Hal­lo­ween-In­ter­view

War­um bloß ha­ben Kin­der so viel Spaß am Gru­seln?

Hannoversche Allgemeine - - HANNOVER -

Frau Busch, Hal­lo­ween steht vor der Tür: tra­di­tio­nell ein Tag der Geis­ter und Ge­spens­ter. War­um ha­ben Kin­der so viel Spaß am Gru­seln?

Sie ha­ben Spaß an dem Ge­fühl von Macht, das sie beim Er­schre­cken ha­ben. Wenn ein Kind in ei­nem Hal­lo­ween­kos­tüm ei­nen Er­wach­se­nen so rich­tig er­schreckt, fühlt es sich stark. Es merkt, wie viel es als klei­ner Mensch be­wir­ken kann.

Was un­ter­schei­det das gru­se­lig­schö­ne Ge­fühl von ech­ter Angst?

Man ist nicht wirk­lich be­droht. Hal­lo­ween ist eben nur ein Spiel, ein gro­ßes Thea­ter mit Fi­gu­ren, vor de­nen wir uns gru­seln, ob­wohl wir genau wis­sen, dass es sich nicht um ech­te Vam­pi­re oder Wer­wöl­fe han­delt. Kin­der be­gin­nen sehr früh, den Un­ter­schied zwi­schen Ima­gi­na­ti­on und Rea­li­tät zu ler­nen. Wenn der Opa plötz­lich so tut, als wür­de er die Na­se steh­len, in­dem er sie zwi­schen Zei­ge- und Mit­tel­fin­ger klemmt und dann die Hand weg­zieht, er­schre­cken sie sich – und ge­nie­ßen den Mo­ment. Angst­lust nennt man das auch.

Manch­mal geht es an Hal­lo­ween mar­tia­lisch zu. Blut trieft von den Ko­s­tü­men. Der größ­te Ver­klei­dungs­scho­cker ist oft der größ­te Hit. Man­chen El­tern ist das zu bru­tal. Wie fin­den Sie ent­spre­chen­de Sor­ge?

Al­bern. Die Sehn­sucht, Aben­teu­er zu er­le­ben, Ri­si­ken ein­zu­ge­hen, ist an­ge­bo­ren. Kin­der müs­sen ler­nen, sich mit ih­ren Ag­gres­sio­nen aus­ein­an­der­zu­set­zen – und sie wol­len es auch. Beim Cow­boy-und-In­dia­nerSpiel wird ja auch dau­ernd ge­schos­sen und ge­met­zelt. Wenn El­tern ver­su­chen, Kin­der vor al­lem zu be­schüt­zen, was nicht lieb und weich ist, ent­hal­ten sie ih­nen ei­nen wich­ti­gen Teil ih­rer Er­leb­nis­welt vor.

Gibt es ei­ne kon­kre­te Re­gel, was man Kin­dern wann zu­mu­ten kann?

Je klei­ner Kin­der sind, des­to we­ni­ger ist ihr Ge­fühl für das „Als-ob aus­ge­prägt. Wenn Kin­der schlecht ge­träumt ha­ben, müs­sen die El­tern manch­mal un­term Bett nach­schau­en, ob dort nicht ein Ge­spenst hockt.

Und zu Hal­lo­ween?

Da ist für Kin­der wich­tig, dass es deut­li­che Si­gna­le für den Spiel­cha­rak­ter gibt. Den meis­ten Mas­ken sieht man das Künst­li­che, Unech­te ja an. Bei ei­nem drei­jäh­ri­gen Kind löst ei­ne Voll­mas­ke trotz­dem Angst aus. Es hat kei­nen Au­gen­kon­takt, kann sich nicht mit Bli­cken über die Ab­sich­ten des an­de­ren ver­si­chern. Im Kin­der­gar­ten soll­te man

„Angst­lust“: Psy­cho­the­ra­peu­tin Eva Busch emp­fiehlt El­tern, Kin­dern ih­re Frei­heit zu las­sen. Für man­che Kin­der sind Hal­lo­ween­fei­ern den­noch ein ech­ter Hor­ror. Sie fürch­ten sich wirk­lich vor all den Gru­sel­mas­ken und Ver­klei­dun­gen. Was kön­nen El­tern tun?

Hal­lo­ween mit Schmin­ke, aber oh­ne Mas­ken fei­ern.

Sie soll­ten das ernst neh­men. Viel­leicht ge­hen sie, wenn es mög­lich ist, mit. An­sons­ten: Man muss Hal­lo­ween nicht fei­ern. Wie viel Maß an Angst­lust und Span­nung ein Kind aus­hal­ten will, hat auch et­was mit dem Cha­rak­ter zu tun.

FO­tO: HEIDrICH

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