„Ich ha­be das Rich­ti­ge ge­fun­den“

Deutsch­lands bes­ter Kran­ken­pfle­ge­schü­ler kommt aus Bad Pyr­mont

Hannoversche Allgemeine - - NIEDERSACHSEN & DER NORDEN - Von Ga­b­rie­le Schul­te

Bad Pyr­mont. So ei­nen Kran­ken­pfle­ger wün­schen sich vie­le: Jan Brandt ist ei­ner, der mit Pa­ti­en­ten um­ge­hen kann. Der Kran­ken­pfle­ge­schü­ler aus Bad Pyr­mont hört ih­nen zu und be­rät sie gern. Kurz vor Ab­schluss sei­ner Aus­bil­dung ist der Nie­der­sach­se jetzt zum bes­ten Kran­ken­pfle­ge­schü­ler Deutsch­lands ge­kürt wor­den. Beim Bun­des­wett­be­werb glänz­te er in Theo­rie und Pra­xis – und setz­te sich in Berlin ge­gen die Kon­kur­renz aus al­len an­de­ren Bun­des­län­dern durch. „Da­mit hat­te ich über­haupt nicht ge­rech­net“, sagt der 25-Jäh­ri­ge er­freut und da­bei be­schei­den. Auch sei­ne Aus­bil­der von der Pyr­mon­ter Chris­to­pho­rus-Ge­sund­heits- und Kran­ken­pfle­ge­schu­le wur­den vom Aus­rich­ter des Wett­streits prä­miert, dem Deut­schen Ver­ein zur För­de­rung pfle­ge­ri­scher Qua­li­tät.

Kein Druck von den El­tern Manch­mal kön­nen sich ein, zwei Um­we­ge beim Be­rufs­weg loh­nen. Der in Bad Mün­der auf­ge­wach­se­ne Sie­ger hat­te die Kran­ken­pfle­ge nicht auf An­hieb für sich ent­deckt. Sei­ne El­tern sind bei­de aus­ge­bil­de­te Kran­ken­pfle­ger, der Va­ter ist spä­ter Arzt ge­wor­den. „Aber sie ha­ben mir kei­nen Druck in die Rich­tung ge­macht“, ver­si­chert Brandt. So stu­dier­te er nach dem Abitur zu­nächst So­zio­lo­gie, dann Ge­schich­te und Eng­lisch auf Lehr­amt – be­vor er, er­nüch­tert und ge­reift, sei­ne wohl ei­gent­li­che Be­ru­fung ent­deck­te. Der Stu­dent be­sann sich dar­auf, dass er schon mit gro­ßem In­ter­es­se eh­ren­amt­lich als Ret­tungs­sa­ni­tä­ter ge­ar­bei­tet hat­te. Er be­warb sich um ei­nen Aus­bil­dungs­platz an der Chris­to­pho­rus-Pfle­ge­schu­le, die vom Aga­p­le­si­on-Kli­nik­kon­zern und der evan­ge­li­schen Be­thes­da-Stif­tung ge­tra­gen wird. „Ich ha­be das Rich­ti­ge ge­fun­den“, sagt Brandt.

Beim Wett­be­werb galt es, Pfle­ge­plä­ne zu schrei­ben, ein Be­ra­tungs­ge­spräch zu füh­ren und neue wis­sen­schaft­li­che Er­kennt­nis­se ein­zu­be­zie­hen. Die Teil­neh­mer muss­ten zu­dem bei ei­nem ver­meint­li­chen Pa­ti­en­ten, in Wirk­lich­keit ein Schau­spie­ler, ver­steck­te Pro­ble­me er­ken­nen: ei­ne wund­ge­rie­be­ne Fer­se, ei­nen falsch an­ge­leg­ten Kom­pres­si­ons­ver­band, ei­nen ver­rutsch­ten Bla­sen­ka­the­ter. „Al­les muss­te sehr schnell ge­hen“, er­zählt Brandt. Dann sei es un­ter an­de­rem dar­um ge­gan­gen, Tipps ge­gen Ver­stop­fung nach ei­ner Be­hand­lung mit Opia­ten zu ge­ben. „Da ha­be ich ei­nen Feh­ler ge­macht und au­ßer viel Ge­mü­se auch Ba­na­nen emp­foh­len“, er­in­nert er sich. Sein Vor­sprung reich­te aber, um die am En­de Zweit­plat­zier­te aus Sach­sen-An­halt deut­lich auf Ab­stand zu hal­ten.

Ver­trau­en der Pa­ti­en­ten Schul­lei­te­rin Hei­ke Spors sieht den Er­folg des Klas­sen­bes­ten als Be­stä­ti­gung gu­ter Lern­be­din­gun­gen in Bad Pyr­mont. Die Räu­me sei­en mit mo­derns­ter Tech­nik und für pra­xis­taug­li­che Übun­gen aus­ge­stat­tet: „Al­le Schü­ler ha­ben Zu­gang zu ei­ner On­li­ne-Bi­b­lio­thek.“Um sich bes­ter Kran­ken­pfle­ge­schü­ler Deutsch­lands nen­nen zu kön­nen, muss aber noch et­was hin­zu­kom­men. Freun­din und Mit­schü­le­rin Yo­la Carl sagt: „Jan kann sich sehr gut in die Leu­te rein­ver­set­zen und ih­nen er­klä­ren, was los ist. Die Pa­ti­en­ten ver­trau­en ihm.“

Im Ok­to­ber will das Paar den Preis ein­lö­sen: ei­ne New-York-Rei­se. Bei­de ha­ben an der Pyr­mon­ter Kli­nik schon ei­ne Stel­le si­cher. Brandt wird wie er­hofft von Au­gust an auf der Über­wa­chungs­sta­ti­on ar­bei­ten, wo auch Schlag­an­fall­pa­ti­en­ten lie­gen. Dort müs­se sich ei­ne Pfle­ge­kraft nur um vier und nicht wie sonst üb­lich – und po­li­tisch ge­wollt – um bis zu 22 Kran­ke küm­mern, sagt er. „So bleibt mehr Zeit für die per­sön­li­che Be­treu­ung.“

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