Das deut­sche Rug­by schmort nun im ei­ge­nen Saft

Ca­pri-Son­ne-Mil­li­ar­där Wild zieht sich zu­rück / WM-Chan­ce ge­sun­ken / Ex-Lin­de­ner Schrö­der ver­liert sei­nen Job

Hannoversche Allgemeine - - SPORT - Von Ste­fan Din­se

Han­no­ver. Für das wich­ti­ge Län­der­spiel ge­gen Por­tu­gal hat­ten sie sich ei­gent­lich noch zu­sam­men­ge­rauft. Der deut­sche Rug­by-Ver­band und Mä­zen Hans-Pe­ter Wild leg­ten ih­ren Streit bei, die Pro­fis des Ca­pri-Son­neMil­li­ar­därs dür­fen wie­der für das Na- tio­nal­team auf­lau­fen. Ge­winnt Deutsch­land mor­gen in Hei­del­berg, könn­te es klap­pen mit der al­ler­ers­ten WM-Teil­nah­me. Doch wie geht es dann wei­ter? Wild kün­dig­te an, sich kom­plett aus dem deut­schen Rug­by zu­rück­zu­zie­hen, die Zu­kunft der Rand­sport­art ist mehr denn je un­ge­wiss. Worum geht es? Was ist der Grund für den Rück­zug Wilds? Meis­ter Hei­del­ber­ger RK (HRK), für den die Pro­fis spie­len, darf trotz sport­li­cher Qua­li­fi­ka­ti­on nicht in den zweit­wich­tigs­ten eu­ro­päi­schen Wett­be­werb (Chal­len­ge Cup) auf­stei­gen. Denn da spielt be­reits Sta­de Français, die­sen Ver­ein hat Wild (76) im ver­gan­ge­nen Jahr ge­kauft. Es be­ste­he da­mit ein In­ter­es­sens­kon­flikt, wur­de be­haup­tet. Dar­über war Wild ver­är­gert. Die Ent­schei­dung der eu­ro­päi­schen Pro­fi-Ver­ei­ni­gung ge­gen den HRK sei nur der „letz­te Trop­fen ge­we­sen, der das Fass zum Über­lau­fen ge­bracht hat“, sag­te er der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“. Wie lan­ge hat der Streit schon ge­schwelt? DRV und Wild konn­ten sich nicht über die Ver­mark­tungs­rech­te des 15er-Na­tio­nal­teams ei­ni­gen und be­en­de­ten 2017 die Zu­sam­men­ar­beit. In der EM-Rück­run­de lie­fen die Pro­fis nicht mehr auf, Deutsch­land ver­lor prompt al­le Par­ti­en hoch. Für Rug­by­F­reund Wild wird der deut­sche Ver­band zu ama­teur­haft ge­führt, dar­aus hat er nie ein Ge­heim­nis ge­macht. Wel­che Schrit­te hat Wild ein­ge­lei­tet? Al­len Spie­lern der Ge­sell­schaft zur För­de­rung des Rug­by­sports wird ge­kün­digt, die Wild Rug­by Aca­de­my auf­ge­löst. Auch das ge­plan­te Leis­tungs­zen­trum ist hin­fäl­lig. Sind auch Spie­ler aus Han­no­ver be­trof­fen, die Pro­fis in Hei­del­berg sind? Der Ex-Lin­de­ner Jörn Schrö­der (25) muss sich künf­tig ei­nen neu­en Job su­chen. „Wir ha­ben hier viel auf­ge­baut, das bricht wohl al­les zu­sam­men“, sagt der 16fa­che Na­tio­nal­stür­mer und ge­lern­te Gas- und Was­ser­in­stal­la­teur. Er will aber in Hei­del­berg blei­ben und hat An­ge­bo­te von an­de­ren Clubs. Kraft­pa­ke­te für die ers­te Sturm­rei­he sind hier­zu­lan­de rar. Schrö­der wiegt 120 Ki­lo­gramm und ist 1,89 Me­ter groß. Kann sich der Deut­sche Rug­by­ver­band nicht selbst Pro­fis leis­ten? Nein, denn der Ver­band hat kaum Geld. Vom Bund wird nur die olym­pi­sche Sie­be­ner-Va­ri­an­te ge­för­dert. Der Welt­ver­band hilft zwar einst­wei­len mit ei­nem Trai­ner­stab, dass er künf­tig mehr Geld gibt, gilt je­doch als un­wahr­schein­lich. Wild hat nach ei­ge­nen An­ga­ben in zehn Jah­ren mehr als 20Mil­lio­nen Eu­ro in­ves­tiert. Hat Deutsch­land trotz­dem ei­ne Chan­ce auf­dieWM2019in­Ja­pan? Ja, aber die ist rea­lis­tisch be­trach­tet klein. Nach Por­tu­gal war­tet das fa­vo­ri­sier­te Sa­moa, dann wür­de im Fall ei­ner Nie­der­la­ge ein Qua­li­fi­ka­ti­ons­tur­nier im No­vem­ber fol­gen. Wel­cher Ka­der bis da­hin noch zur Ver­fü­gung steht, ist un­klar. Ers­te Spie­ler mit aus­län­di­schen Wur­zeln ha­ben Deutsch­land be­reits ver­las­sen. Gibt es et­was Po­si­ti­ves am Wild-Rück­zug? Die Bun­des­li­ga wird wie­der span­nend, Meis­ter HRK schlag­bar. Oh­ne Pro­fis wä­re Deutsch­land aber bes­ten­falls dritt­klas­sig. „Wir müs­sen auf­pas­sen, dass der Leis­tungs­sport in Deutsch­land nicht ka­putt­geht“, sagt Schrö­der, „es sieht bö­se da­nach aus.“

Deutsch­land aus­ge­bremst: Beim EM-Sieg ge­gen Ru­mä­ni­en wur­de Tim Men­zel ge­hal­ten. Oh­ne die Pro­fis ver­lo­ren die Deut­schen al­le Spie­le. FO­TO:IMAGO

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