„Ich kann un­an­ge­nehm wer­den“

Re­cken-Rechts­au­ßen Ti­mo Kas­ten­ing spricht im In­ter­view über sei­ne Trai­ner, die schwie­ri­ge Rol­le als Ei­gen­ge­wächs, den Er­folg und per­sön­li­che Zie­le

Hannoversche Allgemeine - - SPORT - In­ter­view: Jörg Gru­ßen­dorf

Han­no­ver. Die Re­cken spie­len mor­gen (15 Uhr, Swiss-Li­fe-Hall) ge­gen den SC Mag­de­burg. Ei­nen wich­ti­gen Part bei Ta­bel­len­füh­rer TSV Han­no­ver-Burg­dorf nimmt Rechts­au­ßen Ti­mo Kas­ten­ing ein. Das 22jäh­ri­ge Ei­gen­ge­wächs spricht im In­ter­view über Trai­ner Car­los Or­te­ga und des­sen Vor­gän­ger Jens Bürk­le, den jet­zi­gen Er­folg und sei­ne Zie­le.

Herr Kas­ten­ing, Ih­re Re­cken grü­ßen von ganz oben in der Ta­bel­le. Sind Sie sehr über­rascht da­von?

Wir ha­ben ge­gen Flens­burg und Kiel ge­won­nen, al­so ge­gen zwei Mann­schaf­ten aus den Top 3. Es konn­te wirk­lich nie­mand da­mit rech­nen, dass wir nach vier Spiel­ta­gen un­ge­schla­gen sind. Dass wir je­den Geg­ner schla­gen oder je­dem ge­fähr­lich wer­den kön­nen, das ist ei­ne Qua­li­tät, die wir ha­ben. Dar­um ist es nicht so über­ra­schend, weil wir wirk­lich in ei­ner be­ste­chen­den Form wa­ren.

Was ist denn die gra­vie­ren­de Än­de­rung zur ver­gan­ge­nen Rück­se­rie, in der die TSV nicht ein Spiel ge­win­nen konn­te?

Es ist für uns Spie­ler nicht ein­fach zu sa­gen, was sich ge­än­dert hat. Es ist ja nicht so, dass ver­gan­ge­nes Jahr je­mand ge­sagt hät­te: So, wir stel­len jetzt das Hand­ball­spie­len ein. Vie­les spielt sich im Kopf ab. Jetzt mit neu­en Trai­nern, mit neu­en Spie­lern und der Pau­se hat sich ei­ni­ges ge­än­dert. Da­durch ist wie­der et­was fri­scher Wind bei uns rein­ge­kom­men. Wir ha­ben den Re­set­knopf ge­drückt.

Schon die Vor­be­rei­tung war gut. War das noch ge­won­ne­ne Po­kal­spiel ge­gen Lüb­be­cke ei­ne Art Initi­al­zün­dung?

Das ist ein Punkt, der uns als Mann­schaft noch mehr zu­sam­men­ge­schweißt hat. Wir la­gen 19 Mi­nu­ten vor Schluss mit sie­ben To­ren zu­rück, von zehn Spie­len ge­winnst du dann in der Re­gel neun nicht mehr. Wir ha­ben das Spiel um­ge­dreht. So et­was bleibt in den Hin­ter­köp­fen, dass man in ei­nem en­gen Spiel auch mit Rück­stand noch zu­rück­kom­men kann. Dass es sich aber auch im­mer wie­der wen­den kann, das ha­ben wir ja mit­er­lebt.

Wo­rin be­steht denn der ganz gro­ße Un­ter­schied zwi­schen Ih­rem jet­zi­gen Trai­ner Car­los Or­te­ga und sei­nem Vor­gän­ger Jens Bürk­le?

Die bei­den sind ganz schwer zu ver­glei­chen, weil bei­de sehr un­ter­schied­lich sind. Car­los ist ein sehr au­to­ri­tä­rer Trai­ner, der auch mal strei- cheln kann. Jens ist ein sehr kom­mu­ni­ka­ti­ver Trai­ner, der im­mer wis­sen woll­te, wie wir das se­hen. Da un­ter­schie­den sie sich am meis­ten.

Wel­che Art liegt Ih­nen mehr?

Ich kann mit bei­den Trai­ner­ty­pen sehr viel an­fan­gen. Jens war ein su­per Trai­ner mit su­per Ide­en. Dass es zu­letzt nicht mehr lief, lag mit Si­cher­heit nicht an ihm al­lein. Car­los hat gro­ßen An­teil, dass es jetzt an­ders läuft. Er hat al­les um­ge­kehrt. Die Ab­wehr ist sta­bi­ler und of­fen­si­ver ge­wor­den.

Sie ha­ben in­zwi­schen als Rechts­au­ßen mehr Spiel­an­tei­le als Ex-Ka­pi­tän Tor­ge Jo­hann­sen. Sind Sie jetzt den ent­schei­den­den Schritt wei­ter­ge­kom­men in Ih­rer Kar­rie­re?

Die Ent­wick­lung ist bei mir noch nicht am En­de. Ich bin im Mo­ment sehr zu­frie­den. Es ist schön, wenn du viel Spiel­zeit be­kommst und das Ver­trau­en mit Leis­tung zu­rück­zah­len kannst. Ich weiß aber auch, dass in die­ser Sai­son noch schlech­te Spie­le kom­men wer­den. Mein größ­tes Ziel ist da­her, kon­stan­ter zu wer­den.

Ist Ihr Stan­ding in der Mann­schaft auch an­ders ge­wor­den?

Ich wür­de mich schon län­ger als rich­ti­ger Teil der Mann­schaft be­zeich­nen. Aber wenn du aus der ei­ge­nen Ju­gend kommst, ist der Sprung zu ei­nem an­er­kann­ten Spie­ler schwe­rer. Du wirst lan­ge als Ju­gend­spie­ler ge­se­hen. Mir ist gut ge­lun­gen, das zu än­dern.

Ihr Wort zählt al­so et­was in der Ka­bi­ne?

Man muss im­mer noch dif­fe­ren­zie­ren zwi­schen Rück­raum­spie­ler und Au­ßen. Wir Au­ßen ge­hen nicht vor­weg, wenn es um Tak­tik oder Ähn­li­ches geht. Ich kann mich aber mit je­dem auf Au­gen­hö­he un­ter­hal­ten.

Las­sen Sie sich ei­gent­lich im Spiel leicht pro­vo­zie­ren?

Wenn man ei­nen wun­den Punkt trifft, kann man mich pro­vo­zie­ren. Dann kann ich auch un­an­ge­nehm wer­den.

Ras­ten Sie dann schnell aus?

Nein, ich bin kein Typ da­zu. Ich bin im Kopf gut bei mir. Frü­her viel­leicht, als ich als Kind mit mei­nem Bru­der die ei­ne oder an­de­re Aus­ein­an­der­set­zung hat­te (lacht). Der weiß ge­nau, wie man mich pro­vo­ziert.

Am Sonn­tag spie­len Sie ge­gen ge­gen Ih­ren Kum­pel Mat­thi­as Mu­sche. Weiß er , wie man Sie ge­zielt pro­vo­ziert?

Wir ver­ste­hen uns gut, aber so gut ken­nen wir uns auch nicht (lacht). Er ist ein su­per Typ. Aber auf dem Spiel­feld ken­nen wir kei­ne Freund­schaft. Da wird es Sonn­tag schön zur Sa­che ge­hen. Ich freue mich drauf.

FO­TO: PETROW

„Mein größ­tes Ziel ist, kon­stan­ter zu wer­den“: Ti­mo Kas­ten­ing von der TSV Han­no­ver-Burg­dorf.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.