Wie­der vie­le Ba­de­to­te – Ret­ter war­nen

In Nie­der­sach­sen star­ben im ver­gan­ge­nen Jahr 55 Men­schen / Fra­gen und Ant­wor­ten zum The­ma

Hannoversche Allgemeine - - NIEDERSACHSEN & DER NORDEN - Von Fa­bi­an Nit­sch­mann und An­ne-So­phie Gal­li

Han­no­ver/Bre­men. In nie­der­säch­si­schen Ge­wäs­sern sind ver­gan­ge­nes Jahr 55 Men­schen er­trun­ken, in Bre­men 2. Dies teil­te die Deut­sche Le­bens-Ret­tungs-Ge­sell­schaft (DLRG) am Don­ners­tag mit. Die Zahl der Ba­de­to­ten lag da­mit deut­lich nied­ri­ger als im Jahr zu­vor. In Nie­der­sach­sen star­ben 21 und in Bre­men 7 Men­schen we­ni­ger als 2016. DLRG-Spre­cher Achim Wie­se sag­te: „2017 gab es ja kei­nen Som­mer. Da­her gin­gen auch we­ni­ger Leu­te ins Was­ser und er­tran­ken.“In die­sem Jahr sei­en be­reits wie­der vie­le Men­schen er­trun­ken, sag­te er, oh­ne ge­naue Zah­len zu nen­nen. Die wich­tigs­ten Fra­gen und Ant­wor­ten zum The­ma:

Wie vie­le Men­schen ster­ben in ganz Deutsch­land jähr­lich im Was­ser? 2017 sind nach An­ga­ben der DLRG 404 Men­schen er­trun­ken. „Bin­nen­ge­wäs­ser sind nach wie vor die Ge­fah­ren­quel­le Num­mer eins“, sagt DLRG-Prä­si­dent Achim Haag. 329 Men­schen ver­lo­ren ihr Le­ben in Flüs­sen, Bä­chen, Se­en und Ka­nä­len. Nach An­ga­ben der Ge­sell­schaft wa­ren drei von vier Op­fern männ­lich. 756 Men­schen wur­den vor dem Tod in den Flu­ten ge­ret­tet.

Wann er­trin­ken die meis­ten Men­schen? Bei gu­tem Wet­ter gibt es mehr Ba­de­un­fäl­le. Im ver­gan­ge­nen Jahr er­tran­ken die meis­ten Men­schen im Ju­ni (69), im Ju­li star­ben 55 Per­so­nen im Was­ser. Im Au­gust 2016 wa­ren 92 Ba­de­to­te zu be­kla­gen. Im Win­ter gibt es deut­lich we­ni­ger Fäl­le, aber auch im Ja­nu­ar und Fe­bru­ar des ver­gan­ge­nen Jah­res er­tran­ken­je­weil­s22Men­schen.

Was sind die Haupt­grün­de für die­se Un­glü­cke? „Leicht­sinn, Über­mut und Un­kennt­nis über Ge­fah­ren spie­len da­bei ei­ne gro­ße Rol­le“, sagt DLRGSpre­cher Achim Wie­se zu der ho­hen Zahl männ­li­cher Er­trun­ke­ner. Se­nio­ren ge­he schnell die Kraft aus, Herz­pro­ble­me oder Dia­be­tes sei­en eben­falls oft ein Pro­blem. Dar­über hin­aus sei die Schwimm­fä­hig­keit ins­ge­samt rück­läu­fig. Laut ei­ner El­tern-Um­fra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts For­sa im Auf­trag der DLRG kann mehr als die Hälf­te der Grund­schü­ler in Deutsch­land nicht rich­tig schwim­men. Ein Grund da­für sei, dass je­de vier­te Grund­schu­le kei­nen Zu­gang zu Bä­dern ha­be. Un­ter 404 im Jahr 2017 er­trun­ke­nen Men­schen sei­en auch 23 Flücht­lin­ge. Vie­le Flücht­lin­ge hät­ten nie schwim­men ge­lernt oder könn­ten Warn­schil­der nicht le­sen.

Ist es wirk­lich ge­fähr­lich, mit vol­lem Ma­gen ins Was­ser zu ge­hen? Wer hat die­se Ba­der­re­gel nicht schon mal ge­hört? Doch das Ame­ri­ka­ni­sche Ro­te Kreuz fand in ei­ner gro­ßen Über­blicks­ana­ly­se bei Ju­gend­li­chen und Er­wach­se­nen kei­nen le­bens­ge­fähr­li­chen Ein­fluss ei­nes vol­len Ma­gens. „Die Be­we­gun­gen fal­len mit vol­lem Bauch aber schwe­rer“, sag­te DLRG-Spre­cher Martin Holz­hau­se. Die DLRG warnt vor dem Gang ins Was­ser mit ganz vol­lem Bauch ins­be­son­de­re mit Blick auf Kin­der. Sie über­näh­men sich eher mal, er­gänz­te Holz­hau­se. Wenn ih­nen beim Ba­den oder Schwim­men übel wird, sie gar er­bre­chen und mög­li­cher­wei­se Was­ser schlu­cken, kön­ne es le­bens­ge­fähr­lich wer­den. Ein lee­rer Ma­gen kön­ne da­ge­gen wirk­lich bei je­dem zum Pro­blem wer­den, sag­te Achim Wie­se. Denn zum Schwim­men braucht der Kör­per viel Ener­gie: In zehn Mi­nu­ten wird un­ge­fähr die Ener­gie ei­nes Ap­fels ver­braucht. In je­dem Fall gel­te: Kin­der soll­ten beim Ba­den im­mer über­wacht wer­den.

Bleibt das Herz beim Sprung ins kal­te Was­ser ste­hen? Bei war­mem Wet­ter fließt Blut ver­mehrt in Ar­me und Bei­ne. Bei ei­nem Sprung in kal­tes Was­ser zie­hen sich die Ge­fä­ße zu­sam­men und pum­pen das Blut auf ein­mal zum Herz. „Dies be­las­tet die rech­te Herz­kam­mer stark und kann bei Men­schen mit un­er­kann­ten Herz­er­kran­kun­gen – auch Kin­dern – zu Rhyth­mus­stö­run­gen füh­ren“, er­klärt Martin Hal­le, ärzt­li­cher Di­rek­tor des Zen­trums für Prä­ven­ti­on und Sport­me­di­zin der TU München. Au­ßer­dem wer­de ein Re­flex aus­ge­löst, wenn kal­tes Was­ser auf das Ge­sicht trifft. „Herz­fre­quenz und Blut­druck sin­ken schnell und manch­mal sehr stark.“In den sel­tens­ten Fäl­len sei so ein Er­eig­nis töd­lich. Al­ler­dings kann es im Was­ser zum Ver­lust der Ori­en­tie­rung oder zu Be­wusst­lo­sig­keit kom­men.

Im Not­fall: Macht nas­se Klei­dung das Über­le­ben schwe­rer? Klei­dung er­höht den Wi­der­stand beim Schwim­men. Man braucht mehr Kraft und kommt lang­sa­mer vor­an. Dass nas­se Klei­dung im Was­ser je­doch ge­fähr­lich nach un­ten zieht, ist ein Irr­glau­be. Statt­des­sen kön­ne sie so­gar Auf­trieb ge­ben, schrei­ben Micha­el Tip­ton und Frank Gol­den in ih­rem Fach­buch zum Über­le­ben auf See.

Wie­so ist es schwie­rig, ei­nen Er­trin­ken­den zu ret­ten? Wenn Men­schen im Was­ser in Not ge­ra­ten, wer­den sie oft pa­nisch: Sie schla­gen um sich und ver­su­chen, sich an ir­gend­et­was fest­zu­hal­ten. Für Lai­en ist es schwie­rig, ei­nen Er­trin­ken­den aus dem Was­ser zu zie­hen und sich aus den oft sehr fes­ten Grif­fen zu be­frei­en. Ret­tungs­schwim­mer ler­nen in ih­rer Aus­bil­dung ge­nau das. Au­ßer­dem kann das Ge­wäs­ser Ge­fah­ren ber­gen, die vom Ufer aus nicht zu er­ken­nen sind. Die DLRG rät für den Not­fall da­her: Hil­fe ho­len und der Per­son im Was­ser Schwimm­hil­fen oder an­de­re Ge­gen­stän­de zu­wer­fen, an de­nen sie sich fest­hal­ten kann.

Wenn Men­schen im Was­ser in Not ge­ra­ten, wer­den sie schnell pa­nisch: Die Ret­ter der DLRG sind dar­auf ein­ge­stellt, Lai­en oft nicht.

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