Dort­mund kriegt die Kri­se

Der BVB ver­liert nach ei­nem bla­ma­blen Auf­tritt auch in Han­no­ver und gibt erst­mals die Ta­bel­len­füh­rung ab – die Ge­sich­ter der Kri­se und ih­re Ge­schich­ten

Hannoversche Allgemeine - - SPORT - Von Hei­ko Os­ten­dorp

Ju­li­an Na­gels­manns Fla­schen­wurf Han­no­ver. Dort­munds Ka­pi­tän Mar­cel Schmel­zer er­griff das Wort schon auf der Rück­fahrt aus Han­no­ver. Nach der 2:4-Plei­te bei Sen­sa­ti­ons-Auf­stei­ger 96 (18 Punk­te, Platz vier!) wur­de es laut im Mann­schafts­bus der Schwarz-Gel­ben. „Das kann nicht un­ser An­spruch sein. Wir müs­sen uns hin­ter­fra­gen“, sag­te Schmel­zer. „Und zwar nicht nur fuß­bal­le­risch, son­dern auch von der Ein­stel­lung her.“

Tat­säch­lich sah es so aus, als hät­te der BVB die Auf­ga­be in Han­no­ver im Vor­bei­ge­hen lö­sen wol­len. „Po­ma­dig und selbst­ge­fäl­lig“nann­te Micha­el Zorc den Auf­tritt. Der Sport­di­rek­tor sprach von „Ali­bi­fuß­ball“und schimpf­te: „So ge­winnst du in der Bun­des­li­ga kein Spiel.“Über sechs Ki­lo­me­ter we­ni­ger lie­fen Schmel­zer und Co. als der Geg­ner. Wie schon in den letz­ten bei­den sieg­lo­sen Spie­len ge­gen RB Leip­zig (2:3) und Ein­tracht Frank­furt (2:2) gin­gen den Ge­gen­tref­fern oft in­di­vi­du­el­le Pat­zer vor­aus – wo­mit wir bei den drei gro­ßen Bau­stel­len des ehe­ma­li­gen Ta­bel­len­füh­rers wä­ren.

Bür­ki in der Feh­ler-Kri­se: Den Spitz­na­men „Gür­ki“be­kam der Schwei­zer Tor­hü­ter schon in der ver­gan­ge­nen Sai­son ver­passt. In die­ser Spiel­zeit patz­te er be­reits zwei­mal in der Cham­pi­ons Le­ague, da­nach auch ge­gen Leip­zig. Am Sonn­abend mäh­te Bür­ki vor dem 0:1 Han­no­vers Fe­lix Klaus un­ge­schickt um. Trai­ner Pe­ter Bosz und die BVB-Bos­se nah­men ih­re Num­mer eins in den ver­gan­ge­nen Wo­chen im­mer wie­der in Schutz, ver­län­ger­ten so­gar Bür­kis Ver­trag vor­zei­tig bis 2021, um ihm den Rü­cken zu stär­ken und neu­es Selbst­ver­trau­en zu ge­ben. Doch ein po­si­ti­ver Ef­fekt blieb aus. Im Som­mer en­det der Kon­trakt von Bür­kis Stell­ver­tre­ter Ro­man Wei­den­fel­ler, ei­ne neue Num­mer zwei wird ge­sucht. Viel­leicht ma­chen sich die Ver­ant­wort­li­chen nun doch Ge­dan­ken, ob sie nicht lie­ber ei­nen Kon­kur­ren­ten auf Au­gen­hö­he ver­pflich­ten soll­ten.

Auba­meyang in der For­mK­ri­se: An kei­nem an­de­ren Ge­sicht kann man die der­zei­ti­ge Stim­mungs­la­ge beim BVB so gut ab­le­sen wie an dem des Dort­mun­der Gu­te-Lau­ne-On­kels. Auba­meyang trot­te­te in Han­no­ver mit ei­ner Mie­ne in die Ka­ta­kom­ben, als hät­te ihm je­mand ei­nen Krat­zer in ei­nen sei­ner di­ver­sen Sport­wa­gen ge­ritzt. Zwar hat der Tor­schüt­zen­kö­nig der ver­gan­ge­nen Sai­son er­neut ei­ne be­ein­dru­cken­de Tref­fer­quoPo­kal­sie­ger te (15 Pflicht­spie­le, 15 To­re), doch auch sei­ne Form­kur­ve zeig­te zu­letzt stark nach un­ten. Am Sonn­abend war Auba­meyang nur ein Schat­ten sei­ner selbst. Kei­nen ein­zi­gen Tor­schuss und gera­de mal 25 Ball­kon­tak­te hat­te der Ga­bu­ner in 90 Mi­nu­ten. Er ge­wann nur 28 Pro­zent sei­ner Zwei­kämp­fe, 36 Pro­zent sei­ner Päs­se lan­de­ten beim Geg­ner. Man kennt Auba­meyangs Pro­blem nicht erst seit ges­tern: Trifft er nicht, ist er oft kaum zu se­hen.

Bosz in der Tak­tik-Kri­se: Wenn Pe­ter Bosz in sei­nen ers­ten Mo­na­ten beim am­tie­ren­den ei­nes be­wie­sen hat, dann, dass er ein Meis­ter der Schön­re­de­rei ist. Der Nie­der­län­der schaff­te es so­gar, dem pein­li­chen 1:1 in der Cham­pi­ons Le­ague bei den Fuß­ball-Zwer­gen aus Ni­ko­sia et­was Po­si­ti­ves ab­zu­rin­gen. Und auch nach nur ei­nem Pünkt­chen aus den letz­ten drei Bun­des­li­ga-Par­ti­en bleibt Bosz ge­las­sen: „Da war kei­ne Kri­se und da ist kei­ne Kri­se“, sag­te er nach dem bla­ma­blen Auf­tritt in Han­no­ver.

Wel­chen Be­weis Bosz bis­her noch schul­dig blieb – ob er ei­nen Plan B hat. Sein aus der Schu­le sei­nes gro­ßen Vor­bilds Jo­han Cruyff ad­ap­tier­tes 4-3-3-Sys­tem zieht er knall­hart durch, un­ab­hän­gig von Geg­ner, Per­so­nal oder Wett­be­werb. Be­reits bei sei­nem letz­ten Klub Ajax Ams­ter­dam hat­ten ihm Kri­ti­ker vor­ge­wor­fen, Bosz wol­le lie­ber in Schön­heit ster­ben, statt auch mal „dre­cki­ge Sie­ge“ein­zu­fah­ren. Oft rann­ten sei­ne Mann­schaf­ten mit der ex­trem of­fen­si­ven und auf Ge­gen­pres­sing aus­ge­rich­te­ten Spiel­wei­se se­hen­den Au­ges ins Ver­der­ben. Mit­un­ter wur­de durch die in­di­vi­du­el­le Klas­se beim BVB der Fakt ka­schiert, dass na­he­zu al­le Geg­ner, zu zahl­rei­chen Tor­chan­cen ka­men – wie auch 96. Und die hat­ten vor dem 4:2 in neun Spie­len gera­de mal zehn Tref­fer auf dem Kon­to.

Rat­los: BVB-Tor­jä­ger Pier­re-Eme­rick Auba­meyang, Tor­hü­ter Ro­man Bür­ki und Trai­ner Pe­ter Bosz.

er­hitz­te die Ge­mü­ter. Nach Glad­bachs 1:1-Aus­gleich warf der Hof­fen­heim-Trai­ner ge­frus­tet ei­ne Plas­tik­fla­sche ins Pu­bli­kum, traf ei­nen Mann am Kopf. „Es tut mir leid. Das war ei­ne dum­me Ak­ti­on, die mir nicht pas­sie­ren darf“, ent­schul­dig­te er sich spä­ter.

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