Die ers­te Star­pa­ra­de

Kann Sa­lah für Ägyp­ten spie­len? Was zeigt Sua­rez? Und wie ste­hen sich Ro­nal­do und Ra­mos ge­gen­über? Die ers­ten Top­spie­ler star­ten heu­te in die WM

Hannoversche Allgemeine - - FUßBALL−WELTMEISTERSCHAFT - Von Ste­fan Döring

Sotschi. Bei Re­al Ma­drid ge­wan­nen sie vor we­ni­gen Wo­chen noch zu­sam­men die Cham­pi­ons Le­ague, heu­te ste­hen sich die bei­den Su­per­stars Cris­tia­no Ro­nal­do (Por­tu­gal) und Ser­gio Ra­mos (Spa­ni­en) beim ers­ten ech­ten WM-Kra­cher ge­gen­über. Ägyp­ten hofft wei­ter auf den Ein­satz von Top­stür­mer Mo­ha­med Sa­lah, der sich beim Ra­mos-Foul im Cham­pi­ons-Le­ague-Fi­na­le an der Schul­ter ver­letzt hat, und ganz Uru­gu­ay schaut auf Lu­is Sua­rez, der dem Traum vom Ti­tel Le­ben ein­hau­chen soll. Am zwei­ten Tag des Tur­niers in Russ­land grei­fen die ganz gro­ßen Stars ein. Ein Über­blick:

Cris­tia­no Ro­nal­do: Es ist gut zwei Jah­re her, da hat­te der Me­gastar sei­nen viel­leicht größ­ten Auf­tritt. Beim EM-Fi­na­le ge­gen Frank­reich muss­te er zwar nach nur 25 Mi­nu­ten ver­letzt vom Feld und wein­te bit­ter­lich. Der viel­leicht bes­te Fuß­bal­ler sei­ner Zeit konn­te nicht mehr hel­fen, als sei­ne Mann­schaft um den Ti­tel spiel­te. Von we­gen! Nach sei­ner Aus­wechs­lung agier­te er an der Sei­ten­li­nie wie ein zwei­ter Trai­ner ne­ben Fer­nan­do San­tos, trieb sei­ne Mann­schafts­kol­le­gen nach vorn – mit Er­folg. Ro­nal­do war am Ziel sei­ner Träu­me: Eu­ro­pa­meis­ter!

Nun träumt er wie­der: vom Welt­meis­ter­ti­tel. „Wir wer­den das­sel­be tun wie 2016: bis zum En­de kämp­fen und se­hen, was pas­siert“, sagt der 33-Jäh­ri­ge vor dem WM-Start sei­ner Por­tu­gie­sen heu­te ge­gen Spa­ni­en (20 Uhr, ARD).

Por­tu­gal ist ab­hän­gig vom Re­al­Madrid-Star. Das weiß auch der por­tu­gie­si­sche Trai­ner Jo­sé Mour­in­ho: „Oh­ne Cris­tia­no wä­re ein WM-Sieg un­mög­lich, aber mit ihm ist nichts un­mög­lich.“

Ro­nal­do hat ei­nen gro­ßen An­teil an der WM-Qua­li­fi­ka­ti­on, und er will bei sei­nem letz­ten WM-Tur­nier noch ein­mal rich­tig auf­trump­fen. Ein Sieg ge­gen Spa­ni­en wä­re nach sei­nen Maß­stä­ben nur der An­fang.

Ser­gio Ra­mos: Es ist be­reits die vier­te WM für den In­nen­ver­tei­di­ger von Re­al Ma­drid. „Es ist ei­ne enor­me Vor­freu­de“, sagt er. 2010 durf­te er be­reits den Po­kal in die Hö­he re­cken, war da­mals schon ei­ne gro­ße Stüt­ze des Teams. An die­ser Stel­lung hat sich we­nig ge­än­dert, er ist der kla­re An­füh­rer. „Ich bin der Ka­pi­tän der Mann­schaft und ha­be ei­ne Rol­le“, sagt er vor dem Spiel ge­gen Por­tu­gal. Das mach­te er auch in den so­zia­len Me­di­en noch ein­mal deut­lich: „Wir sind die ‚Selección‘, wir re­prä­sen­tie­ren das spa­ni­sche Wap­pen, die Far­ben, die Fans, das Land. Ver­eint wie noch nie. So stark wie im­mer. Ges­tern, heu­te und mor­gen, ge­mein­sam. Va­mos España.“

Bei der WM steht Ra­mos be­son­ders im Fo­kus, hat­te er sich im Cham­pi­ons-Le­ague-Fi­na­le ge­gen den FC Li­ver­pool nicht ge­ra­de mit Ruhm be­kle­ckert und fiel ein wei­te­res Mal als Row­dy auf. Sa­lah ver­letz­te er mit ei­ner Wrest­ling-Ein­la­ge an der Schul­ter, und Tor­hü­ter Lo­ris Ka­ri­us füg­te er mit sei­nem Ell­bo­gen ei­ne Ge­hirn­er­schüt­te­rung zu.

„Wenn Ra­mos be­tei­ligt ist, ist al­les et­was kom­pli­zier­ter“, sag­te er da­mals. Ein­sicht klingt an­ders – auf der an­de­ren Sei­te kann man ihm ab­so­lu­ten Wil­len und Lei­den­schaft an­rech­nen. Ge­nau das, was Spa­ni­en bei die­ser WM nach dem Trai­nerHick­hack braucht.

Mo­ha­med Sa­lah: Der Schock in Ägyp­ten saß tief, als der Stür­mer des FC Li­ver­pool im Cham­pi­ons­Le­ague-Fi­na­le auf dem Bo­den sit­zen blieb und sich an die Schul­ter fass­te. Stun­den­lang zit­ter­te die gan­ze Na­ti­on um ih­ren Top­stür­mer, bis es Ent­war­nung gab: Im Zwei­kampf mit Ra­mos zog er sich ei­ne Bän­der­ver­let­zung in der Schul­ter zu, kei­nen Bruch. Ägyp­ten at­me­te auf, weil „Kö­nig Mo“doch da­bei sein kann. Bei den Präsidentschaftswahlen be­kam er laut ei­nem Be­richt in die­sem Jahr über ei­ne Mil­li­on Stim­men – weil die Men­schen ein­fach sei­nen Na­men auf den Wahl­bo­gen schrie­ben. Das zeigt den Stel­len­wert des Stür­mers.

„Mo­ha­med Sa­lah kann in je­der Mann­schaft den Un­ter­schied aus­ma­chen“, sagt sein Na­tio­nal­trai­ner Héc­tor Cúper, und er macht al­len Mut vor dem ers­ten WM-Spiel heu­te ge­gen Uru­gu­ay (14 Uhr, ARD). „Wenn nichts Un­vor­her­ge­se­he­nes pas­siert, wird er spie­len. Ich bin zu­ver­sicht­lich, dass er mor­gen auf dem Feld ste­hen wird.“

Die Hoff­nun­gen Ägyp­tens ru­hen auf dem Volks­hel­den – nicht nur heu­te.

Lu­is Sua­rez: Wer den Stür­mer des FC Bar­ce­lo­na vor der WM 2014 noch nicht kann­te, tat es spä­tes­tens nach dem 1:0-Sieg Uru­gu­ays ge­gen Ita­li­en. Da­mals biss er Gior­gio Chiel­li­ni in die Schul­ter, die Fi­fa sperr­te ihn dar­auf­hin für vier Mo­na­te. Die­ses Mal will er al­les an­ders ma­chen – und zum Er­folg der Süd­ame­ri­ka­ner bei­tra­gen. „Ich ha­be mir vor­ge­nom­men, den St­a­chel der letz­ten WM zu zie­hen“, sagt er. An­fan­gen kann er da­mit schon heu­te im Spiel ge­gen Ägyp­ten.

Kla­res Ziel: Es soll mehr raus­sprin­gen bei die­sem Tur­nier als ein Ach­tel­fi­nalAus wie vor vier Jah­ren ge­gen Ko­lum­bi­en. „Träu­men tut man im­mer groß“, sagt er. Um den Traum zu le­ben, muss er al­ler­dings schon heu­te über­zeu­gen. Denn Ägyp­ten dürf­te der schwers­te Geg­ner in der Grup­pe A sein.

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