Gru­se­li­ge Hand­wer­ker

Hannoversche Allgemeine - - HANNOVER -

Buh! Na, er­schreckt? Mor­gen fei­ern schließ­lich nicht nur evan­ge­li­sche Chris­ten, son­dern auch Gru­sel­fans. Da­bei ist Hal­lo­ween doch gar nicht so angst­ein­flö­ßend – zu­min­dest harm­lo­ser als Os­tern. Stei­le The­se, mei­nen Sie? Dann pas­sen Sie mal auf, wel­che Schau­der­mär­chen die Ver­wand­ten beim ver­gan­ge­nen Os­ter­fest pa­rat hat­ten.

Von He­xen er­zähl­te da die Tan­te, ge­nau­er ge­sagt von „den Frau­en mit den dunk­len Au­gen“, die Cou­si­nen nick­ten ernst. Die­se Frau­en, führ­te Tan­te Gu­drun aus, sei­en un­sterb­lich – und sie gä­ben ihr He­xen­sein an ih­re Töch­ter wei­ter. „Aber heut­zu­ta­ge gibt es da­von ja kaum noch wel­che“, sag­te sie wis­send. Wie­der zu­stim­men­des Ni­cken der an­de­ren. Mo­ment, wenn sie aber doch nicht ster­ben und ih­re „Kräf­te“wei­ter­ge­ben …?

Oma wink­te ab und setz­te zur nächs­ten Gru­sel­ge­schich­te an: Einst, als es in dem be­schau­li­chen hes­si­schen Dorf mei­ner Kind­heit noch we­ni­ger In­fra­struk­tur gab als heu­te, war die Fa­mi­lie auf dem Feld zu­gan­ge. Ein Un­be­kann­ter kam vor­bei, woll­te ein Ge­rät aus­lei­hen. Oma lehn­te ab, er ver­schwand, dann war plötz­lich das Ge­rät ka­putt. „Spä­ter kam er noch mal, wir ha­ben es ihm aus­ge­lie­hen, und da­nach lief es wie­der“, er­zähl­te sie und schaut mich mit weit auf­ge­ris­se­nen Au­gen an. Potz Blitz! „Ein Hand­wer­ker?“, frag­te On­kel Rolf und lach­te sich ins Fäust­chen. Oma wink­te wie­der ab.

Al­so noch ein Be­weis: Ir­gend­wann in den Sech­zi­gern hör­te Oma nachts ein Klop­fen an der Tür, aber nie­mand war da. „Der Tod“, flüs­ter­te sie. Ich hing ge­bannt an ih­ren Lip­pen. „Im­mer­hin ist er höf­lich“, scherz­te ein Cou­sin. Bö­se Bli­cke von den Tan­ten – die Au­gen wirk­ten plötz­lich dunk­ler als sonst, oder bil­de­te ich mir das ein? Das Klop­fen je­den­falls sei ein Zei­chen ge­we­sen, dass in­ner­halb ei­nes Jah­res je­mand aus die­sem Haus ster­ben soll­te. Und dann starb die Uro­ma! Ein kal­ter Schau­der lief mir über den Rü­cken. Wo war das Salz, wenn man es gera­de mal über die Schul­ter wer­fen muss­te? „Al­so, an­dert­halb Jah­re spä­ter, und sie war ja auch alt“, räum­te Oma ein.

Ich bin trotz­dem über­zeugt. Wenn Sie mir oder mei­ner Fa­mi­lie mor­gen al­so ei­nen Schre­cken ein­ja­gen wol­len: ein­fach an die Tür klop­fen. Oder et­was re­pa­rie­ren. Hilf­reich sind auch dunk­le Au­gen, aber da­von gibt es ja kaum noch wel­che.

Von Jo­han­na St­ein

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