War­nung vor neu­em Hass

Land­tag er­in­nert an Po­gro­me / Neue Sy­nago­gen-Ge­denk­stät­te in Lü­ne­burg

Hannoversche Allgemeine - - NIEDERSACHSEN & DER NORDEN - Von Do­ris Hei­mann

Han­no­ver. Mit ei­ner Ge­denk­fei­er hat der nie­der­säch­si­sche Land­tag am Frei­tag an die Op­fer an­ti­jü­di­scher Po­gro­me 1938 er­in­nert. In Lü­ne­burg wur­de ei­ne neu­ge­stal­te­te Ge­denk­stät­te auf dem Ge­län­de der ehe­ma­li­gen Sy­nago­ge er­öff­net. Meh­re­re Red­ner warn­ten vor Ju­den­hass in Deutsch­land und der Welt.

Land­tags­prä­si­den­tin Ga­b­rie­le And­ret­ta (SPD) rief zu ent­schie­de­nem Han­deln ge­gen An­ti­se­mi­tis­mus auf. Sie sei er­schro­cken über Zah­len aus ei­ner Stu­die, wo­nach mehr als je­der vier­te Deut­sche der Aus­sa­ge zu­stim­me, dass Ju­den nicht zu uns pas­sen wür­den. Die De­mo­kra­tie und De­mo­kra­ten müss­ten sich schüt­zend vor die­je­ni­gen stel­len, die be­droht wür­den, be­ton­te And­ret­ta. „Die Er­in­ne­run­gen an das No­vem­ber­po­grom und den Ho­lo­caust le­gen uns die Ver­ant­wor­tung auf, in un­se­rem En­ga­ge­ment ge­gen An­ti­se­mi­tis­mus nicht nach­zu­las­sen, Mit­ge­fühl zu zei­gen und zu han­deln.“

In den Ta­gen um den 9. No­vem­ber 1938 wur­den von den Na­zis zen­tral ge­steu­ert über­all in Deutsch­land Men­schen jü­di­schen Glau­bens ver­haf­tet und er­mor­det, Woh­nun­gen ver­wüs­tet so­wie Sy­nago­gen in Brand ge­setzt. In Han­no­ver wur­de die neue Sy­nago­ge in der Berg­stra­ße in Brand ge­setzt. Auch in Wol­fen­büt­tel zer­stör­ten An­ge­hö­ri­ge der SS, der SA und der Hit­ler­ju­gend die Sy­nago­ge.

Mit ei­ner neu ge­stal­te­ten Ge­denk­stät­te er­in­nert Lü­ne­burg künf­tig an den Ho­lo­caust und die jü­di­sche Ge­schich­te in der Han­se­stadt. Sie wur­de Frei­tag an der Stel­le der zwangs­ver­kauf­ten und spä­ter ab­ge­ris­se­nen Sy­nago­ge wie­der­er­öff­net. Die An­la­ge ist mit wei­ßen Be­ton­wän­den und un­re­gel­mä­ßig durch­bro­che­nen Ei­sen­git­tern ein­ge­fasst. Vier Bron­ze­ta­feln er­in­nern nun an die Op­fer des Ho­lo­caust und an die 100 jü­di­schen Fa­mi­li­en, die seit der Ein­wei­hung der Sy­nago­ge 1894 in Lü­ne­burg ge­lebt ha­ben. Ein ein­zel­ner Ge­denk­stein er­in­nert an das Got­tes­haus.

In der Ge­denk­stun­de im Land­tag schil­der­te Yvon­ne Koch aus Düs­sel­dorf, die als Zehn­jäh­ri­ge oh­ne ih­re El­tern ins Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Ber­gen-Bel­sen ver­schleppt wur­de, die Schre­cken der Ge­fan­gen­schaft. Men­schen, die das Un­mensch­li­che der NS-Zeit aus ei­ge­nem Er­le­ben schil­dern könn­ten, wer­de es bald nicht mehr ge­ben, sag­te sie. „Das Er­in­nern darf aber nicht auf­hö­ren.“

FO­TO: PHIL­IPP SCHUL­ZE/DPA

Nach­fah­ren von jü­di­schen Op­fern des NS-Re­gimes spre­chen ein Ge­bet an der neu­en Sy­nago­gen-Ge­denk­stät­te in Lü­ne­burg.

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