Scham­pus zum En­de der Durst­stre­cke

Was für ei­ne Show: Re­bens­burg ge­winnt Ski-al­pin-Auf­takt, Vonn zeigt Bauch, Shif­frin stän­kert

Hannoversche Allgemeine - - SPORT - Von Tho­mas Be­cker

Söl­den. Wer beim ers­ten Ren­nen nur mit dem Kor­ken des Sie­ger-Cham­pa­gners Pro­ble­me hat, der hat vor­her ei­ni­ges rich­tig ge­macht. Ob­wohl Vik­to­ria Re­bens­burg bei den Fa­mi­li­en­fes­ten am Te­gern­see stets die­je­ni­ge ist, die die gro­ßen Fla­schen ent­korkt, war sie am Ret­ten­bach­fer­ner in die­ser Hin­sicht den Kon­kur­ren­tin­nen Tes­sa Wor­ley und Ma­nue­la Mo­elgg him­mel­weit un­ter­le­gen. „Wurscht“, wird sich die 28-Jäh­ri­ge ge­dacht ha­ben, denn den Sie­ger-Scham­pus hielt nun mal sie in Hän­den. Sel­ten hat man die ein­zi­ge Welt­klas­se­fah­re­rin des DSV so be­freit la­chen se­hen. Kein Wun­der: Sie­ben Jah­re nach ih­rem ers­ten Tri­umph in Söl­den lan­de­te Re­bens­burg im Rie­sen­sla­lom nun ih­ren 14. Welt­cup­sieg nach ein­ein­halb Jah­ren Durst­stre­cke. „Ham­mer­mä­ßig“, fand sie das. „Das wird ei­ne tol­le Heim­fahrt.“Zu Hau­se war­te­ten si­cher ein paar gro­ße Fla­schen.

Welt­cup-Auf­takt in Söl­den – ei­ne spe­zi­el­le Ver­an­stal­tung. Ei­ner­seits we­gen des „be­son­de­ren Söl­den- Fra­ge­zei­chen-Fee­lings“, wie Re­bens­burg es nennt: Wie gut bin ich in Form? Wie gut sind die an­de­ren? Passt das Ma­te­ri­al? Muss die Sai­son im­mer an die­sem schwe­ren Hang los­ge­hen? Und war­um schon im Ok­to­ber?

Die letz­te Fra­ge ist ein­fach zu be­ant­wor­ten: Weil die dar­ben­de SkiIn­dus­trie die­sen Ter­min braucht. Weil die Couch-Po­ta­toes vor der Glot­ze den­ken sol­len: „Ah, Ski-Sai­son! Ich brauch’ neue Lat­ten!“Des­halb kom­men die Kauf­an­rei­zer an ei­nem lau­schi­gen Spät­som­merDon­ners­tag ins Ötz­tal, um vom Win­ter zu schwär­men. Und weil der Aus­rüs­ter das will, kom­men auch die Lang­zeit­ver­letz­ten, die gar nicht an den Start ge­hen wol­len: Ak­sel Lund Svindal, An­na Veith, La­ra Gut, Lind­sey Vonn. Wenn der Her­stel­ler He­ad vor über hun­dert Jour­na­lis­ten sein Renn­team vor­stellt, hat das was von Os­car-Ver­lei­hung. Die frisch zu­rück­ge­tre­te­ne Ex-Welt­meis­te­rin Lizz Görgl steht auf der Büh­ne und singt „It’s Up to You“. Drei­fachOlym­pia­sie­ge­rin Ma­ria Höfl-Riesch hat der Post-Kar­rie­re-Weg ei­ne Eta­ge tie­fer ge­führt: Als ARD-Ex­per­tin sitzt sie nun un­ten am Jour­na­lis­ten­tisch.

Die Schein­wer­fer sind auf Freun­din Vonn ge­rich­tet. Bes­ser ge­sagt: auf ih­ren Bauch­na­bel. Bis da­hin reicht das Blond­haar fast, was gut aus­zu­ma­chen ist, da sie zur Woll­müt­ze bauch­frei trägt. Ein irr­wit­zi­ges Bild in­mit­ten all der Je­ans und TShirt tra­gen­den Kol­le­gin­nen. Mit ih­rer An­kün­di­gung, erst­mals nach fünf Jah­ren hier wie­der an den Start zu ge­hen, hat sie al­le über­rascht. Sie ha­be zwar nur drei Ta­ge Rie­sen­sla­lom trai­niert, wol­le sich ei­ne gu­te Start­num­mer für Olym­pia er­ar­bei­ten – der Plan schei­tert gran­di­os.

Platz 34 nach dem ers­ten Durch­gang, über drei Se­kun­den Rück­stand. Bei den Speed-Ren­nen An­fang De­zem­ber in La­ke Loui­se will sie trotz­dem bei den Män­nern mit­fah­ren – was vie­len auf­stößt: „Lind­sey will nur Auf­merk­sam­keit“, stän­kert Team­kol­le­gin Mi­kae­la Shif­frin, Ti­na Wei­ra­ther ätzt: „Die­se Ak­ti­on riecht für mich stark nach PR.“

Dass das Män­ner-Ren­nen we­gen Sturms ab­ge­sagt wer­den muss­te, war ab­seh­bar. Neu-Pa­pa Fe­lix Neu­reu­ther („Ich hät­te nicht ge­dacht, wie viel Freu­de ei­ne vol­le Win­del macht“) sorg­te mit sei­ner Au­to­gramm­stun­de für ei­nen ve­ri­ta­blen Men­schen­auf­lauf. Scha­de, dass er nicht ran durf­te, denn Bun­des­trai­ner Mat­thi­as Bert­hold sag­te: „Wenn der Fe­lix zu­frie­den ist, ist er meis­tens gut.“Und er sah sehr zu­frie­den aus.

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