Marsch für Ein­heit Spa­ni­ens

Mas­sen­de­mons­tra­ti­on ge­gen die Ab­spal­tung Ka­ta­lo­ni­ens – Se­pa­ra­tis­ten ver­lie­ren nach ak­tu­el­ler Um­fra­ge ih­re po­li­ti­sche Mehr­heit

Hannoversche Allgemeine - - VORDERSEITE - Von Emi­lio Rap­pold

Ma­drid/Bar­ce­lo­na. In Bar­ce­lo­na sind am Sonn­tag Hun­dert­tau­sen­de Men­schen auf die Stra­ßen ge­gan­gen, um für die Ein­heit Spa­ni­ens und ge­gen die Un­ab­hän­gig­keit Ka­ta­lo­ni­ens zu de­mons­trie­ren. Bei ih­rem Marsch durch die Stadt skan­dier­ten sie un­ter an­de­rem „Vi­va España“, „Ich bin Spa­nier“oder „Bar­ce­lo­na ge­hört zu Spa­ni­en“. Vie­le De­mons­tran­ten for­der­ten die Fest­nah­me des von der spa­ni­schen Zen­tral­re­gie­rung ent­mach­te­ten ka­ta­la­ni­schen Prä­si­den­ten Carles Pu­ig­de­mont. Der spa­ni­sche Se­nat mach­te den Weg für Neu­wah­len am 21. De­zem­ber frei.

Bar­ce­lo­na. Bar­ce­lo­nas In­nen­stadt ist in ein Fah­nen­meer ge­taucht. Die­sen Sonn­tag sind es aber nicht nur die gelb-rot ge­streif­ten ka­ta­la­ni­schen Flag­gen, die in der Son­ne flat­tern. Vie­le der ge­schätz­ten 300 000 De­mons­tran­ten hal­ten die spa­ni­sche Na­tio­nal­fah­ne hoch. Sie sind in Bar­ce­lo­na auf die Stra­ße ge­gan­gen, um für die Ein­heit Spa­ni­ens zu de­mons­trie­ren.

Bei ih­rem Marsch durch das Zen­trum der ka­ta­la­ni­schen Haupt­stadt skan­dier­ten sie un­ter an­de­rem „Vi­va España“, „Ich bin Spa­nier“oder „Bar­ce­lo­na ge­hört zu Spa­ni­en“. Sie for­der­ten auch die Fest­nah­me des von der spa­ni­schen Zen­tral­re­gie­rung ab­ge­setz­ten se­pa­ra­tis­ti­schen Re­gio­nal­prä­si­den­ten Carles Pu­ig­de­mont. Vie­le füh­len sich von den Se­pa­ra­tis­ten be­tro­gen. In Um­fra­gen vor dem um­strit­te­nen Re­fe­ren­dum vom 1. Ok­to­ber hat­te es kei­ne Mehr­heit für ei­ne Ab­spal­tung ge­ge­ben.

Ka­ta­lo­ni­en sei „schwer krank“, meint der 42-jäh­ri­ge Tech­ni­ker Iña­ki Gon­zá­lez. „Die Un­ab­hän­gig­keit, die sie ein­füh­ren wol­len, ist nur für ei­ne Par­tei, nicht für uns al­le.“Für Ma­ría Sán­chez ist es ih­re ers­te De­mons­tra­ti­on: Das Vor­ge­hen der Re­gio­nal­re­gie­rung am Frei­tag ha­be sie da­zu ge­bracht, auf die Stra­ße zu ge­hen, sagt die 33-jäh­ri­ge Er­zie­he­rin. Sie fühlt sich be­trübt. „Ich weiß nicht, was aus uns wer­den soll.“

Das Re­gio­nal­par­la­ment hat­te am Frei­tag ei­nen Un­ab­hän­gig­keits­be­schluss ver­ab­schie­det. Dar­auf­hin stell­te Ma­drid die au­to­no­me Ge­mein­schaft Ka­ta­lo­ni­en am Sonn­abend un­ter Zwangs­ver­wal­tung und kün­dig­te Neu­wah­len an. Mi­nis­ter­prä­si­dent Ma­ria­no Ra­joy be­auf­trag­te nach Me­dien­be­rich­ten sei­ne Vi­ze­che­fin Sora­ya Sáenz de Santa­ma­ría mit der Über­nah­me der täg­li­chen Amts­ge­schäf­te in der Re­gi­on.

Auf der De­mons­tra­ti­on fasst Teil­neh­mer Mi­guel Án­gel die Stim­mung der Ein­heits­be­für­wor­ter zu­sam­men. „Frei­tag war ein Ver­rat an der Ver­fas­sung, die­se Leu­te sind Ver­bre­cher“, sagt er und schwenkt ei­ne spa­ni­sche Flag­ge. Ob sich et­was ver­än­dert ha­be? Nein, meint er. Und au­ßer­dem sei ihm die Re­pu­blik Ka­ta­lo­ni­en egal. „Es ist so­wie­so ei­ne Ba­na­nen­re­pu­blik“.

Zu der Kund­ge­bung in Bar­ce­lo­na hat­te die pro-spa­ni­sche So­cie­dad Ci­vil Ca­ta­la­na (SCC) un­ter dem Mot­to „Wir sind al­le Ka­ta­lo­ni­en!“auf­ge­ru­fen. Man wol­le da­für ar­bei­ten, dass es zu ei­ner Ver­söh­nung zwi­schen Unio­nis­ten und Se­pa­ra­tis­ten kom­me und in der Re­gi­on im Nord­os­ten Spa­ni­ens künf­tig Be­son­nen­heit und ein fried­li­ches Zu­sam­men­le­ben herrsch­ten, teil­te die Or­ga­ni­sa­ti­on mit.

„Un­se­re Zu­kunft ist bes­ser in­ner­halb Spa­ni­ens und in­ner­halb Eu­ro­pas. Des­we­gen sind wir heu­te hier“, sag­te die Spre­che­rin der li­be­ra­len Ci­u­dad­a­nos, Inés Ar­ri­ma­das. Die Par­tei war 2006 in Ka­ta­lo­ni­en als Ge­gen­be­we­gung zu se­pa­ra­tis­ti- schen Grup­pen der Re­gi­on ge­grün­det wor­den und ist die viert­stärks­te Kraft im Ma­dri­der Par­la­ment.

Nach Me­dien­be­rich­ten könn­te der Ge­ne­ral­staats­an­walt am Mon­tag die Fest­nah­me Pu­ig­de­monts an­ord­nen. Soll­te er we­gen Auf­leh­nung ge­gen die Staats­ge­walt oder Re­bel­li­on ver­ur­teilt wer­den, dro­hen ihm bis zu 30 Jah­re Haft. Pu­ig­de­mont hat­te am Sonn­abend an­ge­deu­tet, dass er sei­ne Amts­ent­he­bung durch die Zen­tral­re­gie­rung in Ma­drid nicht an­er­kennt. Ge­gen ihn rich­tet sich die Wut vie­ler De­mons­tran­ten: „Pu­ig­de­mont muss ins Ge­fäng­nis“, for­dern sie vor dem Sitz der Re­gio­nal­re­gie­rung. „Ihr habt uns die De­mo­kra­tie ge­stoh­len“, steht auf Pla­ka­ten.

Bei der Neu­wahl am 21. De­zem­ber ha­ben die Se­pa­ra­tis­ten laut ei­ner am Sonn­tag in der Ma­dri­der Zei­tung „El Mun­do“ver­öf­fent­lich­ten Um­fra­ge schlech­te Kar­ten: Wür­de jetzt ge­wählt, kä­men die drei nach Un­ab­hän­gig­keit stre­ben­den Par­tei­en zu­sam­men auf höchs­tens 42,5 Pro­zent der Stim­men. Sie wür­den da­mit auf 65 Sit­ze im Par­la­ment kom­men. Für die ab­so­lu­te Mehr­heit sind in Bar­ce­lo­na min­des­tens 68 Sit­ze nö­tig.

FO­TO: IM­A­GO

Ka­ta­lo­ni­ens Stra­ßen ge­hö­ren nicht nur den Se­pa­ra­tis­ten: Ges­tern wa­ren vie­le spa­ni­sche Fah­nen zu se­hen.

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