Sprach­för­de­rung: Re­gi­on will Kos­ten tra­gen

Mit dem neu­en Ki­ta-Ge­setz än­dern sich die För­der­richt­li­ni­en: Frü­he Un­ter­stüt­zung nicht mehr ge­fragt

Hannoversche Allgemeine - - HANNOVER - Von Bär­bel Hil­big

Die Re­gi­on will die Sprach­för­de­rung im Kin­der­gar­ten aus ei­ge­nen Kas­se be­zah­len, wenn mit dem neu­en Ki­taGe­setz vom 1. Au­gust an ein Groß­teil der Lan­des­för­de­rung für die bei­den Pro­gram­me der Re­gi­on weg­fällt. Die Lan­des­re­gie­rung will das Ge­setz kom­men­de Wo­che be­schlie­ßen. Der Ju­gend­hil­fe­aus­schuss hat jetzt ein­stim­mig be­für­wor­tet, die er­folg­rei­che Sprach­för­de­rung dau­er­haft zu si­chern – ab­schlie­ßend ent­schei­det die Re­gi­ons­ver­samm­lung am 26. Ju­ni.

„Die Sprach­för­de­rung ist ein im­mens wich­ti­ges The­ma. Wenn wir die­se Kin­der nicht schon sehr früh­zei­tig un­ter­stüt­zen, sind die Aus­wir­kun­gen spä­ter um so schwer­wie­gen­der“, be­tont Andrea Han­ke, die neue Re­gi­ons­de­zer­nen­tin für So­zia­le In­fra­struk­tur. Die Re­gi­on set­ze sich schon seit vie­len Jah­ren für die in­di­vi­du­el­le und vor al­lem frü­he Sprach- för­de­rung in Ki­tas ein. „Der Be­darf ist ein­deu­tig da – die Zahl der Kin­der mit Schwie­rig­kei­ten steigt, die An­for­de­run­gen in den Ki­tas wer­den im­mer hö­her“, er­läu­tert Han­ke. Er­geb­nis­se der Schul­ein­gangs­un­ter­su­chun­gen in der Re­gi­on Han­no­ver zei­gen, wie not­wen­dig sol­che An­ge­bo­te sind. So stei­gen die Sprach­ent­wick­lungs­pro­ble­me der Kin­der jähr­lich, al­lein in dem Ein­schu­lungs­jahr­gang 2017/2018 nah­men rund 2300 Kin­der an der vor­schu­li­schen Sprach­för­de­rung teil.

Mit zwei Pro­gram­men re­agiert die Re­gi­on auf die An­for­de­run­gen. Bei der in­di­vi­du­el­len Sprach­för­de­rung ar­bei­ten Fach­kräf­te der Re­gi­on ge­zielt mit Kin­dern an ih­ren Pro­ble­men. Im ak­tu­ell lau­fen­den Ki­ta-Jahr sind 330 Kin­der in die­ser För­de­rung, 245 spre­chen kein oder nur man­gel­haft Deutsch. Mit dem zwei­ten Pro­gramm na­mens Wort­schatz qua­li­fi­zie­ren Sprach­be­ra­te­rin­nen der ReDie gi­on Fach­kräf­te in der Ki­ta, da­mit sie Kin­dern die deut­sche Spra­che al­ters­ge­recht im All­tag ver­mit­teln. Seit 2012 ha­ben die Mit­ar­bei­te­rin­nen 80 Kin­der­ta­ges­stät­ten mit ins­ge­samt rund 750 Er­zie­he­rin­nen in die Wei­ter­bil­dung ein­be­zo­gen. Fest ein­ge­plant ist die Qua­li­fi­zie­rung be­reits in neun wei­te­ren Ki­tas mit rund 90 Fach­kräf­ten. Auf der War­te­lis­te ab 2019 ste­hen 60 wei­te­re Päd­ago­gen.

Lan­des­re­gie­rung stellt je­doch ih­re För­de­rung um, weil sie die Sprach­för­de­rung im Jahr di­rekt vor der Ein­schu­lung von den Grund­schu­len in die Ki­tas ver­la­gert. Die von der Auf­ga­be ent­las­te­ten Leh­re­rin­nen kön­nen wie­der im re­gu­lä­ren Un­ter­richt ein­ge­setzt wer­den, da­für sol­len die Er­zie­he­rin­nen die Vor­schul­kin­der beim Deutsch­ler­nen un­ter­stüt­zen.

Die in­di­vi­du­el­le Sprach­för­de­rung will das Land gar nicht mehr un­ter­stüt­zen, die Qua­li­fi­zie­rung der Fach­kräf­te in Ki­tas nur be­grenzt. Die Re­gi­on rech­net des­halb nur noch mit rund 260000 Eu­ro statt bis­her 650 000 Eu­ro. „Au­ßer­dem plant das Land, die we­ni­gen ver­blei­ben­den Mit­tel aus­schließ­lich im Be­reich der vor­schu­li­schen Sprach­för­de­rung ein­zu­set­zen. Ge­ra­de aber Sprach­bil­dung soll­ten Kin­der so früh wie mög­lich er­fah­ren“, kri­ti­siert De­zer­nen­tin Han­ke.

Sprach­för­der­kräf­te wie Eli­sa­beth Sey­del hel­fen Kin­dern beim Deutsch­ler­nen. FO­TO: CHADDE

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