Trumps Atom­aus­stieg

Hannoversche Allgemeine - - BLICK IN DIE ZEIT -

kom­men für die Sta­bi­li­tät der Re­gi­on hät­te.

Doch die Eu­ro­pä­er ste­hen bei ih­ren Be­mü­hun­gen vor ei­nem grund­sätz­li­chen Pro­blem: Der engs­te Zir­kel um Trump ist ab­ge­schot­tet, die Kon­tak­te zu den eu­ro­päi­schen Part­nern sind spär­lich. Und die er­reich­ba­ren, ge­mä­ßig­ten Stim­men ha­ben nur be­grenz­ten Ein­fluss auf den er­ra­ti­schen US-Prä­si­den­ten.

Und so su­chen die eu­ro­päi­schen Di­plo­ma­ten längst par­al­lel auch in Te­he­ran das Ge­spräch mit Re­gie­rungs­ver­tre­tern, um dort die Angst zu neh­men vor den Fol­gen ei­ner Kün­di­gung aus Wa­shing­ton. Gleich­zei­tig ver­sucht das Aus­wär­ti­ge Amt, die Macht­ha­ber in Te­he­ran vor Kurz­schluss­re­ak­tio­nen zu war­nen, soll­te Trump tat­säch­lich ernst ma­chen.

Auf den Stra­ßen von Te­he­ran re­agie­ren die Men­schen bis­lang ge­las­sen – man ha­be bis­her schließ­lich noch kei­ne gro­ßen Vor­tei­le durch den Atom­de­al ver­spürt. Die In­fla­ti­on sei hoch, das Jo­b­an­ge­bot ge­ring. „Ich ha­be kei­nen Nut­zen aus dem De­al er­lebt, was will Trump al­so tun, noch et­was auf ein Nichts drauf­sat­teln?“, fragt et­wa Gho­lam­re­sa Hae­ri, ein 21 Jah­re al­ter Ar­chi­tek­tur­stu­dent. „Wird er der Null ei­ne wei­te­re Null hin­zu­fü­gen?“

Soh­reh La­wa­sa­ni, die bei ei­ner pri­va­ten Bank ar­bei­tet, ver­weist dar­auf, dass die meis­ten Ira­ner wei­ter­hin kei­nen Zu­gang zu in­ter­na­tio­na­len Kre­dit­kar­ten ha­ben. Zwar sei­en ira­ni­sche Ban­ken wie­der mit dem Swift-Netz­werk ver­bun­den, das in­ter­na­tio­na­le Geld­trans­fers er­mög­licht. Aber vie­le kla­gen, dass die in­ter­na­tio­na­len Fi­nanz­märk­te ih­nen wei­ter ver­schlos­sen sind. „Ich weiß, dass west­li­che Ban­ken un­ter dem De­al den ira­ni­schen Markt be­tre­ten soll­ten“, sagt die 31-jäh­ri­ge La­wa­sa­ni. „Aber in der Pra­xis ist das nicht ge­sche­hen.“Da­her wer­de sich durch Trumps er­war­te­ten Schritt nicht viel än­dern.

Ei­nig sind sich die meis­ten – von den po­li­ti­schen und re­li­giö­sen Hard­li­nern bis hin zu den Re­for­mis­ten – dar­in, dass Trumps Kurs dem ent­spre­che, wo­vor ira­ni­sche Füh­rungs­per­so­nen seit der Is­la­mi­schen Re­vo­lu­ti­on von 1979 ge­warnt hät­ten: Ame­ri­ka­nern kön­ne man nicht trau­en. Es scheint, als wür­de Do­nald Trump die­se The­se be­stä­ti­gen.

FO­TO: GETTY

„Der schlech­tes­te De­al“: US-Prä­si­dent Do­nald Trump schimpf­te schon im Wahl­kampf vor zwei Jah­ren über das Atom­ab­kom­men mit dem Iran.

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