Ein Herz für Min­der­hei­ten

Hannoversche Allgemeine - - HANNOVER - Von Si­mon Ben­ne

Nürn­berg hat als ers­te deut­sche Groß­stadt ei­nen Män­ner­be­auf­trag­ten. „Auch Män­ner wer­den dis­kri­mi­niert“, sagt die­ser, und man darf sich vor­stel­len, dass sein Ge­sicht da­bei vor lau­ter Gram von tie­fen Fal­ten zer­furcht ist. Seit ei­ni­ger Zeit gibt es da ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Mecha­nis­mus: Wer dis­kri­mi­niert wird, hat ers­tens recht und zwei­tens An­spruch auf So­li­da­ri­tät. Dar­um wol­len in­zwi­schen al­le zu den Dis­kri­mi­nier­ten ge­hö­ren. Nürn­bergs Män­ner­be­auf­trag­ter kann si­cher­lich ein Lied da­von sin­gen, dass Re­ak­tio­närIn­nen die­sen be­gehr­ten Sta­tus an an­de­re Grup­pen nicht leicht­fer­tig ver­ge­ben. Man könn­te sich na­tür­lich sa­lo­mo­nisch dar­auf ei­ni­gen, dass heu­te al­le gleich doll dis­kri­mi­niert wer­den, aber so viel Gleich­be­hand­lung ver­trägt sich mit Dis­kri­mi­nie­rung nur ganz, ganz schlecht.

In mei­ner Fa­mi­lie sind wir Män­ner ei­ne schüt­zens­wer­te Min­der­heit. Es steht vier zu zwei, und mein Sohn ist noch zu klein, um mir in Kon­flik­ten bei­zu­sprin­gen. Et­wa, wenn mei­ne drei Töch­ter mich wie­der mal au­gen­rol­lend er­mah­nen, beim Es­sen nicht zu le­sen. Oder beim Fern­se­hen die Fü­ße vom Tisch zu neh­men. Oder mei­ne So­cken jetzt end­lich! mal weg­zu­räu­men. Meist fol­ge ich dann klein­laut. Ich ge­be nach. Ich beu­ge mich dem Ma­tri­ar­chat, ich Eman­zi­pa­ti­ons­ver­lie­rer.

In Nürn­berg hin­ge­gen wüss­te ich, an wen ich mich wen­den könn­te. Ich fin­de, wir soll­ten Deutsch­lands frän­ki­scher Min­der­heit mit mehr wert­schät­zen­dem Re­spekt be­geg­nen.

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