­rung, nicht aber als Ent­schul­di­gung dient. Auch Kölns Vi­ze­prä­si­dent To­ni Schu­ma­cher war mäch­tig be­dient: „Wir sind hier Gäs­te und soll­ten uns auch als sol­che be­neh­men.“Statt­des­sen ver­such­ten rund 50 Köl­ner, ge­walt­sam in ei­nen Block ein­zu­drin­gen. Es gab ei­ne Schlä­ge­rei im Sta­di­on vor dem Spiel, zwei­mal wur­den spä­ter Ben­ga­los ge­zün­det.

Ar­senal hat­te dem FC nur die üb­li­chen 2900 Ti­ckets zu­ge­stan­den, ob­wohl das Sta­di­on nicht aus­ver­kauft war und der FC auf­grund der über 20 000 An­fra­gen mehr­fach um ei­ne Auf­sto­ckung des Kon­tin­gents ge­be­ten hat­te. Gleich­zei­tig hat­ten die Bri­ten die Köl­ner Fans da­vor ge­warnt, dass sie aus dem Sta­di­on ver­wie­sen wür­den, soll­ten sie sich in geg­ne­ri­schen Be­rei­chen auf­hal­ten. Ei­ni­ge FC-An­hän­ger woll­ten aber trotz nach­drück­li­cher Bit­te in FanK­lei­dung in neu­tra­le Blö­cke – an­de­re tarn­ten sich mit ei­gens ge­kauf­ten Ar­senal-Uten­si­li­en. Rund 8000 Köl­ner Fans wa­ren im End­ef­fekt im Sta­di­on. Ei­ni­ge von ih­nen wur­den wäh­rend der Par­tie her­aus­ge­führt, weil sich bri­ti­sche Fans über ih­ren Ju­bel be­schwert hat­ten.

Die Ue­fa er­mit­telt nun ge­gen bei­de Ver­ei­ne, die 48 St­un­den Zeit be­ka­men, zu den Vor­fäl­len Stel­lung zu neh­men. Den Köl­nern droht ei­ne saf­ti­ge Stra­fe, im best­mög­li­chen Fall auf Be­wäh­rung. Dass man auf­grund 25-jäh­ri­ger Ab­sti­nenz nicht ne­ga­tiv auf­fal­len konn­te, dürf­te beim Straf­maß hel­fen. An der Ka­ter­stim­mung nach der Rück­kehr auf Eu­ro­pas Fuß­ball­büh­ne än­der­te es nichts.

An­ge­spann­te Stim­mung: Fans und Po­li­zis­ten im Sta­di­on. FO­TO: DPA

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