Was­ser ist der Stoff der Zu­kunft

Die Au­to­mo­bil­in­dus­trie ist in­ter­es­siert: Das Deut­sche Zen­trum für Luft- und Raum­fahrt hat ein be­son­ders sta­bi­les Leicht­fahr­zeug mit Brenn­stoff­zel­le prä­sen­tiert

Hannoversche Allgemeine - - MOBILITÄT - Von Gerd Pi­per

Kirch­heim un­ter Teck. Auch wenn das The­ma in der Au­to­mo­bil­in­dus­trie ge­gen­wär­tig klein ge­hal­ten wird, ar­bei­ten al­le gro­ßen Her­stel­ler an der Brenn­stoff­zel­le. Denn die wird mit Was­ser­stoff be­trie­ben und der gilt als der Ener­gie­trä­ger der Zu­kunft. Zwar wird es vor­aus­sicht­lich noch ei­ne gan­ze Wei­le dau­ern, bis ge­nü­gend re­ge­ne­ra­ti­ver Strom für die Pro­duk­ti­on und ent­spre­chen­de Spei­cher­me­di­en zur Ver­fü­gung ste­hen, doch die über­ra­gen­de Kli­ma­bi­lanz und der na­he­zu un­end­lich vor­han­de­ne Roh­stoff spre­chen ei­ne deut­li­che Spra­che.

Das Deut­sche Zen­trum für Luft­und Raum­fahrt (DLR) hat jetzt ein leich­tes Klein­fahr­zeug mit Brenn­stoff­zel­len­an­trieb prä­sen­tiert, das zeigt, wie Au­tos der nächs­ten Fahr­zeug­gene­ra­ti­on aus­se­hen könn­ten. Die DLR-For­scher und In­ge­nieu­re ste­hen nicht un­ter dem Druck der Au­to­mo­bil­in­dus­trie, Pro­duk­te zu ent­wi­ckeln, die mög­lichst schnell in Se­rie ge­hen und sich ver­kau­fen las­sen. Kein Wun­der, dass das In­ter­es­se der Au­to­her­stel­ler an der Grund­la­gen­for­schung des DLR groß ist.

Die Vor­stel­lung des zwei­sit­zi

Un­ter der Hau­be: Grund­la­gen­for­schung mit Hig­hend­tech­nik.

gen Sa­fe Light Re­gio­nal Ve­hi­cle (SLRV), so die Be­zeich­nung, war An­fang Ok­to­ber für ei­ne St­un­de auf ei­nem Ver­kehrs­übungs­platz in Kirch­heim un­ter Teck an­ge­setzt – ein ver­gleichs­wei­se be­schei­de­ner Rah­men für so viel Zu­kunfts­tech­no­lo­gie. Denn das For­schungs­fahr­zeug ist in meh­re­rer Hin­sicht be­mer­kens­wert: Trotz der ge­ra­de ein­mal 90 Ki­lo­gramm schwe­ren Ka­ros­se­rie ist die Fahr­gast­zel­le we­gen ih­rer Sand­wich­bau­wei­se aus Me­tall und Kunst­stoff­schaum be­son­ders sta­bil und si­cher. „Die­se Bau­wei­se gibt es noch nicht in der Au­to­mo­bil­in­dus­trie“, sagt Pro­jekt­lei­ter Micha­el

Krie­scher. Da­zu kommt mit der Brenn­stoff­zel­le ei­ne An­triebs­tech­no­lo­gie, die ei­gent­lich für die Langstre­cke prä­des­ti­niert ist, wenn sie ei­nes Tages mal in die Se­ri­en­pro­duk­ti­on ein­zieht. Für Krie­scher ist das kein Wi­der­spruch: „Man kann ein kom­pak­tes und leich­tes Fahr­zeug mit ei­ner gro­ßen Reich­wei­te dar­stel­len, oh­ne un­nö­tig Res­sour­cen zu ver­schwen­den.“

Tat­säch­lich ist das SLRV al­les an­de­re als ein Spar­mo­bil, was sei­ne tech­ni­schen Da­ten be­trifft: Für den An­triebs­strang des 3,8 Me­ter lan­gen und nur 450 Ki­lo­gramm schwe­ren Fahr­zeugs ha­ben die DLR-For­scher ei­ne klei­ne 8,5-Ki­lo­watt­Brenn­stoff­zel­le mit ei­ner Bat­te­rie zu­sam­men­ge­schnürt, die zu­sätz­li­che 25 Ki­lo­watt Leis­tung beim Be­schleu­ni­gen lie­fert. Bei­des zu­sam­men ist vom Ge­wicht her leich­ter als ein ent­spre­chen­des Bat­te­rie­pa­ket. Mit ei­ner Höchst­ge­schwin­dig­keit von 120 km/h kommt das SLRV 400 Ki­lo­me­ter weit. Mög­lich macht es ein 39 Li­ter gro­ßer Tank, der bei ei­nem Ma­xi­mal­druck von 700 Bar 1,6 Ki­lo­gramm Was­ser­stoff spei­chern kann. Im Un­ter­schied zum Auf­la­den ei­ner Bat­te­rie ist die Be­tan­kung ei­ne Sa­che von Mi­nu­ten. Die Brenn­stoff­zel­le an sich stammt so­zu­sa­gen von der Stan­ge und wur­de zu­ge­kauft. Krie­scher: „Die ha­ben wir nicht neu er­fun­den.“De­ren Ab­wär­me nut­ze das For­schungs­fahr­zeug im Win­ter als Hei­zung, was sich we­gen der gu­ten Iso­lie­rung durch die Sand­wich­bau­wei­se auch noch po­si­tiv auf den Ener­gie­ver­brauch der Kli­ma­an­la­ge aus­wir­ke.

Al­ler­dings räumt der Pro­jekt­lei­ter ein, dass es für die­se Tech­no­lo­gie noch Zeit brau­che. Zwar kön­ne man die Fer­ti­gung ins­be­son­de­re der Ka­ros­se­rie in ei­nem nächs­ten Ent­wick­lungs­schritt für ei­ne Se­ri­en­pro­duk­ti­on op­ti­mie­ren, doch für die Brenn­stoff­zel­le sei die Zeit noch nicht reif: „Wir brau­chen Über­ka­pa­zi­tä­ten an er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en, um ent­spre­chend viel sau­be­ren Strom spei­chern zu kön­nen.“Der Strom ist die Vor­aus­set­zung, um Was­ser in Was­ser­stoff und Sau­er­stoff zu zer­le­gen.

Trotz­dem hat das DLR schon mal aus­ge­rech­net, was der Be­trieb des SLRV kos­ten wür­de: Bei ei­nem An­schaf­fungs­preis von 15000 Eu­ro wür­de der Ki­lo­me­ter­preis bei 300 000 Ki­lo­me­tern ver­teilt über zehn Jah­re 10 Cent be­tra­gen. Ein­satz­be­reich könn­ten län­ge­re Über­land­fahr­ten eben­so wie Pend­ler­stre­cken im ur­ba­nen Um­feld sein. Ver­tre­ter der Au­to­mo­bil­in­dus­trie ha­ben be­reits In­ter­es­se an dem SLRV be­kun­det und Kon­takt auf­ge­nom­men. Über Na­men oder Mar­ken will das DLR noch nichts sa­gen.

Wir brau­chen Über­ka­pa­zi­tä­ten an er­neu­er­ba­ren Ener­gi­en.

Micha­el Krie­scher, SLRV-Pro­jekt­lei­ter

FO­TOS: DLR

Noch ist das SLRV nur ein Ver­suchs­fahr­zeug: Doch Struk­tur und Tech­nik könn­ten für die Au­to­her­stel­ler in­ter­es­sant wer­den.

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