„Lu­ther kann auf die Ner­ven ge­hen“

Der ket­ho­li­sche Propst Mer­tin Ten­ne unk ker even­ne­li­sche Stekt­su­per­in­ten­kent Hens-Mer­tin Hei­ne­menn im Ge­spräch üger kes Re­for­me­ti­ons­ju­gi­lä­um unk ei­nen mön­li­chen Wen zum ne­mein­se­men Agenk­mehl

Hannoversche Allgemeine - - HANNOVER - In­ter­view: Si­mon Ben­ne

Das Jahr des Re­for­ma­ti­ons­ju­bi­lä­ums geht sei­nem Hö­he­punkt ent­ge­gen: Am mor­gi­gen 31. Ok­to­ber ist Re­for­ma­ti­ons­tag. Fra­ge an den Ka­tho­li­ken: Was mö­gen Sie an Lu­ther ei­gent­lich ganz be­son­ders, Propst Ten­ge?

Ten­ge: Er hat sich von Amts­au­to­ri­tä­ten nicht ein­schüch­tern las­sen und auf den Punkt ge­bracht, dass man den Him­mel nicht er­kau­fen kann. Der hat schon viel Gu­tes be­wirkt.

Und was kön­nen Sie als Pro­tes­tant an Lu­ther so gar nicht lei­den, Stadt­su­per­in­ten­dent Hei­ne­mann?

Hei­ne­mann: Ach, er konn­te auch sehr un­ge­stüm sein. Nicht nur in Be­zug auf die Bau­ern­krie­ge und den Um­gang mit Ju­den hat er im Ton, vor al­lem aber in der Ar­gu­men­ta­ti­on da­ne­ben ge­le­gen, und er hat­te nicht recht. Da­mit war er schon da­mals bei et­li­chen sei­ner Weg­ge­fähr­ten um­strit­ten. Na­tür­lich ist er ei­ne über­ra­gen­de Fi­gur, doch er war oft auch sehr auf Welt­un­ter­gang ge­stimmt – das kann ei­nem schon mal auf die Ner­ven ge­hen.

Wie fällt Ih­re Bi­lanz des gro­ßen Ju­bi­lä­ums­jah­res aus?

Ten­ge: Für mich war es ein An­lass, mich noch ein­mal stär­ker mit evan­ge­li­scher Theo­lo­gie aus­ein­an­der­zu­set­zen. Da­bei ha­be ich auch viel über den ei­ge­nen, ka­tho­li­schen Glau­ben ge­lernt. Be­mer­kens­wert fand ich in die­sem Jahr, dass es kei­ne Ab­gren­zung sei­tens der Pro­tes­tan­ten gab. Das han­no­ver­sche „Fest für al­le“im Au­gust konn­ten wir ak­tiv mit­ge­stal­ten. Un­se­re Freund­schaft hat sich ver­tieft.

Hei­ne­mann: Wir ha­ben das Ju­bi­lä­um ge­mein­sam als Chris­tus-Fest be­gan­gen. Das wä­re wohl auch in Lu­thers Sin­ne ge­we­sen und gibt ein Gr­und­an­lie­gen der Re­for­ma­ti­on wie­der.

Am Fron­leich­nams­tag ist ein Teil der ka­tho­li­schen Mes­se so­gar in der evan­ge­li­schen Markt­kir­che über die Büh­ne ge­gan­gen.

Ten­ge: Ein un­glaub­lich be­rüh­ren­des Er­leb­nis. Ge­plant war das so nicht. Bei un­se­rem Open-Air-Got­tes­dienst setz­te di­rekt nach dem Va­ter­un­ser ein Stark­re­gen ein ...

Hei­ne­mann: ... und da ha­ben wir dann die Tü­ren ge­öff­net. Na­tür­lich ist Fron­leich­nam kein evan­ge­li­sches Fest. Aber es hat mich be­rührt, zu se­hen, wie be­wegt vie­le Men­schen an die­sem Tag wa­ren, nicht nur ka­tho­li­sche Chris­ten. der an­de­ren Kon­fes­si­on ver­hal­ten sol­len. Da herrscht oft gro­ße Un­si­cher­heit. Im­mer wie­der er­le­be ich, dass evan­ge­li­sche Chris­ten, auch Pas­to­ren, sich in ka­tho­li­schen Mes­sen ge­gen­sei­tig fra­gend an­schau­en: Sol­len wir ge­hen oder nicht? Dar­über soll­ten wir grund­sätz­lich re­den und es nicht nur ir­gend­wie spon­tan ent­schei­den.

Das ka­tho­li­sche Kir­chen­recht ist ein­deu­tig: Pro­tes­tan­ten dür­fen nicht, es gibt kei­ne Abend­mahls­ge­mein­schaft.

Ten­ge: Wir wis­sen aber auch, dass die Pra­xis oft an­ders aus­sieht. Und ei­ne sol­che Ent­schei­dung soll­te wohl­über­legt ge­trof­fen wer­den. Viel­leicht kom­men wir da­zu, dass wir sa­gen: Wer be­ken­nen kann, was die an­de­re Kon­fes­si­on ver­tritt, kann dort auf Ebe­ne ei­ner Ge­wis­sens­ent­schei­dung das Abend­mahl emp­fan­gen. Ich wün­sche mir be­son­ders für kon­fes­si­ons­ver­bin­den­de Ehe­paa­re ei­ne ech­te Hil­fe­stel­lung.

Bei al­ler Ei­nig­keit: Ein ge­mein­sa­mes Abend­mahl bei­der Kon­fes­sio­nen gibt es bis­lang nicht. Sie pla­nen jetzt, ei­ne ge­mein­sa­me „Han­no­ver­sche Er­klä­rung“da­zu auf den Weg zu brin­gen. Ten­ge: Es geht da­bei dar­um, wie wir uns als Gäs­te in Got­tes­diens­ten

Hand aufs Herz: Sind Sie selbst schon bei der je­weils an­de­ren Kon­fes­si­on zum Abend­mahl ge­gan­gen?

Hei­ne­mann: Ja, al­ler­dings nicht in Han­no­ver. Von mei­nem Glau­ben her kann ich das gut tun. Wenn ich dar­auf ver­zich­te, dann vor al­lem aus Re­spekt vor der An­sicht der Ka­tho­li­ken, dass ich es nicht tun soll­te.

Ten­ge: Nein, weil ich re­spek­tie­re, dass Pro­tes­tan­ten ein an­de­res theo­lo­gi­sches Ver­ständ­nis des Abend­mahls ha­ben als wir.

Und wie hal­ten es die Gläu­bi­gen?

Hei­ne­mann: Vie­le lei­den un­ter der Tren­nung, be­son­ders Men­schen in kon­fes­si­ons­ver­schie­de­nen Ehen. Ich bin mir si­cher, dass bei je­dem Got­tes­dienst in der evan­ge­li­schen Markt­kir­che auch Ka­tho­li­ken zum Abend­mahl kom­men. Wer bin ich, dass ich ih­nen das Mahl ver­wei­gern soll­te?

Ten­ge: Das gilt an­ders­her­um auch bei uns in der ka­tho­li­schen Ba­si­li­ka St. Cle­mens. Ich wür­de dort nie­man­den zu­rück­wei­sen.

Wie wol­len Sie wei­ter vor­ge­hen?

Ten­ge: Es ist ge­plant, ei­ne ge­mein­sa­me Steue­rungs­grup­pe zu grün­den, die Mit­te nächs­ten Jah­res ein Pa­pier ent­wi­ckeln soll. Wenn es gut läuft, ha­ben wir En­de 2018 ei­ne Er­klä­rung zum Abend­mahl, die zu­min­dest ei­ne Ori­en­tie­rungs­hil­fe für Be­trof­fe­ne sein kann. Hei­ne­mann: Der Plan hat be­reits jetzt zahl­rei­che Dis­kus­sio­nen aus­ge­löst. Das ist ein hoch­e­mo­tio­na­les The­ma. Ge­mein­sam­keit lässt sich nicht er­zwin­gen. Aber Chris­tus will, dass wir eins sind. Die Al­ten hat­ten noch ge­lehrt, uns scharf von­ein­an­der ab­zu­gren­zen. Das ist Gott sei Dank vor­bei. Heu­te gilt es zu prü­fen, wie weit wir auf­ein­an­der zu­ge­hen müs­sen, kön­nen und wol­len.

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