Mut­pro­be stoppt S-Bahn

Jun­ge Män­ner sprin­gen im letz­ten Mo­ment von Gleis – und fil­men sich da­bei

Hannoversche Allgemeine - - ZISH - Von Peer Hel­ler­ling

Ge­fähr­li­che Mut­pro­be: Drei jun­ge Män­ner ha­ben sich am Mitt­woch­abend kurz hin­ter dem Bahn­halt Bor­num ge­gen­sei­tig da­bei ge­filmt, wie sie bei her­an­na­hen­den Zü­gen im letz­ten Mo­ment von den Glei­sen sprin­gen. Da­bei zwan­gen die zwei 18-Jäh­ri­gen und der 20-Jäh­ri­ge ge­gen 20.20 Uhr ei­ne S-Bahn zur Voll­brem­sung bei Tem­po 100 – die­se war ge­ra­de auf dem Weg von Han­no­ver nach Ha­meln. „Der Lok­füh­rer hat­te noch ein Warn­si­gnal ab­ge­ge­ben, doch das hat die drei noch mehr amü­siert“, sag­te Martin Ackert, Spre­cher der Bun­des­po­li­zei­in­spek­ti­on Han­no­ver. Als die Bahn nur noch we­ni­ge Me­ter von den Män­nern ent­fernt war, spran­gen sie „in letz­ter Se­kun­de“von den Schie­nen. „Zwei stan­den auf den Glei- sen, der Drit­te film­te sie da­bei“, so Ackert wei­ter.

Der S-Bahn-Füh­rer ver­stän­dig­te um­ge­hend die Bun­des­po­li­zei, ein Strei­fen­wa­gen ras­te nach Bor­num. „Zu­nächst konn­ten die Be­am­ten die drei Män­ner nicht aus­fin­dig ma­chen“, sagt Ackert. Al­ler­dings hat­te ein Zeu­ge die 18- und 20-Jäh­ri­gen be­ob­ach­tet und konn­te ei­ne ge­naue Be­schrei­bung ge­ben – we­nig spä­ter wur­den sie in der Nä­he der Bahn­glei­se ge­stellt. „Sie ga­ben so­fort zu, auf den Glei­sen ge­we­sen zu sein, um Fo­tos und Vi­de­os zu ma­chen“, sag­te Ackert. Da­bei sei es dar­um ge­gan­gen, wer den größ­ten Mut be­sitzt und als Letz­ter von den Glei­sen springt. Die Bun­des­po­li­zis­ten be­schlag­nahm­ten die Mo­bil­te­le­fo­ne. Zwei der jun­gen Män­ner stam­men aus dem Irak, beim drit­ten ist die Her­kunft un­be­kannt. „Sie un­ter­hiel­ten sich aber al­le un­ter­ein­an­der auf Ara­bisch“, sag­te Ackert. Ge­gen die drei Män­ner wird nun we­gen des ge­fähr­li­chen Ein­griffs in den Bahn­ver­kehr er­mit­telt.

Die Stre­cke muss­te auf­grund des Po­li­zei­ein­sat­zes zeit­wei­se ge­sperrt wer­den. Wie Ackert be­rich­te­te, wur­de in der S-Bahn trotz der Voll­brem­sung kei­ner der 100 Pas­sa­gie­re ver­letzt. Nach­fol­gen­de Zü­ge muss­ten das Ge­biet zu­nächst lang­sam durch­fah­ren, da nicht klar war, ob sich die Män­ner noch im­mer auf den Glei­sen auf­hiel­ten. „Ins­ge­samt wa­ren 14 Bah­nen be­trof­fen“, sagt Ackert. Die Ge­samt­ver­spä­tungs­zeit al­ler Zü­ge sum­mier­te sich am En­de auf rund sechs St­un­den.

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