John­son droht Brüssel mit No-De­al-Br­ex­it

Der bri­ti­sche Pre­mier setzt al­les auf ei­ne Kar­te und ver­langt von den eu­ro­päi­schen Ver­hand­lungs­part­nern Kom­pro­miss­be­reit­schaft

Hannoversche Allgemeine - - POLITIK - Von Ka­trin Pribyl

Lon­don/Brüssel. Be­ob­ach­ter der Br­ex­it-Sa­ga hat­ten sich seit Wo­chen auf mehr Dra­ma ein­ge­stellt. Und wie üb­lich in der Ge­schich­te Lon­don ge­gen Brüssel lie­fer­te Groß­bri­tan­ni­en. Pre­mier­mi­nis­ter Bo­ris John­son wand­te sich von der Dow­ning Street aus mit ei­nem State­ment so­wohl an die Na­ti­on als auch an die EU, um sein Land auf den so­ge­nann­ten har­ten Bruch mit der EU vor­zu­be­rei­ten. Soll­te Brüssel sei­nen An­satz in den Ver­hand­lun­gen nicht grund­le­gend än­dern, wer­de es ei­nen Br­ex­it oh­ne Han­dels­ab­kom­men ge­ben, so der kon­ser­va­ti­ve Re­gie­rungs­chef. Der EU-Gip­fel hat­te Groß­bri­tan­ni­en auf­ge­for­dert, sich in den Ver­hand­lun­gen zu be­we­gen.

John­son schoss mit schar­fen Wor­ten in Rich­tung Brüssel, aber das konn­te kaum sei­ne ei­gent­li­che Bot­schaft ka­schie­ren: Das Kö­nig­reich ver­han­delt wei­ter. Trotz John­sons Ul­ti­ma­tum, das er ur­sprüng­lich bis zum 15. Ok­to­ber ge­setzt hat­te. Trotz des an­ge­kün­dig­ten Rechts­bruchs, der das Kli­ma wei­ter ver­gif­tet hat. Und trotz der seit Wo­chen lau­ter wer­den­den Dro­hun­gen aus Lon­don.

Die Stra­te­gie ging nicht auf, denn die EU ließ nicht nur die Frist un­ge­rührt ver­strei­chen, son­dern mach­te bis­lang ins­be­son­de­re bei der gro­ßen Streit­fra­ge der Fi­sche­rei auch kei­ne Zu­ge­ständ­nis­se. Un­ei­nig sind sich die Ver­hand­lungs­part­ner zu­dem beim The­ma der ge­mein­sa­men Markt­stan­dards. Wäh­rend Brüssel auf glei­che Wett­be­werbs­be­din­gun­gen für die Wirt­schaft pocht, was Um­welt-, So­zi­al- und Sub­ven­ti­ons­stan­dards an­geht, for­dert Lon­don Au­to­no­mie. Hin­zu kommt, dass Groß­bri­tan­ni­en nichts mehr mit dem in Br­ex­it-Krei­sen ver­hass­ten Eu­ro­päi­schen Ge­richts­hof zu tun ha­ben will.

Nun al­so herrscht wie­der Kri­se. Auf der In­sel ist man sich nicht si­cher, wie ernst es John­son mit dem har­ten Bruch meint. Han­del­te es sich um ei­ne po­li­ti­sche Schau­fens­ter­re­de, mit der er Stär­ke zei­gen woll­te, in­dem er jetzt laut ge­gen Brüssel pol­tert und sich in we­ni­gen Wo­chen als Ret­ter ei­nes De­als in­sze­niert? Oder wür­de er es ris­kie­ren, dass mit dem Ablauf der Über­gangs­frist am 31. De­zem­ber die­ses Jah­res die Re­geln der Welt­han­dels­or­ga­ni­sa­ti­on grei­fen?

Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel gibt die Hoff­nung auf ei­ne Ei­ni­gung mit Groß­bri­tan­ni­en noch nicht auf. Mer­kel sprach sich nach dem EU­Gip­fel für ei­ne Fort­set­zung der Ver­hand­lun­gen aus: „Wir ha­ben Licht ge­se­hen in den letz­ten Ta­gen der Ver­hand­lun­gen, aber na­tür­lich noch Schat­ten. Und wenn es nach der Eu­ro­päi­schen Uni­on geht und auch nach mir per­sön­lich geht, dann soll­ten wir die­se Ge­sprä­che jetzt ein­fach fort­set­zen.“Die Kanz­le­rin be­ton­te aber auch, dass man sich auf ein Schei­tern vor­be­rei­ten müs­se.

Au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas warn­te vor ei­nem Schei­tern der Ver­hand­lun­gen: „Das wä­re we­der im bri­ti­schen In­ter­es­se noch im eu­ro­päi­schen”, sag­te der Mi­nis­ter dem Re­dak­ti­ons­Netz­werk Deutsch­land (RND). SPD-Chef Norbert Wal­ter­Bor­jans er­klär­te ge­gen­über dem RND: „Wir wol­len ernst­haft gu­te Be­zie­hun­gen zu Groß­bri­tan­ni­en als ei­nem un­se­rer wich­tigs­ten Wirt­schafts­part­ner. Da­zu brau­chen wir ein fai­res Aus­tritts­ab­kom­men.“Wenn John­son mei­ne, er kön­ne Groß­bri­tan­ni­en zu Las­ten der EU schad­los hal­ten, „muss man ihn dar­an er­in­nern, wer die Be­tei­lig­ten in die Zwick­müh­le ge­führt hat“.

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