Be­schäf­tig­te weh­ren sich ge­gen wei­te­re ver­kaufs­of­fe­ne Sonn­ta­ge

Be­triebs­rä­te von Kauf­hof und Kar­stadt in Han­no­ver leh­nen For­de­run­gen der Kauf­haus-Kon­zer­ne ab. Sie hal­ten den Vor­stoß für „maß­los über­trie­ben“.

Hannoversche Allgemeine - - WIRTSCHAFT - Von Chris­tiRn WölSert

Han­no­ver. Kauf­hof und Kar­stadt wün­schen sich mehr ver­kaufs­of­fe­ne Sonn­ta­ge – doch nun stel­len sich die Be­schäf­tig­ten quer: Das Vor­ha­ben sei be­triebs­wirt­schaft­lich nicht sinn­voll, wür­de Mit­ar­bei­ter stark be­las­ten und klei­ne­re Händ­ler in der Stadt ver­drän­gen, sag­ten han­no­ver­sche Be­triebs­rä­te der bei­den Kauf­haus-Ket­ten ge­gen­über der HAZ.

Kauf­hof und Kar­stadt hat­ten im Mai ei­ne bun­des­wei­te Kam­pa­gne für mehr ver­kaufs­of­fe­ne Sonn­ta­ge ge­star­tet. Der han­no­ver­sche Kar­stadt-Ge­schäfts­füh­rer Rolf Lay er­klär­te spä­ter, er hal­te in Han­no­ver zehn bis 20 Ter­mi­ne pro Jahr für sinn­voll. Kar­stadt be­nö­ti­ge „Chan­cen­gleich­heit“im Wett­be­werb mit dem On­line-Han­del.

„Man kann ger­ne For­de­run­gen stel­len – aber das ist maß­los über­trie­ben“, sag­te der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de von Kar­stadt in Han­no­ver, In­go Kot­zi­an. Die meis­ten Mit­ar­bei­ter sei­en nicht be­reit, an mehr als ei­nem oder zwei Sonn­ta­gen im Jahr zu ar­bei­ten. Au­ßer­dem be­las­te die Sonn­tags­ar­beit die Be­leg­schaft schon heu­te stark. Kot­zi­an wi­der­sprach dem Ar­gu­ment des han­no­ver­schen Kar­stadt-Chefs, dass die Sonn­tags­öff­nun­gen die Um­sät­ze an den an­de­ren Wo­chen­ta­gen nicht be­ein­träch­ti­gen. „Der Sams­tag vor­her läuft nicht so, wie wir uns das er­hof­fen. Und am Mon­tag und Di­ens­tag bre­chen die Um­sät­ze ein.“

Auch Kauf­hof-Be­triebs­rä­te stell­ten sich ge­gen den Vor­stoß, mehr Sonn­tags­öff­nun­gen zu er­lau­ben. „Das ist so un­glaub­lich weit weg von der Rea­li­tät, dass mir die Wor­te feh­len“, sag­te Wer­ner Preiss­ner, Be­triebs­rats­vor­sit­zen­der von Ga­le­ria Kauf­hof an der Markt­kir­che. Die Sonn­tags­um­sät­ze sei­en seit Jah­ren rück­läu­fig. Au­ßer­dem lit­ten die Mit­ar­bei­ter be­reits un­ter den Öff­nungs­zei­ten un­ter der Wo­che bis 20 Uhr. „Sie kön­nen sich kaum in Ver­ei­nen en­ga­gie­ren, mit Freun­den tref­fen oder ins Ki­no ge­hen.“

Cars­ten Hen­ne, Be­triebs­rats­chef von Kauf­hof am Haupt­bahn­hof, kri­ti­sier­te die On­line-Stra­te­gie der bei­den Kauf­haus-Kon­zer­ne. Die Un­ter­neh­men ver­such­ten, mit ho­hen Ra­bat­ten bei ih­ren On­li­ne­Shops Kun­den da­zu zu bewegen, mehr im In­ter­net zu kau­fen. Das Ar­gu­ment, der ver­kaufs­of­fe­ne Sonn­tag hel­fe den Fi­lia­len im Wett­be­werb mit On­line-Händ­lern, sei des­halb „schein­hei­lig“.

Nach An­sicht der Ge­werk­schaft Ver­di ist Sonn­tags­ar­beit für Mit­ar­bei­ter im Ein­zel­han­del nur be­dingt frei­wil­lig. Die Men­schen stün­den un­ter fi­nan­zi­el­lem Zwang, sag­te Ge­werk­schafts­se­kre­tä­rin Ju­lia­ne Fuchs.

An wie vie­len Sonn­ta­gen die Ge­schäf­te öff­nen dür­fen, re­geln die Bun­des­län­der – in Nie­der­sach­sen sind es bis zu vier pro Jahr und Kom­mu­ne. Die­se Ober­gren­ze wol­len Ver­di, die Be­triebs­rä­te und die Kir­chen bei­be­hal­ten. In Ber­lin hin­ge­gen sind im Jahr zehn ver­kaufs­of­fe­ne Sonn­ta­ge er­laubt. In Nord­rhein-West­fa­len sol­len künf­tig acht mög­lich sein.

In Nie­der­sach­sen woll­te die bis­he­ri­ge rot-grü­ne Re­gie­rung die Re­ge­lung auf vier ver­kaufs­of­fe­ne Sonn­ta­ge je Ge­mein­de plus ei­nen wei­te­ren je Stadt­be­zirk in gro­ßen Städ­ten wie Han­no­ver aus­wei­ten – der Ge­setz­ent­wurf wur­de je­doch nicht ver­ab­schie­det. Ei­ne Spre­che­rin der CDU-Frak­ti­on im Land­tag nann­te auf An­fra­ge kei­ne kon­kre­te Ziel­vor­stel­lung ih­rer Par­tei, was die Zahl ver­kaufs­of­fe­ner Sonn­ta­ge be­trifft. Die CDU be­tont in ih­rem Pro­gramm aber die „be­son­de­re Be­deu­tung“der Sonn­tags­ru­he für Ar­beit­neh­mer.

In der In­nen­stadt von Han­no­ver gibt es in die­sem Jahr nur zwei ver­kaufs­of­fe­ne Sonn­ta­ge. Auf­grund ei­nes Ge­richts­ur­teils muss die Stadt die Ter­mi­ne zwi­schen der In­nen­stadt und den an­de­ren Stadt­tei­len auf­tei­len. Der zwei­te Ter­min in der In­nen­stadt ist am kom­men­den Sonn­tag. Als An­lass dient das Fest „Han­no­ver hilft“. „Wir wer­den uns genau an­se­hen, ob die­ser An­lass wirk­lich Leu­te in die Stadt lockt, so wie wir es bei al­len Sonn­tags­öff­nun­gen ma­chen. Nur dann lohnt sich das für al­le Händ­ler“, sag­te Kauf­hof-Be­triebs­rat Wer­ner Preiss­ner.

FO­TOS: VILLEGAS/SCHAARSCHMIDT

Kar­stadt will eben­so wie Kauf­hof häu­fi­ger auch sonn­tags öff­nen – stößt da­mit aber auf Wi­der­stand der Be­leg­schafts­ver­tre­ter.

„Mit­ar­bei­ter lei­den schon jetzt un­ter Öff­nungs­zei­ten“: Die Be­triebs­rä­te Wer­ner Preiss­ner und Mark Po­ble­te (bei­de Kauf­hof) so­wie In­go Kot­zi­an (Kar­stadt) und Cars­ten Hen­ne (Kauf­hof).

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