„Die Gier hat ge­fehlt“

Der Ab­wehr­boss ist zu­rück. Vor dem WM-Auf­takt spricht Jé­rô­me Boateng über die schwa­che Vor­be­rei­tung und sei­ne per­sön­li­che Zu­kunft

Hannoversche Allgemeine - - FUßBALL−WELTMEISTERSCHAFT - Von Eric Zim­mer und Hei­ko Ostendorp

Watutinki. Sein ers­tes Län­der­spiel für Deutsch­land mach­te Jé­rô­me Boateng am 10. Ok­to­ber 2009 aus­ge­rech­net in Mos­kau. Durch den 1:0-Sieg qua­li­fi­zier­te sich das DFB-Team da­mals für die Welt­meis­ter­schaft in Süd­afri­ka – und Boateng flog als ers­ter Na­tio­nal­spie­ler in der His­to­rie bei sei­nem De­büt nach 69 Mi­nu­ten mit Gelb-Rot vom Platz. Am Sonn­tag be­strei­tet er beim WM-Auf­takt ge­gen Me­xi­ko mitt­ler­wei­le sein 72. Län­der­spiel. Auf 2009 an­ge­spro­chen, sag­te der Ab­wehr­boss dem Sport­buz­zer: „Klar er­in­ne­re ich mich, es war ein be­son­de­res Er­leb­nis. Das ers­te Spiel und gleich so ein wich­ti­ges. Es war nicht schön, dass ich vom Platz ge­flo­gen bin. Aber ich ha­be ins­ge­samt ei­ne gu­te Leis­tung ge­zeigt. Und ich glau­be nicht, dass es ir­gend­wel­che Aus­wir­kun­gen auf Sonn­tag ha­ben wird.“Au­ßer­dem sprach Boateng über …

… die Wich­tig­keit des ers­ten Spiels:

„Wir sind da­für be­kannt, dass wir gut in Tur­nie­re rein­kom­men kön­nen. Wenn wir da­bei auch noch ei­ne gu­te Leis­tung brin­gen, gibt das Selbst­ver­trau­en für das zwei­te Spiel. Wir sind gu­ter Din­ge, was den Auf­takt be­trifft.“

… sei­ne Fit­ness: „Ich füh­le mich gut, es wird von Tag zu Tag bes­ser. Klar, man braucht Rhyth­mus über Spie­le. Aber das Trai­ning ist gut, mein Kör­per fühlt sich gut an – ich bin po­si­tiv ge­stimmt. Ich ken­ne mei­nen Kör­per sehr gut. Die­je­ni­gen, mit de­nen ich über die letz­ten Jah­re zu tun hat­te, nen­nen mich schon den, der die Ana­ly­se macht. Ich ken­ne mei­nen Kör­per so gut, dass ich dem Phy­sio sa­ge: Da oder da stimmt was nicht. Das ist auf ei­ner Sei­te ein Vor­teil. Auf der an­de­ren Sei­te ist es na­tür­lich auch scha­de, dass ich schon so weit bin (lacht). Ich bin froh, dass ich jetzt die Mög­lich­keit ha­be, die WM zu spie­len, ha­be da­für aber auch viel ar­bei­ten müs­sen.“

... die Pro­ble­ma­tik, dass Ma­nu­el Neu­er und er aus ei­ner Ver­let­zungs­pau­se kom­men: „Ma­nu macht ei­nen sehr gu­ten Ein­druck. Er ist sehr fit, sehr prä­sent. Man merkt nicht, dass er so lan­ge weg war. Und bei mir? Es war ja

nicht so, dass ich ganz raus war und so viel ver­lo­ren ha­be. Wir wer­den es jetzt se­hen. Na­tür­lich wol­len wir bei­de so gut wie mög­lich der Mann­schaft hel­fen.“

... die mä­ßi­gen Test­spie­le: „Das hat nicht so viel Aus­sa­ge­kraft, wir ha­ben viel aus­pro­bie­ren wol­len – auch ver­schie­de­ne For­ma­tio­nen, die viel­leicht nicht so oft zu­sam­men­ge­spielt ha­ben. Da war das Er­geb­nis nicht das Wich­tigs­te. Wir ha­ben zu­letzt nicht un­be­dingt ge­glänzt. Das wis­sen wir. Es ist jetzt von Vor­teil, dass wir ge­gen ei­nen gu­ten Geg­ner spie­len. Die Gier hat in den Freund­schafts­spie­len ge­fehlt. Jetzt brau­chen wir sie. Da ge­hört es auch mal da­zu, dass es im Trai­ning knallt, die Sa­chen klar an­ge-

spro­chen wer­den, um dann im Spiel um je­den Zen­ti­me­ter kämp­fen zu kön­nen.“

… über die An­deu­tung von DFB-Prä­si­dent Rein­hard Gr­in­del, hin­ter der De­bat­te um Me­sut Özil und Il­kay Gün­do­gan könn­te ein ge­ne­rel­les ge­sell­schaft­li­ches Pro­blem ste­cken: „Ich mer­ke das über­haupt nicht. Die Pfif­fe sind da ge­we­sen, weil ei­ne Ent­täu­schung da war. Aber es sind wich­ti­ge Spie­ler für un­se­re Mann­schaft. Und dar­um geht es jetzt.“

… über die Stim­mung in der Mann­schaft: „Wir füh­len uns wohl, sind gut an­ge­kom­men und ha­ben schon gut trai­niert. Wir freu­en uns, dass es jetzt end­lich los­geht.“

… über die Aus­sa­gen von Bay­ernBoss Karl-Heinz Rum­me­nig­ge, bei ei­nem ent­spre­chen­den An­ge­bot kön­ne man über ei­nen Ver­eins­wech­sel re­den: „Wir sind jetzt bei der Na­tio­nal­mann­schaft, und ei­ne WM steht an. Das an­de­re ist über­haupt kein The­ma für mich. Ich weiß nicht, wo­zu die Aus­sa­gen ge­tä­tigt wur­den. Ich kon­zen­trie­re mich auf die WM, möch­te so oder so ei­ne gu­te WM spie­len. Mei­ne Si­tua­ti­on ist wie im­mer. Nicht mehr, nicht we­ni­ger.“

… über die Ent­wick­lung von Joa­chim Löw: „Über die Jah­re hat er die Mann­schaft ent­wi­ckelt, er schenkt uns viel Ver­trau­en. Bis­her ha­ben wir ihm das, glau­be ich, ganz gut zu­rück­ge­ge­ben und wol­len das na­tür­lich wei­ter­hin tun.“

FO­TOS: IMAGO (2), DPA

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