Pfle­ger reißt Se­nio­rin Opi­at-Schmerz­pflas­ter ab

Opia­te kon­su­miert: Mit­ar­bei­ter aus Pfle­ge­heim „schämt sich“

Hannoversche Allgemeine - - VORDERSEITE - Von Gun­ner Men­kens

Min­des­tens 17-mal hat ein Pfle­ger in ei­nem Se­nio­ren­heim vom Schul­ter­blatt ei­ner be­tag­ten Pa­ti­en­tin Schmerz­pflas­ter ab­ge­ris­sen, um die da­rin ent­hal­te­nen Opia­te zu kon­su­mie­ren. Ein Schöf­fen­ge­richt ver­ur­teil­te ihn zu ei­ner Be­wäh­rungs­stra­fe.

„Sie ha­ben nicht an die hoch­be­tag­te, hilfs­be­dürf­ti­ge und ge­brech­li­che Frau ge­dacht, son­dern nur an die ei­ge­ne Sucht. Das ist ei­ne sehr schlim­me Sa­che.“Die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin des Schöf­fen­ge­richts rich­te­te nach dem Ur­teil noch ein­mal kla­re Wor­te an Pa­nayot L., 32 Jah­re alt und ge­bür­tig aus Bul­ga­ri­en. In 17 Fäl­len, die das Ge­richt für nach­weis­bar hielt, lös­te er vom Schul­ter­blatt ei­ner al­ten Frau Schmerz­pflas­ter und er­setz­te sie durch Ge­brauch­te. Der An­ge­klag­te brauch­te das ent­hal­te­ne Opi­at für sei­ne ei­ge­ne Me­di­ka­men­ten­ab­hän­gig­keit.

Als sich die über 90-Jäh­ri­ge im letz­ten Fall wei­ger­te und zu schrei­en droh­te, – sie hat­te in­zwi­schen er­fah­ren, dass der Aus­zu­bil­den­de kei­ne Be­fug­nis be­saß, um Pflas­ter zu wech­seln –, hielt Pa­nayot L. ihr den Mund, riss das Pflas­ter ab und flüch­te­te. We­gen Rau­bes, Dieb­stahl und weil sich der As­sis­tent in Aus­bil­dung Be­täu­bungs­mit­tel ver­schaff­te, ver­ur­teil­te ihn das Ge­richt jetzt zu 18 Mo­na­ten Haft, aus­ge­setzt für drei Jah­re zur Be­wäh­rung.

In gu­tem Deutsch er­zähl­te der Bul­ga­re, dass er ein Ju­ra­stu­di­um oh­ne Ex­amen ab­brach und seit 2014 als Pfle­ger ar­bei­te­te, zu­erst in ei­nem Heim in Wun­storf, dann in ei­nem Haus in Lan­gen­ha­gen. Aus Stress ha­be er be­gon­nen, ver­schrei­bungs­pflich­ti­ge Me­di­ka­men­te zu neh­men und sei ab­hän­gig ge­wor­den, „wie vie­le Kol­le­gen“. Er ha­be das Fen­tanyl im Pflas­ter über die Mund­schleim­haut auf­ge­nom­men, er­klär­te Ver­tei­di­ger Sel­cuk Bu­lut, al­so mit der Zun­ge, „das muss man sich mal vor­stel­len“. Der al­ten Da­me schick­te L. spä­ter ei­nen Prä­sent­korb mit ei­ner Ent­schul­di­gung, die sie ak­zep­tiert ha­be. „Ich schä­me mich“, sag­te der An­ge­klag­te vor Ge­richt. Es war nicht sein ers­tes Ver­ge­hen. Schon in Wun­storf stahl er ei­nem de­men­ten Pa­ti­en­ten das Schmerz­pflas­ter. Er wur­de ent­las­sen und vom Amts­ge­richt Neu­stadt zu ei­ner Geld­stra­fe ver­ur­teilt. Jetzt kommt die Be­wäh­rungs­stra­fe hin­zu.

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