Der Ar­beits­nach­weis

Wie ha­ben sich han­no­ver­sche Po­li­ti­ker im Bun­des­tag ge­schla­gen? Ein Blick auf die Zah­len der ver­gan­ge­nen Wahl­pe­ri­ode.

Hannoversche Allgemeine - - HANNOVER - VON LIN­DA TONN UND NILS OEHLSCHLÄGER

Ma­ria Flachs­barth hat­te ei­nen be­son­ders lan­gen Atem: 27 Mi­nu­ten und 30 Se­kun­den stand die CDU-Po­li­ti­ke­rin als Par­la­men­ta­ri­sche Staats­se­kre­tä­rin für Er­näh­rung und Land­wirt­schaft im Par­la­ment Re­de und Ant­wort zu Ge­fah­ren für die mensch­li­che Ge­sund­heit durch das Pflan­zen­schutz­mit­tel Gly­pho­sat. Im Ver­gleich mit ih­ren han­no­ver­schen Mit­strei­tern ist das ein Re­kord. Die kür­zes­te Wort­mel­dung kam hin­ge­gen von den Lin­ken. Die­ther Dehm be­nö­tig­te im No­vem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res nur 56 Se­kun­den, um bei der „ak­tu­el­len La­ge in der Tür­kei“das Ge­sag­te sei­nes Vor­red­ners Andre­as Nick (CDU/ CSU) zu hin­ter­fra­gen.

Am 24. Sep­tem­ber wird der neue Bun­des­tag ge­wählt. Da­mit en­det auch für zehn Ab­ge­ord­ne­te aus Han­no­ver die ak­tu­el­le Le­gis­la­tur­pe­ri­ode. Und wie sehr ha­ben sich die Po­li­ti­ker für ih­re Wäh­ler en­ga­giert? Die Fra­ge ist mit Vor­sicht zu ge­nie­ßen, denn die Ab­ge­ord­ne­ten muss­ten noch mehr tun, als im Par­la­ment zu sit­zen. Auch im hei­mi­schen Wahl­kreis wer­den die Bun­des­tags­ver­tre­ter ger­ne ge­se­hen und glän­zen, wenn sie im Par­tei­bü­ro er­reich­bar sind.

Beim Wort soll­ten Po­li­ti­ker den­noch ge­nom­men wer­den. Von den Ab­ge­ord­ne­ten aus Han­no­ver sprach ein Grü­ner be­son­ders oft: 43-mal stand Sven-Chris­ti­an Kind­ler am Red­ner­pult. Mehr zu sa­gen hat­te da nur Ur­su­la von der Ley­en (CDU/CSU). Die Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin kam in der en­den­den Le­gis­la­tur­pe­ri­ode zwar nur auf 42 Re­den, sprach da­bei aber ins­ge­samt sechs St­un­den, 32 Mi­nu­ten und 19 Se­kun­den – und da­mit ein­ein­halb St­un­den län­ger als Kind­ler.

Ru­hi­ger blieb es um Wil­fried Lo­renz, der 2013 mehr oder we­ni­ger zu­fäl­lig über die CDU-Lan­des­lis­te in den Bun­des­tag ge­rutscht war. Er saß zwar in 235 von 245 Sit­zun­gen, mel­de­te sich al­ler­dings nur sie­ben­mal zu Wort und sprach da­bei et­was län­ger als ei­ne Drei­vier­tel­stun­de – we­ni­ger als al­le an­de­ren Ab­ge­ord­ne­ten aus Han­no­ver.

Die Red­ner dür­fen al­ler­dings auch nicht be­lie­big lan­ge aus­ho­len. Die Re­de­zeit ist im Deut­schen Bun­des­tag näm­lich streng re­gle­men­tiert: Die Par­tei­en er­hal­ten je nach Sit­zen un­ter­schied­lich viel Re­de­zeit, die sie un­ter ih­ren Ab­ge­ord­ne­ten auf­tei­len kön­nen. Von ei­ner St­un­de er­hielt die Uni­on aus CDU/CSU ex­em­pla­risch 27 Mi­nu­ten, die SPD 17 und die Op­po­si­ti­on aus Lin­ken und Grü­nen je acht Mi­nu­ten.

Die Ar­beit im Par­la­ment kann dar­un­ter lei­den, wenn sich die Po­li­ti­ker in zu­sätz­li­chen Äm­tern en­ga­gie­ren – und sich da­bei auf ei­ner an­de­ren Ebe­ne ver­dient ma­chen. Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin von der Ley­en et­wa be­such­te Sol­da­ten im In- und Aus­land. Und als Vi­ze­prä­si­den­tin des Bun­des­ta­ges ver­trat Edel­gard Bul­mahn (SPD) das Par­la­ment ge­le­gent­lich auf Fest­ak­ten oder Ge­denk­ver­an­stal­tun­gen.

Und wie oft nah­men die Ab­ge­ord­ne­ten am Plenum teil? Die meis­ten han­no­ver­schen Kan­di­da­ten ver­si­chern, nur ge­fehlt zu ha­ben, wenn es nicht an­ders ging. Auf­schluss ge­ben hier die Ab­stim­mun­gen. Wer – oft aus gu­tem Grund – bei na­ment­li­chen Ab­stim­mun­gen fehl­te, be­kam ein „nicht ab­ge­stimmt“ein­ge­tra­gen. Es sei denn, der oder die Ab­ge­ord­ne­te woll­te sich nicht an der de­mo­kra­ti­schen Ent­schei­dungs­fin­dung be­tei­li­gen.

Be­son­ders häu­fig war das selbst­ver­ständ­lich bei Mi­nis­te­rin von der Ley­en der Fall. In den 211 na­ment­li­chen Ab­stim­mun­gen der ver­gan­ge­nen Re­gie­rungs­zeit gab sie in 52 Fäl­len kei­ne Stim­me ab. Aus Han­no­ver war an­sons­ten be­son­ders häu­fig von Lin­ken-Ver­tre­ter Dehm (29-mal) und dem Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­ten Kind­ler (28-mal) kei­ne Stim­me ein­ge­gan­gen.

Von den zehn han­no­ver­schen Ab­ge­ord­ne­ten schei­den zwei für die kom­men­de Wahl aus: We­der CDU-Mann Lo­renz noch die SPDPo­li­ti­ke­rin Bul­mahn ste­hen auf der Lis­te ih­rer Par­tei­en. Auf den Stimm­zet­teln ha­ben die Wäh­ler am 24. Sep­tem­ber den­noch reich­lich Aus­wahl: Bei 34 Kan­di­da­ten aus Han­no­ver kann ein Kreuz ge­setzt wer­den. Na­me (Par­tei)

Hen­drik Hop­pen­stedt (45, CDU) Ca­ren Marks (53, SPD) Die­ther Dehm (67, Lin­ke) Mat­thi­as Miersch (48, SPD) Ma­ria Flachs­barth (54, CDU) Kers­tin Tack (48, SPD) Wil­fried Lo­renz (74, CDU) Edel­gard Bul­mahn (66, SPD) Sven-Chris­ti­an Kind­ler (32, Grü­ne) Ur­su­la Von der Ley­en (58, CDU) Re­de­bei­trä­ge* Jah­re im Bun­des­tag

war schon 2005 Bun­des­mi­nis­te­rin, wur­de aber erst 2009 in das Par­la­ment ge­wählt.

en­ga­gier­te sich im Rat der Stadt Han­no­ver und ar­bei­tet seit 2009 auf Bun­des­ebe­ne.

wur­de 2002 in den Bun­des­tag ge­wählt. Zu­vor saß sie im Rat der Ge­mein­de We­de­mark.

saß 1994 schon ein­mal für die SPD im Par­la­ment, seit 2005 für die Link­s­par­tei.

war Bür­ger­meis­ter von Burg­we­del, be­vor er 2013 in den Bun­des­tag ein­zog.

wur­de 2013 un­er­war­tet in den Bun­des­tag ge­wählt und tritt nicht er­neut an.

war Stell­ver­tre­te­rin von Bun­des­tags­prä­si­dent Nor­bert Lam­mert. Nun hört sie auf.

sitzt seit 2005 im Bun­des­tag und ist wei­ter­hin Mit­glied im Rat der Stadt Laat­zen.

wur­de 2002 im Wahl­kreis Han­no­ver­Land II in den Bun­des­tag ge­wählt.

war Spre­cher der Grü­nen Ju­gend und er­reich­te 2009 den Bun­des­tag.

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