Der Tor­jä­ger ist balla­bal­la

Hannoversche Allgemeine - - ZISH -

Jetzt al­so hat die Fuß­ball-Welt­meis­ter­schaft be­gon­nen. Auch Sport­muf­fel mer­ken das spä­tes­tens, wenn sie ei­nen Blick in die ak­tu­el­len Wer­be­pro­spek­te von Dis­coun­tern und Su­per­märk­ten wer­fen. Die qu­el­len über von Pro­duk­ten, die es sonst nicht gibt. Und die auf ab­ge­schmack­te Wei­se Fuß­ball und Fres­sen in ei­nen Topf schmei­ßen. Man möch­te mei­nen, die nächs­ten Wo­chen sind es nur elf Deut­sche, die ackern. In rus­si­schen Sta­di­en. Die üb­ri­gen Mil­lio­nen, die für den Fuß­ball bren­nen, ho­cken in der Vor­stel­lungs­welt der Mar­ke­ting­stra­te­gen vor der Glot­ze und nu­deln sich die Plau­ze voll.

Wer’s herz­haft mag, soll zu Flan­ken­brot, Eck­fah­nen-Gou­da und Frei­stoß-Fi­let grei­fen. Oder zum Tor­jä­ger, der klei­nen Tor­wand zum Kn­ab­bern in der Ge­schmacks­rich­tung Em­men­ta­ler Style. Ist das balla­bal­la? Zum Na­schen gibt’s Soc­cer-Pop­corn und Frucht­gum­mis na­mens Zu­cker-Pass, zum Nach­spü­len Foot­ball Beer oder „Ma­xi­mal Ger­ma­ny An­triebs­stoff“. Das ist ein Ener­gy-Drink.

Ganz aus­ge­schla­fe­ne Wer­be­fuz­zis brin­gen ger­ne die Zahl 11 ins Spiel. Al­so soll der Kun­de den WM-Mann­schafts­bus mit elf Do­sen Bier kau­fen. Die Elf-Freun­de-Rost­brat­würst­chen. Oder die Mann­schafts­pa­ckung mit elf Bur­gern. Doch wer soll all das ver­ka­se­ma­tu­ckeln?

Noch au­gen­fäl­li­ger sind die Ver­wei­se auf un­se­re Na­tio­nal­far­ben. In Schwarz-Rot-Gold kom­men Hel­den­küs­se (Schaum­küs­se), FanKur­ven (Wein­gum­mis), bun­te Spie­ler (dra­gier­te Erd­nüs­se) oder die Cham­pi­ons-Pas­ta (Teig­wa­re) da­her. Aber will ich tat­säch­lich in Fan-Bäll­chen bei­ßen? Schwarz, rot und gelb durch­ge­färb­te Frisch­kä­se­ku­geln?

Mei­ne ganz per­sön­li­che Al­ter­na­ti­ve zu all dem ka­lo­ri­en­rei­chen Fett- und Zuckerzeugs: Obst und Ge­mü­se. Muss man nur ge­schickt ver­mark­ten. Ich den­ke da an Ba­na­nen­flan­ken­ba­na­nen. Die Dop­pel­pas­si­ons­frucht. Cock­tail-To(r)ma­ten. Oder Wein-Trau­ben – be­son­ders pas­send, wenn der Kick zum Heu­len ist. In ge­sel­li­ger Run­de mit Ge­sun­dem darf man dann – mit Blick auf die Obst­scha­le – auch ganz un­ver­krampft Lothar Em­me­rich zi­tie­ren, den Ruhr­pott-Knip­ser aus den Sech­zi­gern: „Gib mich die Kir­sche.“

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