Ein ganz net­ter Schlä­ger-Typ

Ho­ckey-Re­gio­nal­li­gist Han­no­ver 78 setzt auf Pa­kis­ta­ner Ul­lah

Hannoversche Allgemeine - - SPORT - Von Ste­fan Din­se

Han­no­ver. Am liebs­ten mag Sa­mi Ul­lah den Blick von der Rat­haus­kup­pel. Da oben ist der pa­kis­ta­ni­sche Ho­ckey-Na­tio­nal­spie­ler schon zwei­mal ge­we­sen. Von dort kann er gut se­hen, dass es auf den Stra­ßen Han­no­ver deut­lich we­ni­ger voll ist als in sei­ner Hei­mat­stadt Pe­scha­war. Das ge­fällt dem Neu­zu­gang von Han­no­ver 78 rich­tig gut. Auf dem Feld hat der 23-Jäh­ri­ge oh­ne­hin meist freie Bahn, er ist un­ge­mein schnell und tech­nisch sehr ver­siert. Dem Re­gio­nal­li­gis­ten hat er un­längst ge­hol­fen, den Klas­sen­er­halt ein­zu­tü­ten. Schlägt 78 mit Ul­lah am Sonn­tag (16 Uhr) da­heim den zweit­plat­zier­ten Rahlsted­ter HTC, könn­te Spit­zen­rei­ter DHC (Sonn­abend um 17 Uhr ge­gen TTK Sach­sen­wald) schon den Auf­stieg fei­ern. Das ist aber noch nicht das En­de von Ul­lahs Mis­si­on.

„Wir woll­ten ein Zei­chen set­zen, dass hier et­was pas­siert. Ei­nen pa­kis­ta­ni­schen Na­tio­nal­spie­ler gab es in der Ver­eins­ge­schich­te noch nicht. Al­le sind be­geis­tert“, sagt 78-Trai­ner Se­bas­ti­an Bruns, „Sa­mi ist ein Mann, an dem sich un­se­re jun­gen Leu­te im Team ori­en­tie­ren kön­nen.“Das gilt so­gar für die ganz klei­nen 78-Ta­len­te, die Ul­lah mit­trai­niert und sich so et­was Geld ver­dient. Die Kin­der ma­chen gern Sel­fies mit dem Mit­tel­feld­ak­teur und las­sen sich des­sen Spe­zia­li­tät im­mer wie­der zei­gen: das Aus­füh­ren kur­zer Ecken. „Al­le sind to­tal freund­lich zu mir, ich füh­le mich wohl“, sagt der Mann mit 25 Ein­sät­zen für Pa­kis­tan. Ho­ckey ist dort der wich­tigs­te Sport, ge­folgt von Cri­cket und Squash. Fuß­ball in­ter­es­siert nicht be­son­ders.

Ak­tu­ell ist Ul­lah Num­mer 20 der Aus­wahl und könn­te noch in das Auf­ge­bot für die Cham­pi­ons Tro­phy im Ju­li in Bre­da nach­rü­cken – soll­ten zwei Mann ver­letzt aus­fal­len. Das wünscht der be­schei­de­ne Ul­lah frei­lich kei­nem. Im­mer­hin hat er sich 2012 selbst schwer ver­letzt, als ihm ein geg­ne­ri­scher Tor­wart auf und über den Arm rutsch­te und ihn nebst El­len­bo­gen brach. „Ich konn­te zwei Jah­re kein Ho­ckey spie­len, das war hart“, sagt der drah­ti­ge Ath­let (1,78 Me­ter, 80 Ki­lo­gramm), der an sechs Ta­gen der Wo­che zwei­mal trai­niert. „Seit neun Jah­ren spielt Sa­mi erst, zwei da­von war er au­ßer Ge­fecht. Das zeigt sein au­ßer­ge­wöhn­li­ches Ta­lent“, lobt ihn Bruns, „er ist un­heim­lich schwer zu ver­tei­di­gen und hat den Ball im­mer ganz dicht am Schlä­ger.“

Ver­eins­sport wie in Deutsch­land kennt Ul­lah aus sei­ner Hei­mat nicht, da­her gab es bei dem Wech­sel kei­ne Pro­ble­me: „Ich woll­te gern in Eu­ro­pa spie­len und et­was mehr se­hen vom Land.“Oh­ne den Sport hät­te das schwer­lich ge­klappt. „Un­se­re Fa­mi­lie ist recht arm“, sagt er. Zu acht wohnt sie in der Stadt mit 1,9 Mil­lio­nen Ein­woh­nern in ei­ner Zwei-Zim­mer-Woh­nung. Sa­mi hat sechs Ge­schwis­ter, bei­de Brü­der spie­len sehr gut Squash, ei­ner gilt gar als größ­tes Ta­lent des Lan­des. „Mein Groß­va­ter Ab­dur Rauf hat hart da­für ge­ar­bei­tet, dass al­le in der Fa­mi­lie Sport trei­ben kön­nen. Das kos­tet ja schließ­lich Geld“, be­rich­tet Ul­lah. In Han­no­ver ist er pri­vat un­ter­ge­bracht, er wohnt bei 78Spie­lern. „Der fa­mi­liä­re An­schluss ist wich­tig für Sa­mi. Und für uns ist es ei­ne Win-win-Si­tua­ti­on, er ist über­all gern ge­se­hen, be­rei­chert die ge­sam­te Spar­te“, so Bruns.

Bis En­de Ju­ni wird Ul­lah noch blei­ben und wohl schon im Au­gust wie­der­keh­ren. Hal­len­ho­ckey wird in Pa­kis­tan nicht ge­spielt, im Win­ter wird er da­heim für sein gro­ßes Ziel trai­nie­ren: Olym­pia 2020 in To­kio. Han­no­ver 78 hat ver­gleichs­wei­se Be­schei­de­nes vor. „Wir wol­len an al­te Stär­ke und Er­fol­ge an­knüp­fen“, un­ter­streicht Bruns. In zwei Jah­ren wie­der in der zwei­ten Bun­des­li­ga zu spie­len, auf dem Feld wie in der Hal­le, das schwebt dem Coach vor. Nie­der­sach­sen sei ein „Aus­bil­dungs­bun­des­land“, gu­te Leu­te zie­he es oft nach Ham­burg. „Sa­mi hilft uns, den Stand­ort Han­no­ver at­trak­ti­ver zu ma­chen. Wir müs­sen uns hier neu fin­den.“

FO­TO: PETROW

Ball­ge­wandt: Sa­mi Ul­lah schlägt sich für 78 in der Re­gio­nal­li­ga bes­tens. Der Pa­kis­ta­ni ist Na­tio­nal­spie­ler.

Er­folg­reich für Pa­kis­tan: Sa­mi Ul­lah von Han­no­ver 78 hofft auf ei­nen Ein­satz bei Olym­pia. FO­TO: PRI­VAT

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