Rats­bünd­nis will Ver­ei­nen die Zu­schüs­se nicht kür­zen

Rats­mehr­heit will Zu­wen­dun­gen neu or­ga­ni­sie­ren / Ge­samt­vo­lu­men von rund 46 Mil­lio­nen Eu­ro soll be­ste­hen blei­ben / „Viel­falt der Trä­ger er­hal­ten“

Hannoversche Allgemeine - - VORDERSEITE - Von Andre­as Schin­kel

Auf­at­men bei Han­no­vers Ver­ei­nen: Die Spit­zen der drei Am­pel-Frak­tio­nen im Rat ha­ben in ei­nem Grund­satz­pa­pier fest­ge­legt, dass es kei­ne pau­scha­le Kür­zung der Zu­schüs­se ge­ben soll. Al­ler­dings ist auch kei­ne Er­hö­hung ge­plant. Statt­des­sen soll das An­trags­ver­fah­ren ent­bü­ro­kra­ti­siert und trans­pa­ren­ter wer­den.

Han­no­vers Ver­ei­ne und Initia­ti­ven drän­gen seit Jah­ren auf ei­ne Er­hö­hung der städ­ti­schen Zu­schüs­se. Jetzt steht fest: Mehr Geld ist wohl nicht zu er­war­ten – aber auch die be­fürch­te­te Spar­run­de könn­te aus­fal­len. Die Spit­zen der Mehr­heits­frak­tio­nen von SPD, Grü­nen und FDP ha­ben sich auf ein Grund­kon­zept ge­ei­nigt, wie die Zu­wen­dun­gen der Stadt künf­tig neu or­ga­ni­siert wer­den sol­len. Das Kon­zept liegt der HAZ vor. Da­bei geht es um rund 46 Mil­lio­nen Eu­ro, die an Kul­tur­ver­ei­ne, Ju­gend­hel­fer, Sport­ver­ei­ne und Be­ra­tungs­in­itia­ti­ven flie­ßen – Leis­tun­gen, die die Kom­mu­ne frei­wil­lig er­bringt. Die Kom­mu­nal­auf­sicht, ei­ne Lan­des­be­hör­de, hat­te die Stadt wie­der­holt er­mahnt, die Ge­samt­sum­me zu re­du­zie­ren.

Dem Rats­bünd­nis geht es vor al­lem dar­um, die Ar­beit von Ver­wal­tung und Zu­wen­dungs­emp­fän­gern zu er­leich­tern. Künf­tig soll För­der­geld on­line be­an­tragt wer­den kön­nen, um Bü­ro­kra­tie ab­zu­bau­en. Sach- und Per­so­nal­kos­ten wer­den ge­nau­er auf­ge­schlüs­selt. Die Stadt soll sorg­fäl­ti­ger hin­schau­en, wer wel­ches Geld war­um er­hält. Ins­ge­samt müs­se das Zu­wen­dungs­we­sen trans­pa­ren­ter wer­den, heißt es in dem Grund­satz­pa­pier. „In­ten­ti­on ist, die Sum­me der Zu­wen­dun­gen nicht zu kür­zen – aber sie soll­te auch nicht aus­ufern“, sagt SPD-Fi­nanz­po­li­ti­ker Jens Men­ge. Letzt­lich kom­me es dar­auf an, die Viel­falt der frei­en Trä­ger zu er­hal­ten.

Vom Tisch ist die For­de­rung der Grü­nen, die Sum­men au­to­ma­tisch zu er­hö­hen, so­bald die Ta­ri­fe im öf­fent­li­chen Di­enst stei­gen. Da­mit soll­ten Ver­eins­mit­ar­bei­ter bes­ser be­zahlt wer­den kön­nen. Die­se Dy­na­mi­sie­rung sei recht­lich nicht mög­lich, heißt es aus Krei­sen des Am­pel-Bünd­nis­ses. Zu­dem fürch­te man ei­ne Kos­ten­ex­plo­si­on. Die Grü­nen be­to­nen aber, die Trä­ger­viel­falt müs­se „aus­kömm­lich“fi­nan­ziert wer­den. „Wir wol­len Pla­nungs­si­cher­heit für Ver­ei­ne und Ver­bän­de“, sagt Frak­ti­ons­vi­ze Nor­bert Gast. Da­zu ge­hö­re auch, dass För­der­an­trä­ge nicht jähr­lich neu, son­dern auch für meh­re­re Jah­re, ge­stellt wer­den kön­nen.

Der FDP ist wich­tig, dass das Con­trol­ling bes­ser funk­tio­niert. „Leis­tun­gen, die mit städ­ti­schem Geld an­ge­bo­ten wer­den, müs­sen ge­nau­er be­schrie­ben wer­den“, sagt FDP-Frak­ti­ons­chef Wil­fried En­gel­ke. Zu­dem müs­se es neu­en An­bie­tern er­leich­tert wer­den, För­de­rung zu be­kom­men. Bis­her han­de­le es sich qua­si um ei­ne ge­schlos­se­ne Ge­sell­schaft. Von Ein­spa­run­gen wol­len die Li­be­ra­len nicht las­sen. „Mög­li­cher­wei­se bie­ten zwei Trä­ger das Glei­che an. Dann könn­ten zu­min­dest im Sach­kos­ten­be­reich Mit­tel ge­kürzt wer­den“, sagt En­gel­ke.

Über das Grund­kon­zept der Frak­ti­ons­spit­zen müs­sen noch die Frak­tio­nen be­ra­ten. Da­nach soll dem Rat ein An­trag vor­ge­legt wer­den. Bis Som­mer 2018 soll die Ver­wal­tung ei­nen Plan er­stel­len, wie die Zu­wen­dun­gen der Stadt neu or­ga­ni­siert wer­den.

Wir wol­len Pla­nungs­si­cher­heit für die Ver­ei­ne und Ver­bän­de. Nor­bert Gast, Grü­nen-rats­herr

FO­TO: FrANSON

„Ei­ne An­pas­sung der För­der­sum­me an die Ta­rif­stei­ge­rung wä­re sinn­voll“: Rei­ner Hent­schel, Ge­schäfts­füh­rer des UJZ Glock­see.

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