„Der Neu­ner kehrt zu­rück“

Tho­mas Schaaf über Trends der WM

Hannoversche Allgemeine - - FUßBALL−WELTMEISTERSCHAFT - Von Andre­as Köt­ter

Bre­men. Am 1. Ju­li kehrt Tho­mas Schaaf als tech­ni­scher Di­rek­tor zum Fuß­ball-Bun­des­li­gis­ten Wer­der Bre­men zu­rück. Bis da­hin bleibt ein biss­chen Zeit zum WM-Gu­cken. Und Schaaf kennt sich aus. Nicht nur, weil er Spie­ler wie Me­sut Özil von 2008 bis 2010 als Wer­derCoach selbst trai­niert hat. Dass die­ser ge­ra­de mit den Er­do­gan-Fo­tos für Schlag­zei­len sorgt, be­dau­er­te der 57-Jäh­ri­ge. Er ken­ne Özil, die­ser wer­de die­se Kri­tik von au­ßen nicht so schnell ab­schüt­teln, sag­te Schaaf dem On­lin­e­por­tal Deich­stu­be. „Das war un­glück­lich. Und wer sich in so ei­ne Si­tua­ti­on be­gibt, der muss mit die­sen hef­ti­gen Re­ak­tio­nen ei­gent­lich auch rech­nen. Und wenn nicht, dann muss er an­schlie­ßend zu­min­dest den Feh­ler ein­ge­ste­hen“, sag­te der Trai­ner, der zu­letzt auch in Han­no­ver an der Sei­ten­li­nie stand.

Und was ist von der WM in Russ­land zu er­war­ten? Wir ha­ben nach­ge­fragt.

Tho­mas Schaaf Tho­mas Schaaf, er­war­ten Sie sich von der WM Neu­es in fuß­bal­le­ri­scher Hin­sicht?

Durch mei­ne Ar­beit als Be­ob­ach­ter für die Ue­fa bei der Eu­ro­pa­meis­ter­schaft 2016 weiß ich, dass wir ex­trem weit ge­kom­men sind. Noch et­was Neu­es zu kre­ieren ist des­halb sehr schwie­rig. Eher glau­be ich, dass das ei­ne oder an­de­re zu­rück­kom­men wird, das viel­leicht schon ver­ges­sen schien. So wie seit 2016 der Mit­tel­stür­mer, den man in Wert­schät­zung und Aus­bil­dung ein paar Jah­re lang ver­nach­läs­sigt hat. Spie­ler wie Ma­rio Go­mez, San­dro Wa­gner oder Da­vie Sel­ke sind wie­der in den Fo­kus ge­rückt. Oder neh­men Sie das The­ma Flan­ken: Wo zu­vor, ge­prägt durch Teams wie Re­al Ma­drid, FC Bar­ce­lo­na oder Bay­ern München, das Kurz­pass- und Ball­be­sitz­spiel do­mi­niert hat, sind Flan­ken heu­te wie­der ein pro­ba­tes Mit­tel. Ich je­den­falls freue mich auf hof­fent­lich at­trak­ti­ven Fuß­ball.

Wie be­ur­tei­len Sie die WM-Ver­ga­be an Russ­land?

Der Fuß­ball hat die Kraft, Völ­ker und Kul­tu­ren mit­ein­an­der zu ver­bin­den. Dass die Dis­kus­sio­nen um die Ver­ga­be an Russ­land oder auch das The­ma Do­ping da­bei aber nicht ge­ra­de för­der­lich sind, ist auch klar. Und man muss im­mer wie­der aufs Neue schau­en, wie weit man ge­hen darf.

Wo zie­hen Sie die Gren­ze?

Dort, wo die Frei­heit be­schnit­ten wird und der Ein­zel­ne nicht so le­ben kann, wie er gern möch­te. Dass Russ­land in die­ser Hin­sicht zu­min­dest nicht un­pro­ble­ma­tisch ist, lässt sich kaum be­strei­ten.

Viel dis­ku­tiert wer­den zu­letzt auch die Plä­ne von Fi­fa-Prä­si­dent Gi­an­ni In­fan­ti­no für ei­ne WM mit 48 Län­dern, die erst­mals 2026 statt­fin­den wird. Aber auch ei­ne Glo­bal Na­ti­ons Le­ague oder ei­ne re­for­mier­te Klub-WM sind im­mer wie­der The­ma. Ver­kauft In­fan­ti­no die See­le des Fuß­balls?

Es stellt sich die Fra­ge, in­wie­weit es in ers­ter Li­nie noch um den Fuß­ball geht oder doch vor al­lem ums Bu­si­ness. So ha­be ich mich beim Cham­pi­ons-Le­ague-Fi­na­le in Kiew an­ge­sichts der Ins­ze­nie­rung vor dem Spiel ge­fragt: „Will ich das se­hen, brau­che ich so et­was wirk­lich?“Mei­ne Sor­ge um den Fuß­ball in sei­ner ur­sprüng­li­chen Form ha­be ich be­reits vor Jah­ren zum Aus­druck ge­bracht. Und in die­sem Punkt blei­be ich kon­ser­va­tiv, denn ich lie­be die­sen Sport und möch­te auch in Zu­kunft sei­ne Fas­zi­na­ti­on er­le­ben dür­fen.

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