„Wir al­le dür­fen uns hel­fen las­sen …“

Die Heil­prak­ti­ke­rin He­le­na Ka­let­ta (47) er­lernt das Ho’opo­no­po­no auf Ha­waii – und er­kennt erst dort, wie wich­tig Ver­ge­bung für das Le­ben ist und wie sie uns lehrt, be­din­gungs­los zu lie­ben …

Happinez - - Spiritualität - Seit 2002 be­treibt He­le­na Ka­let­ta ei­ne ei­ge­ne Pra­xis in Lü­ne­burg und gibt ihr Wis­sen und ih­re Er­fah­run­gen in Ein­zel­ge­sprä­chen und Work­shops wei­ter. 2016 ver­öf­fent­lich­te sie zu­dem das Kar­ten­set „Ho’opo­no­po­no – Die heil­sa­me Kraft der Ver­ge­bung“

Wel­che Kraft geht von Ho’opo­no­po­no aus?

Es ist seit je­her Teil der ha­waii­ani­schen Kul­tur. Ich be­zeich­ne es als die schöns­te Mög­lich­keit, Frie­den in Be­zie­hun­gen, Ge­sund­heit und Wei­ter­ent­wick­lung auf al­len Ebe­nen zu er­rei­chen. Ho’opo­no­po­no ist ei­ne wun­der­bar ein­fa­che Art, mit al­ten Kon­flik­ten ab­zu­schlie­ßen – uns selbst neue Kraft zu schen­ken. Je­der kann es aus­pro­bie­ren, so oft und so lan­ge er möch­te. Ich ra­te mei­nen Pa­ti­en­ten meist da­zu, es di­rekt nach dem Ent­ste­hen ei­nes Kon­flik­tes oder spä­tes­tens vor dem Schla­fen­ge­hen durch­zu­füh­ren, denn so ta­ten und tun es auch im­mer noch die Ha­waii­aner. Ei­nen Kon­flikt, ein Pro­blem ver­su­chen sie nie­mals mit in den Schlaf zu neh­men – so kön­nen auch wir un­se­re See­le für ei­ne ge­ruh­sa­me Nacht rei­ni­gen.

Lan­ge wur­de das Ri­tu­al auf Ha­waii nur münd­lich über­lie­fert. War­um?

Es heißt, dass es den Ur­ein­woh­nern nach der Ero­be­rung Ha­waiis im Jahr 1778 von den En­g­län­dern ver­bo­ten wur­de, ih­re Ri­ten wei­ter­hin zu ze­le­brie­ren. Spi­ri­tua­li­tät in die­ser Form war der west­li­chen Welt da­mals fremd – so führ­ten die Ha­waii­aner ih­re Heil­ze­re­mo­ni­en heim­lich durch. Erst seit we­ni­gen Jah­ren ge­ben die Ka­hu­nas das al­te Wis­sen auch an Nicht-Ha­waii­aner wei­ter. Ka­hu­na be­deu­tet üb­ri­gens so viel wie: Hü­ter des Ge­heim­nis­ses. Auch ich durf­te von zwei Wei­sen ler­nen: Ka­hu­na Mar­ga­ret Kal­e­hua­ma­ka­noeo­lu­lu’uo­na­pa­li Macha­do lehr­te mich die Lo­mi-Lo­mi-Mas­sa­ge, Mo­na K. Ka­he­le das Ho’opo­no­po­no – ih­re Wär­me, ih­re Nah­bar­keit, ihr Mit­­ge­fühl ha­ben mich fas­zi­niert und tief be­rührt. Wie viel Lie­be die­se bei­den Men­schen in sich tra­gen, wie rein von Vor­ur­tei­len sie sind.

Wem hilft das ha­waii­ani­sche Ver­ge­bungs­ri­tu­al?

Men­schen, die sich wei­ter­ent­wi­ckeln wol­len, die ir­gend­wann mer­ken, dass sie in ei­nem Kon­flikt ge­fan­gen sind, nicht ab­schlie­ßen kön­nen – die aber häu­fig an­de­ren die Schuld an ih­rer Si­tua­ti­on ge­ben. Sie wol­len ih­re ak­tu­el­le Le­bens­si­tua­ti­on über­den­ken, Ver­ant­wor­tung für die­se über­neh­men. Vie­le ste­hen die­sem Ri­tu­al zu­nächst skep­tisch ge­gen­über, er­war­ten ei­ne so­for­ti­ge Lö­sung des Pro­blems. Ich sa­ge ih­nen dann, dass es nicht nur dar­um geht – je­der ent­wi­ckelt sich in sei­nem ei­ge­nen Tem­po. Doch wir soll­ten ler­nen, Ve­rän­de­rung zu­zu­las­sen.

Es heißt, das Ho’opo­no­po­no ver­än­de­re ei­nen Men­schen – was hat Sie die­ses Ri­tu­al ge­lehrt?

Wenn ein Kon­flikt mich nicht mehr los­lässt, dann darf ich ihn kei­nes­falls im­mer grö­ßer wer­den las­sen. Ich soll­te ver­su­chen, ihn an­zu­neh­men, ihn zu kor­ri­gie­ren – nur so kön­nen wir Lin­de­rung er­rei­chen. Ich su­che im­mer nach Lö­sun­gen, nach We­gen aus mei­nem Un­wohl­sein. Doch ich ge­be mir auch Raum und Zeit, die­sen Weg zu fin­den – oh­ne Stress. Das Wich­tigs­te aber: Ich bin nie­mals al­lein. Ich bin ein wich­ti­ger Teil ei­nes gro­ßen Gan­zen – be­hü­tet. Und ich darf mir hel­fen las­sen, Zu­wen­dung und Lie­be an­neh­men. Ein ha­waii­ani­sches Sprich­wort sagt: „Die Lie­be heilt.“Und ich den­ke, das tut sie tat­säch­lich.

4. Ich lie­be dich

Es scheint schwer, die­se Wor­te an ei­nen Men­schen zu rich­ten, der uns ver­letzt hat, der uns ne­ga­tiv be­ein­flusst. Doch mit die­sem Satz sa­gen wir un­se­rem Ge­gen­über, dass es ge­nau­so viel wert ist, wie wir es sind. „Ich lie­be dich“be­ruht auf dem grund­le­gen­den Ge­dan­ken der Oha­na – wir sind al­le eins, sind mit­ein­an­der ver­bun­den, tref­fen uns im bes­ten Fall im­mer auf Au­gen­hö­he. Das Glei­che gilt für Pflan­zen, Tie­re, die Na­tur. Wir dür­fen uns nicht ab­wer­ten – nur so kann ein Kon­flikt ge­löst wer­den.

5. Ich lie­be mich

Es ist meist noch schwe­rer aus­zu­spre­chen, das „Ich lie­be mich“. Doch mit die­sem Satz neh­men wir uns an, ma­chen uns be­wusst, dass auch wir ge­nau­so wich­tig sind wie die Men­schen, die Na­tur um uns her­um. Auch wir dür­fen uns nicht ab­wer­ten, uns schlecht ma­chen. Je­mand, der glaubt, er ha­be kein freund­li­ches Wort ver­dient, wird die­ses nicht be­kom­men. Doch wir glau­ben an uns. Wir sind ein­zig­ar­tig – trotz­dem eins mit der Welt.

„Je­der lässt je­den los“– das Ho’opo­no­po­no dient da­zu, Kon­flik­te auf­zu­lö­sen, in Lie­be zu ver­ge­ben. Nach al­ter Tra­di­ti­on war es einst in vie­len ha­waii­ani­schen Fa­mi­li­en Brauch, das Ri­tu­al wö­chent­lich, so­gar täg­lich ab­zu­hal­ten, um Span­nun­gen von vorn­her­ein vor­zu­beu­gen

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