Ein­bli­cke in den Stall von mor­gen

Fach­mes­se Eurotier star­tet in Han­no­ver: Es geht um Di­gi­ta­li­sie­rung und Tier­wohl / CDU will bei Tier­quä­le­rei­en hart durch­grei­fen und sagt: Qua­li­tät beim Fleisch kos­tet

Hannoversche Allgemeine - - WIRTSCHAFT - Von Tom­ma Pe­ter­sen

Han­no­ver. Wie sieht ein mo­der­ner Stall aus? Was tut sich beim The­ma Tier­wohl? Im Agrar­land Nie­der­sach­sen spielt die Auf­zucht und Hal­tung von Nutz­tie­ren ei­ne gro­ße Rol­le – ge­nau­so wie bei der am kom­men­den Diens­tag in Han­no­ver be­gin­nen­den Fach­mes­se Eurotier. Be­son­de­re Ak­tua­li­tät ha­ben die­se Fra­gen auch durch die in den letz­ten Wo­chen und Ta­gen be­kannt ge­wor­de­nen de­sas­trö­sen Zu­stän­de in Schlacht­hö­fen in Bad Iburg und Ol­den­burg be­kom­men. Tier­schüt­zer hat­ten die Miss­stän­de mit Vi­de­auf­nah­men do­ku­men­tiert. Das Agrar­mi­nis­te­ri­um rech­net da­mit, dass im Vor­feld der Eurotier noch wei­te­re sol­cher Auf­nah­men pu­blik ge­macht wer­den könn­ten. Die Eurotier fin­det vom 13. bis zum 16. No­vem­ber auf dem Mes­se­ge­län­de statt. Der Ver­an­stal­ter, die Deut­sche Land­wirt­schafts-Ge­sell­schaft (DLG), kün­digt 2600 Aus­stel­ler aus ins­ge­samt 62 Län­dern an. 59 Pro­zent der ver­tre­te­nen Be­trie­be stam­men aus dem Aus­land.

Mehr als 200 Ver­an­stal­tun­gen

„Die Bil­der aus den Schlacht­hö­fen ha­ben die Land­wir­te selbst er­schüt­tert“, sagt Rai­ner Win­ter, Spre­cher der Eurotier. Das Haupt­au­gen­merk der Mes­se lie­ge al­ler­dings bei den land­wirt­schaft­li­chen Be­trie­ben, nicht den Schlach­tern. „Die Fach­leu­te dis­ku­tie­ren aber auch über an­gren­zen­de The­men­fel­der“, sagt Win­ter. Im­mer­hin stün­den die Be­trie­be am An­fang ei­ner lan­gen Ket­te. Mit mehr als 200 Ver­an­stal­tun­gen ge­he man in die­sem Jahr auf As­pek­te ein, die ak­tu­ell in der Ge­sell­schaft dis­ku­tiert wür­den. So er­klärt Jut­ta Berk vom Fried­rich-Lo­eff­lerIn­sti­tut, ob Land­wir­te auf das Schna­bel­kür­zen von Mast­pu­ten ver­zich­ten könn­ten. Tier­phy­sio­lo­ge Ger­hard Bre­ves re­fe­riert über die „kli­ma­freund­li­che Kuh“und Bio­land-Be­ra­ter Ul­rich Schu­ma­cher be­rich­tet, wie Be­trie­be er­folg­reich Bio­milch pro­du­zie­ren.

Mit dem Leit­the­ma Di­gi­tal Ani­mal Far­ming setzt die Mes­se auf mo­derns­te Tech­nik. Durch den Ein­satz von Sen­so­ren und ei­nes ziel­ge­nau­en Da­ten­ma­nage­ments ge­be es für Land­wir­te ganz neue Mög­lich­kei­ten. So ver­spricht die Di­gi­ta­li­sie- rung von be­trieb­li­chen Ab­läu­fen ei­ne schnel­le­re und bes­se­re Pro­duk­ti­on. Auch die Nähr­stoff­bi­lanz für den Ein­satz von Stick­stoff und Phos­phat beim Dün­gen oder die Ge­sund­heit der Tie­re kön­nen bes­ser über­wacht wer­den.

Prä­mier­te Neu­hei­ten

Wann ei­ne Kuh in der Brunst ist, spielt für den Er­folg ei­nes Milch­vieh­be­trie­bes ei­ne gro­ße Rol­le – bis­her über­prüf­ten die Stall­be­sit­zer das per­sön­lich. Mitt­ler­wei­le kön­nen die Tie­re di­gi­tal be­ob­ach­tet wer­den. Un­ab­hän­gig von der Her­den­grö­ße wird so bei­spiels­wei­se ei­ne ein­zel­ne Milch­kuh rund um die Uhr di­gi­tal kon­trol­liert. Land­wir­te kön­nen sich auf der Eurotier be­ra­ten las­sen, wel­che Me­tho­de zu ih­rem Be­trieb pas­sen könn­te.

Auf der Mes­se wer­den zu­dem al­le zwei Jah­re Prei­se für aus­ge­wähl­te Neu­hei­ten ver­lie­hen. So lan­de­te in die­sem Jahr ein di­gi­tal steu­er­ba­res so­ge­nann­tes Selbst­fang­fress­git­ter in der en­ge­ren Aus­wahl. Zum Fres­sen ste­cken Milch­kü­he ih­re Köp­fe durch die­se Git­ter, die sich an­schlie­ßend schlie­ßen – so wer­den die Tie­re kurz­zei­tig fi­xiert und kön­nen un­ter­sucht und be­han­delt wer­den. Da­mit die Kü­he nicht län­ger als not­wen­dig fest­ge­hal­ten wer­den, kann der Schließ­me­cha­nis­mus elek­tro­nisch über­wacht wer­den. Der Land­wirt er­fährt dann mit­hil­fe ei­ner App, wie lan­ge ei­ne Kuh be­reits im Fress­git­ter steckt.

Vie­le auf der Eurotier vor­ge­stell­ten Pro­dukt­neu­hei­ten sol­len da­zu bei­tra­gen, die Hal­tungs­be­din­gun­gen für Nutz­tie­re so­wie die Ar­beits­be­din­gun­gen für Men­schen zu ver­bes­sern. Kri­te­ri­en wie Ar­beits­si­cher­heit und -ver­bes­se­rung, Tier­ge­sund­heit, Tier­wohl so­wie Um­welt­und Tier­ge­recht­heit ga­ben bei der Beur­tei­lung den Aus­schlag.

Zeit­gleich mit der Fach­mes­se hält der Bun­des­ver­band Prak­ti­zie­ren­der Tier­ärz­te (bpt) sei­nen Jah­res­kon­gress auf dem Mes­se­ge­län­de ab. Hier sol­len sich Tier­ärz­te und Land­wir­te aus al­ler Welt aus­tau­schen. Erst­mals wird der Ver­an­stal­ter ge­mein­sam mit dem Tier­arzt­ver­band Pro­duk­te und Lö­sun­gen mit dem Ani­mal Wel­fa­re Award aus­zeich­nen, „die im be­son­de­ren Ma­ße den An­for­de­run­gen an ei­nen hö­he­ren Tier­wohl­stan­dard ge­recht wer­den“. Ins­ge­samt rech­net die DLG mit 150000 Teil­neh­mern bei der Eurotier.

In­fo Die Eurotier ist vom 13. bis 16. No­vem­ber täg­lich von 9 bis 18 Uhr ge­öff­net. Der Ein­tritt kos­tet an der Ta­ges­kas­se 27 Eu­ro, über die In­ter­net­sei­te 22 Eu­ro. Stu­den­ten, Schü­ler und Rent­ner zah­len 14 Eu­ro. Kin­der un­ter 13 Jah­ren er­hal­ten in Be­glei­tung Er­wach­se­ner frei­en Ein­tritt.

FO­TO: PE­TER STEF­FEN/ DPA

Hal­tungs­be­din­gun­gen für die Tie­re und Ar­beits­be­din­gun­gen für die Men­schen ver­bes­sern: Die Eurotier wid­met sich vie­len ak­tu­el­len The­men.

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