Ver­ein hilft Mob­bing­op­fern an Schu­len

Ju­ra­stu­dent Marek Fink leis­tet mit sei­nem Ver­ein Auf­klä­rungs­ar­beit / Ei­nen Eh­ren­amts­preis hat er für sein En­ga­ge­ment schon be­kom­men

Hannoversche Allgemeine - - HANNOVER - VON SAS­KIA DÖHNER

Ob als Op­fer, Tä­ter oder bloß Teil der „schwei­gen­den Mas­se“– „je­der Schü­ler hat Mob­bin­ger­fah­rung ge­macht“. Da­von ist Sas­kia Schul­te-Schü­ren (21) über­zeugt. Weil sie ins­be­son­de­re Leh­rer für die­ses The­ma sen­si­bi­li­sie­ren will, en­ga­giert die an­ge­hen­de Phy­sio­the­ra­peu­tin sich in dem Ver­ein „Zei­chen ge­gen Mob­bing“, den ihr ehe­ma­li­ger Klas­sen­ka­me­rad Marek Fink im Ju­li ge­grün­det hat. An­fang Sep­tem­ber ist der han­no­ver­sche Ju­ra­stu­dent des­halb mit dem RTL-Eh­ren­amts­preis aus­ge­zeich­net wor­den.

Schon in der Ober­stu­fe auf der Chris­to­pho­rus­schu­le in El­ze (Kreis Hil­des­heim) hat er sich mit dem The­ma Mob­bing be­schäf­tigt und dar­über sei­ne Fach­ar­beit ver­fasst. Marek in­ter­view­te da­für Schü­ler un­ter­schied­li­cher Al­ters­stu­fen. Von den Aus­sa­gen sei er er­schreckt ge­we­sen, be­rich­tet der heu­te 21-Jäh­ri­ge. Ein Mäd­chen ha­be er­zählt, dass es in je­der Pau­se auf die Toi­let­te ra­se und sich dort ein­schlie­ße, bis die Pau­se vor­bei sei, nur um von ih­ren Mit­schü­lern nicht ge­quält und ge­pie­sackt zu wer­den.

„Leh­rer se­hen die Zei­chen oft nicht oder deu­ten sie falsch“, sagt Sas­kia. Man­che Tä­ter wür­den ih­re Op­fer so­gar be­wusst im Un­ter­richt pro­vo­zie­ren, wenn die sich dann wehr­ten, wür­den die dann auch noch vom Leh­rer be­straft. Nach ei­ner ak­tu­el­len Stu­die war je­der sechs­te Schü­ler schon mal Mob­bing­op­fer. In der Leh­rer­aus­bil­dung sei Mob­bing kein gro­ßes The­ma, be­män­geln die bei­den Ak­ti­vis­ten. Für man­che Schul­lei­ter sei es ein Ta­bu­the­ma, sie sorg­ten sich um den Ruf ih­rer Schu­le: „Die ma­chen die Au­gen zu und den­ken dann, es ist nicht da“, sagt Sas­kia. Wenn Kin­der sich zu­rück­zö­gen, schweig­sam wür­den, kei­nen Ap­pe­tit mehr oder stets zer­ris­se­ne Klei­dung hät­ten, müss­ten bei den Päd­ago­gen die Alarm­glo­cken schril­len.

Un­ter Mob­bing ver­steht man das dau­er­haf­te Quä­len, Be­lei­di­gen oder Aus­gren­zen ei­nes Schü­lers durch Ein­zel­ne oder ei­ne Grup­pe, die dem Op­fer über­le­gen sei­en. Aus ei­ge­ner Kraft kann sich der Ge­pei­nig­te nicht mehr aus der Si­tua­ti­on lö­sen.

Der Ver­ein Zei­chen ge­gen Mob­bing bie­tet Work­shops in Klas­sen mit Lehrer­brie­fing und El­tern­abend an. Die Re­fe­ren­ten sind nicht äl­ter als 25. „Wir wol­len dicht bei den Schü­lern sein“, sagt Marek. In je­der Klas­se ge­be es Schü­ler mit Mob­bin­ger­fah­rung, glaubt Sas­kia. Wäh­rend Jun­gen sich eher kör­per­lich är­ger­ten, sei­en bei Mäd­chen eher Läs­te­rei­en und Be­lei­di­gun­gen üb­lich. Mob­bing tre­te vor al­lem in den un­te­ren Jahr­gän­gen (Klas­sen fünf und sechs) auf.

Schu­len, die den Ver­ein zu sich ein­la­den möch­ten, kön­nen sich per E-Mail un­ter zei­chen­ge­gen­mob­bing@gmail.com oder bei Face­book un­ter https://www.face­book.com/ ZgMeV mel­den.

En­ga­gie­ren sich ge­gen Mob­bing: Sas­kia Schul­te-Schü­ren und Marek Fink.

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