Gro­ße Plä­ne für den Gro­ßen Gar­ten

Das Schloss­mu­se­um kämpft mit Be­su­cher­man­gel, jetzt soll dort ein Ni­ki-Mu­se­um ent­ste­hen – bringt das die Wen­de?

Hannoversche Allgemeine - - HANNOVER - Von Si­mon Ben­ne

Drau­ßen zeigt sich die Son­ne, die ers­ten Fla­neu­re zie­hen durch den Gro­ßen Gar­ten. Doch hier drin­nen im Schloss­mu­se­um bleibt zwi­schen den Ex­po­na­ten viel Platz an die­sem Frei­tag­mor­gen. Un­ge­stört bli­cken Wel­fen­herr­scher aus ih­ren Bil­der­rah­men. Kommt ein Be­su­cher, be­grü­ßen die Auf­sich­ten ihn per­sön­lich. Ger­ne auch zu zweit. Drau­ßen ist ein hel­ler Sep­tem­ber­mor­gen. Hier drin­nen steht im kon­ser­va­to­ri­schen Däm­mer­dun­keln ein Kin­ders­arg aus der Ba­rock­zeit. Man kann schon ins Fürch­ten kom­men, wenn man so al­lein durch das düs­te­re Mu­se­um wan­delt, von dem ein Teil im Wort­sin­ne un­ter­ir­disch ist.

Das 2013 er­öff­ne­te Mu­se­um im Schloss Her­ren­hau­sen kämpft mit Be­su­cher­man­gel; Ober­bür­ger­meis­ter Ste­fan Schos­tok will jetzt ei­nen Neu­start. Sei­ne Idee: „Wir rich­ten dort ein Mu­se­um ein, das sich voll und ganz der Künst­le­rin Ni­ki de Saint Phal­le wid­met.“Schließ­lich hat­te die 2002 ge­stor­be­ne Schöp­fe­rin der Na­nas zu Han­no­ver ein be­son­de­res Ver­hält­nis. Auch die na­he Grot­te im Gro­ßen Gar­ten stammt von Han­no­vers Eh­ren­bür­ge­rin, die für ih­re üp­pig-bun­ten Skulp­tu­ren be­rühmt ist.

Es kom­men kaum Ju­gend­li­che Von ei­nem Ni­ki-Mu­se­um er­hofft sich Schos­tok ei­ne Be­le­bung des Hau­ses. „Die Be­su­cher­zah­len blei­ben hin­ter den Er­war­tun­gen zu­rück“, räumt auch Mu­se­ums­di­rek­tor Tho­mas Schwark ein. Noch 2014, im Jahr der gro­ßen Royal­sAus­stel­lung, ka­men mehr als 98 000 Be­su­cher. Im Jahr 2016 wa­ren es nur noch 68 000, weit we­ni­ger als die ur­sprüng­lich an­vi­sier­ten 80 000 – und das, ob­wohl die Kom­bi­ti­ckets für 8 Eu­ro so­wohl fürs Mu­se­um als auch für den Gar­ten gel­ten.

Her­ren­hau­sen zieht in Spit­zen­jah­ren bis zu 640 000 Be­su­cher an, auch dank Gro­ßevents wie Feu­er­werks­wett­be­werb und Klei­nem Fest. Doch das Mu­se­um pro­fi­tiert nicht von die­sen Frei­luft­ver­an­stal­tun­gen, die gut zu ei­nem le­ge­ren Bum­mel durch die Gär­ten pas­sen, nicht aber un­be­dingt zu ei­nem ge­halt­vol­len Bil­dungs­pro­gramm im Mu­se­um. Schwark sieht in ei­ner Ni­ki-Aus­stel­lung ei­ne Chan­ce. „Da las­sen sich zwei han­no­ver­sche Kraft­fel­der zu­sam­men­füh­ren – Ni­ki und die Gär­ten“, sagt er auch mit Blick auf Han­no­vers Be­wer­bung als Kul­tur­haupt­stadt.

Die Mu­se­ums­mi­se­re hat vie­le Ur­sa­chen. In ei­nem Be­richt der Ver­wal­tung heißt es, dass die bis­he­ri­ge Dau­er­aus­stel­lung Leh­rern kaum An­knüp­fungs­punk­te für den Un­ter­richt bie­te. Im ers­ten Halb­jahr 2017 kam ge­ra­de ein­mal ei­ne Schul­klas­se dort­hin – im Spren­gel-Mu­se­um wa­ren es im sel­ben Zei­t­raum 387 Klas­sen.

Zu­dem ist das Mu­se­um eher klein; Be­su­cher sind teils un­ter der Er­de un­ter­wegs, und weil kein Rund­weg mög­lich ist, müs­sen sie am En­de des Be­suchs die­sel­be Stre­cke noch ein­mal Rich­tung Aus­gang zu­rück­ge­hen. Das Aus­stel­lungs­kon­zept im West­flü­gel wur­de seit der Er­öff­nung 2013 mehr­fach über­ar­bei­tet. Im­mer­hin soll dort im Ok­to­ber die in­ter­ak­ti­ve Aus­stel­lung „Ge­heim­nis – ein ge­sell­schaft­li­ches Phä­no­men“er­öff­nen, die auch auf jun­ges Pu­bli­kum ab­zielt.

„Dass es im Schloss­mu­se­um ei­ne Ve­rän­de­rung ge­ben muss, ist klar“, sagt Han­no­vers Mar­ke­ting- und Tou­ris­mus­chef Hans Nol­te ver­hal­ten. „Ei­ne Ni­ki-Aus­stel­lung könn­te tem­po­rär ei­nen po­si­ti­ven Ef­fekt ha­ben“, sagt er. Ei­ne eu­pho­ri­sche Re­ak­ti­on sieht an­ders aus.

Auch Rein­hard Spie­ler bleibt eher nüch­tern. „Das ist ein in­ter­es­san­ter Vor­schlag, den wir jetzt prü­fen – wir ar­bei­ten an ei­nem Kon­zept“, sagt der Di­rek­tor des Spren­gel Mu­se­ums. Sein Haus wür­de in die­sem Fall die Trä­ger­schaft des Schloss­mu­se­ums über­neh­men, das bis­her un­ter Ku­ra­tel des His­to­ri­schen-Mu­se­ums steht.

Mu­se­ums­ar­chi­tek­tur ist dif­fi­zil Dass sei­nem ei­ge­nen Haus Ni­kiHigh­lights ab­han­den­kom­men könn­ten, fürch­tet Spie­ler nicht. Schließ­lich um­fasst der Nach­lass der Künst­le­rin, der im Jahr 2000 ans Spren­gel-Mu­se­um kam, mehr als 400 Wer­ke. Nicht al­le sind re­stau­riert, ei­ni­ge schlum­mern im Au­ßen­la­ger in Lan­gen­ha­gen. „Es reicht aber in je­dem Fall für bei­de Häu­ser“, sagt Spie­ler. Denk­bar sei, im Spren­gel-Mu­se­um Ni­kis Frü­hund in Her­ren­hau­sen ihr Spät­werk zu zei­gen.

Die bau­li­che Si­tua­ti­on in Her­ren­hau­sen sei al­ler­dings dif­fi­zil, gibt Spie­ler zu be­den­ken. Raum­grei­fen­de Plas­ti­ken wie Ni­kis be­rühm­te Gwen­d­o­lyn lie­ßen sich im Schloss­mu­se­um mit sei­nen nied­ri­gen De­cken und en­gen Trep­pen­häu­sern gar nicht un­ter­brin­gen.

Au­ßer­dem ist die Stadt so­wohl für das Schloss als auch für das Spren­gel-Mu­se­um ge­mein­sam mit dem Land zu­stän­dig; für den Um­bau müss­ten sich bei­de ei­nig sein – und sie müss­ten Spon­so­ren für das kost­spie­li­ge Pro­jekt fin­den. „Wir ste­hen noch ganz am An­fang“, sagt Ober­bür­ger­meis­ter Schos­tok.

Im Schloss­mu­se­um prangt an der Wand ein Zi­tat der Kur­fürs­tin So­phie. „Nur mit dem Her­ren­häu­ser Gar­ten kön­nen wir prun­ken“, be­fand die­se vor gut 300 Jah­ren. Die zwei­te Hälf­te ih­res be­rühm­ten Sat­zes wird nicht so häu­fig zi­tiert: „... aber das lässt sich nicht oh­ne Un­kos­ten ma­chen.“

Ein Haus für Ni­ki? Im Schloss Her­ren­hau­sen (oben) könn­ten bald dau­er­haft Wer­ke von Ni­ki de Saint Phal­le (rechts ei­ne ih­rer be­rühm­ten Na­nas am Leib­nizu­fer) ge­zeigt wer­den.

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