Ein schmerz­haf­ter Tritt vors Schien­bein

Die Fuß­ball-EM fin­det oh­ne Han­no­ver statt. Das muss zu den­ken ge­ben. Denn es geht um mehr als nur ein paar Spiel­ta­ge im Jahr 2024, meint

Hannoversche Allgemeine - - HANNOVER -

Man kann sa­gen: Es geht doch nur um Fuß­ball, und ei­gent­lich auch nur um ein paar Spiel­ta­ge im Jahr 2024. Al­les ganz weit weg. Au­gen zu und durch.

Man kann aber auch sa­gen: Für ei­ne Stadt wie Han­no­ver ist das Er­geb­nis der DFB-Aus­le­se ein Schlag ins Ge­sicht.

Wenn Han­no­ver bis­her den Zu­schlag bei über­re­gio­nal wich­ti­gen Spie­len er­hielt, dann ge­schah das stets auch aus Re­gio­nal­pro­porz. Die Be­wer­bung muss­te nur bes­ser sein als die von Bre­men, und schon hat­te Han­no­ver für Nord­deutsch­land den Zu­schlag. Erst­mals gab es jetzt kei­nen Re­gio­nal­pro­porz mehr, son­dern trans­pa­ren­te Re­geln für die Be­wer­tung der Spiel­or­te. Und prompt ist Han­no­ver raus. Bit­ter.

Es wä­re ein tol­les Fuß­ball­fest ge­wor­den. Die Stadt ist er­probt in Gro­ßevents. Kir­chen­ta­ge, ei­ne Bun­des­gar­ten­schau, die ein­zi­ge Welt­aus­stel­lung auf deut­schem Bo­den, zu­letzt das fröh­li­che Fuß­ball­fest zur WM 2006, als das Sta­di­on fünf Spie­le mit Gast­mann­schaf­ten von Gha­na über Cos­ta Ri­ca bis Süd­ko­rea er­leb­te – schö­ne Zei­ten wa­ren das. 2024 soll es so et­was nun nicht ge­ben.

Wer er­in­nert sich? 1998 hat­te es noch zu zwei EM-Vor­run­den­spie­len ge­reicht – im al­ten Nie­der­sach­sen­sta­di­on mit gut 60 000 Plät­zen. Dass nun De­fi­zi­te am neu er­rich­te­ten Sta­di­on ei­ner der aus­schlag­ge­ben­den Grün­de für die Ab­sa­ge sein soll, ist schon är­ger­lich. Zu klein, zu we­nig Me­di­en­plät­ze, kein um­lau­fen­der VIP-Be­reich – es ist tat­säch­lich gut, wenn 96 jetzt über ei­nen Aus­bau des Sta­di­ons nach­denkt.

Zu den­ken ge­ben soll­te der Stadt aber vor al­lem der Ab­leh­nungs­grund Ho­tels. Of­fen­kun­dig sind die Män­gel am Ho­tel­markt doch grö­ßer, als bis­her ein­ge­räumt wird. Der neue Mes­se­chef Jo­chen Köck­ler hat­te erst in der Vor­wo­che in ei­nem HAZ-Fo­rum dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das An­ge­bot in der Stadt stark zu wün­schen üb­rig las­se. Jetzt be­män­gelt der DFB ins­be­son­de­re das Feh­len hoch­wer­ti­ger Häu­ser. Jah­re­lang hat­ten die Lob­by­is­ten der be­reits an­säs­si­gen Ho­tels bei der Stadt da­für ge­kämpft, dass kei­ne zu­sätz­li­chen Ho­tels mehr ge­baut wer­den dür­fen, um sich Kon­kur­renz vom Leib zu hal­ten. Viel zu spät hat die Stadt­ver­wal­tung jetzt ge­gen­ge­steu­ert und for­ciert das Wachs­tum neu­er Ho­tels. Es scheint an bei­dem zu feh­len: Mas­se und zu­sätz­li­cher Klas­se.

Nein, Han­no­ver muss nicht im­mer ganz vor­ne mit­spie­len. Mit den so­ge­nann­ten A-Städ­ten, Me­tro­po­len wie Ham­burg, Mün­chen und Ber­lin, muss die Stadt nicht kon­kur­rie­ren. Der An­spruch aber muss sein, min­des­tens bei den B-Städ­ten ganz oben mit­zu­spie­len. Da ist Platz zwölf im DFB-Ran­king ein ziem­lich schmerz­haf­ter Tritt vors Schien­bein.

Ei­gent­lich hat Han­no­ver mit dem welt­größ­ten Mes­se­ge­län­de, mit sei­ner zur Ex­po hoch­ge­rüs­te­ten In­fra­struk­tur und sei­ner Er­fah­rung mit Groß­ver­an­stal­tun­gen fast au­to­ma­tisch als Aus­tra­gungs­ort ei­ner deut­schen Fuß­ball-EM da­bei zu sein. Dass das nicht ge­klappt hat, bringt vor al­lem ei­nen Ima­ge­scha­den. Und es zeigt, dass Stadt, 96 und Flug­ha­fen ein paar Auf­ga­ben zu lö­sen ha­ben.

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