Par­ty, Mit­tel­fin­ger, Kan­ter­sieg

Die 21. WM-End­run­de ist er­öff­net: Für den ers­ten Skan­dal sorgt Pop­star Rob­bie Wil­li­ams, für das Ver­gnü­gen der Fans die rus­si­sche Mann­schaft, die Sau­di-Ara­bi­en mit 5:0 de­klas­siert

Hannoversche Allgemeine - - NIEDERSACHSEN & DER NORDEN - Von Patrick Stras­ser

Mos­kau. Da­wai! Die WM ist er­öff­net. Tur­nier Num­mer 21 – erst­mals auf zwei ver­schie­de­nen Kon­ti­nen­ten und in vier ver­schie­de­nen Zeit­zo­nen – und doch in ei­nem Land.

Russ­land 2018. Läuft. Auch für den Gast­ge­ber.

Im Er­öff­nungs­spiel vor 81 000 Zu­schau­ern fegt die Elf von Trai­ner Sta­nislaw Tschertsches­sow Sau­diA­ra­bi­en, das vor we­ni­gen Ta­gen in ei­nem Test bei­na­he ein Un­ent­schie­den ge­gen Welt­meis­ter Deutsch­land ge­schafft hat­te, mit 5:0 aus dem Mos­kau­er Lu­sch­ni­ki-Sta­di­on. „Wich­tig ist das ers­te Spiel – und die Be­geis­te­rung ist jetzt da“, sag­te Russ­land-Trai­ner Sta­nislaw Tschertsches­sow nach dem Spiel.

Die kur­ze und kna­cki­ge Er­öff­nungs­fei­er, ge­ra­de ein­mal knapp 20 Mi­nu­ten lang, brach­te so­fort ei­nen Auf­re­ger – ma­de by Rob­bie Wil­li­ams. Der bri­ti­sche Pop­star, die At­trak­ti­on des WM-Ope­nings, ließ sich zu ei­ner Ges­te hin­rei­ßen. Er streck­te sei­nen aus­ge­streck­ten Mit­tel­fin­ger in die TV-Ka­me­ras. Aus­lö­ser könn­te Kri­tik aus sei­ner Hei­mat sein. Der Par­la­ments­ab­ge­ord­ne­te John Wood­cock hat­te Wil­li­ams kri­ti­siert, dass er Russ­lands Prä­si­dent Wla­di­mir Pu­tin ei­nen „PR-Coup“be­sche­re, „wenn er nur Mo­na­te nach dem Che­mie­waf­fen­an­schlag auf bri­ti­schem Bo­den bei der Er­öff­nungs­ze­re­mo­nie auf­tritt“. Al­les ei­ne Fra­ge der Ga­ge? Auch dies wur­de in bri­ti­schen Me­di­en dis­ku­tiert. Auch dar­auf hat­te Wil­li­ams ei­ne Ant­wort pa­rat, mit­tels ei­ner ab­ge­wan­del­ten Ver­si­on sei­nes Hits „Rock DJ“. So sang er „I did this for free“(Ich ha­be es um­sonst ge­tan). Ge­mein­sam mit der rus­si­schen So­pra­nis­tin Ai­da Ga­ri­ful­li­na sorg­te Wil­li­ams für Stim­mung, per­form­te un­ter an­de­rem sein „Let Me En­ter­tain You“. Die Song­tex­te wur­den auf den Vi­deo­lein­wän­den Ka­ra­oke­li­ke zum Mit­sin­gen prä­sen­tiert.

In der bun­ten, schnel­len Show, ei­nem Ge­wirr mit den Flag­gen al­ler 32 Teil­neh­mer­län­der, hat­te auch Ro­nal­do, Bra­si­li­ens ehe­ma­li­ger Stür­mer­star, sei­nen Auf­tritt. Er kick­te und al­ber­te mit dem Mas­kott­chen, dem Wolf Za­biv­a­ka, her­um. Die WM-Tro­phäe hat­te kein Spie­ler des Ti­tel­ver­tei­di­gers Deutsch­land ins Sta­di­on ge­bracht, son­dern Tor­wart Iker Ca­sil­las, mit Spa­ni­en 2010 Cham­pi­on.

Dann hat­te plötz­lich, als die Mann­schaf­ten schon für die Na­tio­nal­hym­nen pa­rat stan­den, Wla­di­mir Pu­tin sei­nen Auf­tritt un­ter lau­tem Ju­bel. „Die Lie­be zum Fuß­ball ver­bin­det uns al­le zu ei­ner Mann­schaft“, sag­te der Kreml­chef. Russ­land ha­be al­les ge­tan, um ei­nen Fei­er­tag für den Welt­sport aus­zu­rich­ten. „Ich wün­sche al­len Mann­schaf­ten Er­folg und den Zu­schau­ern un­ver­gess­li­che Er­leb­nis­se.“Die fast zwei­mi­nü­ti­ge Re­de wur­de von ei­ni­gen we­ni­gen Pfif­fen be­glei­tet.

Ne­ben Pu­tin und Fi­fa-Prä­si­dent Gi­an­ni In­fan­ti­no, wie der Kreml­chef um­strit­ten, den­noch im Sta­di­on mit Ap­plaus be­dacht, nah­men auf der VIP-Tri­bü­ne zahl­rei­che Staats­chefs Platz. We­st­eu­ro­päi­sche Spit­zen­po­li­ti­ker blie­ben der Er­öff­nung de­mons­tra­tiv fern. Aus Pro­test ge­gen Russ­land und des­sen Po­li­tik in Sa­chen Men­schen­rech­te.

Die At­mo­sphä­re in der Stadt war in den Ta­gen vor dem Tur­nier­be­ginn über­ra­schend gut. Das setz­te sich im Sta­di­on fort. Und auch der wohl schwächs­te WM-Teil­neh­mer Sau­diA­ra­bi­en er­wies sich nicht als Spiel­ver­der­ber. Die Gast­ge­ber be­sieg­ten den Au­ßen­sei­ter lo­cker und si­cher auch zur Zuf­rie­den­heit Pu­tins.

Der Tor­rei­gen be­gann in der zwölf­ten Mi­nu­te, als Yu­ri Ga­zins­kiy zum 1:0 ein­köpf­te. Kurz vor der Pau­se mach­te der kurz zu­vor ein­ge­wech­sel­te De­nis Che­ris­hev al­les klar, nach­dem er zwei Ge­gen­spie­ler aus­stei­gen ließ und mit ei­nem Schuss un­ter die Lat­te voll­ende­te (43.).

Das 3:0 dann wie­der ein Jo­ker­Tor. Ar­tem Dzyu­ba traf per Kopf (71.). Und als die re­gu­lä­re Spiel­zeit schon vor­bei war, dreh­ten die Rus­sen noch­mals auf. Che­ris­hev er­ziel­te mit dem lin­ken Au­ßen­rist von der lin­ken Straf­rau­me­cke das schöns­te Tor des Ta­ges (90.+1). Vier Mi­nu­ten spä­ter voll­ende­te Aleksan­dr Go­lo­vin mit sei­nem se­hens­wer­ten di­rek­ten Frei­stoß zum 5:0-End­stand.

Ein fu­rio­ser WM-Start der Rus­sen – so soll es wei­ter­ge­hen.

„Ich wün­sche al­len Mann­schaf­ten Er­folg und den Zu­schau­ern un­ver­gess­li­che Er­leb­nis­se“: Staats­chef Wla­di­mir Pu­tin in sei­ner Er­öff­nungs­re­de im Lu­sch­ni­ki-Sta­di­on und beim Hän­de­schüt­teln mit Fi­fa-Boss Gi­an­ni In­fan­ti­no (kl. Bil­der v. links). Ei­ne Tän­ze­rin re­prä­sen­tiert Deutsch­land bei der Er­öff­nungs­par­ty, bei der Rob­bie Wil­li­ams den Mit­tel­fin­ger zeigt. FO­TOS: IMAGO, DPA, ARD

Per­fek­ter Start: Die rus­si­schen Spie­ler fei­ern ei­nen ih­rer fünf Tor­er­fol­ge. FO­TO: GET­TY

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