FC Rat­los

Der 1. FC Köln ist erst die sechs­te Mann­schaft, die nach zehn Spiel­ta­gen zwei oder we­ni­ger Punk­te hat – das sind die Grün­de

Hannoversche Allgemeine - - SPORT - Von Da­ni­el The­we­leit

Le­ver­ku­sen. Ei­ne tie­fe Rat­lo­sig­keit um­gab die Men­schen mit dem Geiß­bock auf der Brust nach dem 1:2 in Le­ver­ku­sen. „Wir spie­len nicht schei­ße, aber uns feh­len die Sie­ge“, sag­te Ka­pi­tän Mat­thi­as Leh­mann, und so lang­sam schwin­det der Glau­be an die al­te Fuß­ball­wahr­heit, dass or­dent­li­che Leis­tun­gen ir­gend­wann auch mit Sie­gen be­lohnt wer­den.

Der FC ist die sechs­te Mann­schaft in der Bun­des­li­ga-His­to­rie, die nach zehn Spiel­ta­gen zwei oder we­ni­ger Punk­te hat – vier der fünf Vor­gän­ger­teams stie­gen am En­de ab.

Trai­ner Pe­ter Stö­ger sprach von ei­ner „ge­ball­ten Ge­schich­te“, die sich lang­sam „auf die Psyche“sei­ner Spie­ler aus­wir­ke, und na­tür­lich mein­te er da­mit ne­ben den vie­len un­glück­li­chen Nie­der­la­gen die­ser Sai­son auch die vor ei­ner Wo­che voll­zo­ge­ne Tren­nung von Ma­na­ger Jörg Schmadt­ke.

Klar ist, dass Schmadt­ke sich nicht mehr wohl­fühl­te in die­sem Klub. Das mag ei­ner­seits dar­an lie­gen, dass ihn die „Schmadt­ke raus“-Ru­fe der ei­ge­nen Fans sehr ver­letzt ha­ben, doch hin­ter der glän­zen­den Fas­sa­de der ers­ten Eu­ro­pa­po­kal­teil­nah­me seit 25 Jah­ren gibt es schon län­ger ganz un­ter­schied­li­che Kon­flikt­her­de.

Be­kannt ist, dass Schmadt­kes Ver­hält­nis zu sei­nem viel­leicht wich­tigs­ten Mit­ar­bei­ter, dem Trans­fer­ex­per­ten Jörg Ja­kobs, ab­ge­kühlt war. Im Som­mer ver­ließ dann auch noch Pres­se­spre­cher Alex­an­der Ja­cob, seit vie­len Jah­ren ein wich­ti­ger Ver­trau­ter Schmadt­kes, den Ver­ein. Wäh­rend des sport­lich so kom­pli­zier­ten Sai­son­starts ent­stand über­dies der Ein­druck, dass vie­le der Ver­ant­wort­li­chen im Klub ins­ge­heim ganz froh wa­ren, dass Schmadkte auf­grund sei­ner un­glück­li­chen Trans­fer­po­li­tik als Haupt­ver­ant­wort­li­cher für die Kri­se im Mit­tel­punkt der Kri­tik stand. Und dass sie selbst ver­schont blie­ben.

Bis heu­te hat nie­mand ei­nen Feh­ler ein­ge­räumt, was stark an die Zeit un­ter dem ehe­ma­li­gen Prä­si­den­ten Wolf­gang Over­ath er­in­nert, dem bis heu­te je­de Selbst­kri­tik für sei­ne fins­te­ren Amts­jah­re schwer fällt. Aber das ist nur ein De­tail, das auf ei­nen Rück­fall in al­te Miss­er­folgs­mus­ter hin­deu­tet, die neue In­trans­pa­renz geht weit über die Schmadt­ke-Tren­nung hin­aus.

Über Mo­na­te be­ton­te Fi­nanz­chef Alex­an­der Wehr­le im­mer wie­der, dass er mit dem Ge­dan­ken spie­le, den Tra­di­ti­ons­stand­ort Mün­gers­dorf zu ver­las­sen, und ei­ne neue 75 000-Zu­schau­er-Are­na ir­gend­wo am Stadt­rand zu bau­en. Die ge­nau­en Plä­ne und Über­le­gun­gen hielt er aber ge­heim. Kirs­ten Jahn, die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der Grü­nen im Stadt­rat, be­zeich­ne­te die Ver­ant­wort­li­chen dar­auf­hin als „Po­ker­spie­ler“. Und das In­ter­es­se der Bür­ger? Die Ge­füh­le der Fans? Nicht so wich­tig! Auch ei­ne ge­plan­te Er­wei­te­rung des Geiß­bock­heims in­mit­ten ei­nes Land­schafts­schutz­ge­bie­tes sorgt für Är­ger, und als ei­ne Initia­ti­ve ei­nen Pas­sus in die Klub­satzung ein­bau­en woll­te, der den Mit­glie­dern ein Mit­spra­che­recht beim Ver- kauf von Klub­an­tei­len ga­ran­tiert hät­te, re­agier­te Wer­ner Spin­ner em­pört. Der Prä­si­dent sprach von „Miss­trau­en (…), das nicht in den Ver­ein hin­ein­ge­hört“, und ver­stand erst spät, dass genau sol­che Fra­gen in ei­nem gut ge­führ­ten Ver­ein of­fen dis­ku­tiert wer­den müs­sen.

All das zeigt, wie be­las­tet die At­mo­sphä­re schon län­ger ist, wie vie­le Feh­ler pas­siert sind.

Um nun trotz der pre­kä­ren La­ge wei­ter zu hof­fen, müs­sen sie so­gar schon auf den dau­er­kri­seln­den HSV schau­en, der vor ei­nem Jahr eben­falls nur zwei Punk­te in zehn Par­ti­en ein­spiel­te und trotz­dem noch den Klas­sen­er­halt schaff­te. „Ich könn­te jetzt sa­gen: Wenn der HSV das ge­schafft hat, kön­nen wir es auch schaf­fen“, sag­te Stö­ger und fuhr fort: „Aber für uns wird es noch schwie­ri­ger. Der Ham­bur­ger SV war im Ab­stiegs­kampf er­probt, hat es im­mer wie­der ge­schafft, sich zu ret­ten, und da­rin ei­ne Qua­li­tät ent­wi­ckelt. Für uns ist es ei­ne neue Si­tua­ti­on.“Er wirk­te da­bei al­les an­de­re als zu­ver­sicht­lich.

Am kom­men­den Sonn­tag geht es ge­gen Hof­fen­heim.

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