Kur­ku­ma: Die Kö­ni­gin der hei­len­den Ge­wür­ze

Die Kö­ni­gin der hei­len­den Ge­wür­ze

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Kaum dass in In­di­en ein Kind das Licht der Welt er­blickt, wird ihm schon pu­re Ma­gie zu­teil: Auf sei­ne noch feuch­te Stirn tupft man ihm zart ei­nen klei­nen, gel­ben Punkt. Ein Mal aus dem gold­gel­ben Pul­ver der Kur­ku­ma­wur­zel. Denn es heißt, dem Kin­de be­geg­ne so fort­an die Lie­be und das Glück … Ma­gie um­weht die Kur­ku­ma. Die­se un­schein­ba­re Wur­zel, die, wenn man sie zer­schnei­det, sinn­li­ches, rot-gol­de­nes Fleisch of­fen­bart. Seit je­her sa­gen die In­der, sie schim­me­re wie Gold und sei das „ir­di­sche Äqui­va­lent des Son­nen­lichts“, wes­halb die Kur­ku­ma in In­di­en bis heu­te als hei­lig gilt. Da, wo ihr sat­tes Gelb gol­den leuch­tet, heißt es, sind die Göt­ter gut ge­stimmt. So soll das Ver­räu­chern des Kur­ku­maPul­vers bö­se Geis­ter fern­hal­ten, es wird Gott Ga­ne­sha als Op­fer­ga­be dar­ge­bracht und ist bei Hoch­zei­ten ein un­ver­zicht­ba­res ri­tu­el­les Ele­ment: Je­der Braut wer­den die Hän­de zu­vor mit Kur­ku­ma ge­pu­dert, denn es heißt, dies brin­ge ihr Schön­heit, Reich­tum und Kin­der­se­gen.

Vom äl­tes­ten Heil­mit­tel der Er­de

Kei­ne Pflan­ze die­ser Er­de birgt so vie­le Ta­len­te und Kräf­te in sich wie die Kur­ku­ma. Sie ist ei­nes der äl­tes­ten Würz­mit­tel, die wir ken­nen, wes­halb man sie ehr­fürch­tig „Kö­ni­gin der Ge­wür­ze“nennt. Seit mehr als 5000 Jah­ren ver­leiht sie den viel­fäl­tigs­ten Ge­rich­ten Süd­ost­asi­ens ein kräf­ti­ges, leicht pfeff­ri­ges Aro­ma und ist das wich­tigs­te Ge­würz in der ayur­ve­di­schen Kü­che Ge­trock­net und zu Pul­ver ver­mah­len, ver­leiht die Kur­ku­ma je­der Cur­ry­mi­schung ih­re so ty­pi­sche gold­gel­be Far­be und eben­so den hei­li­gen Ge­wän­dern bud­dhis­ti­scher Mön­che und den trad­itio­nel­len Sa­ris der schöns­ten Frau­en. Doch die Kur­ku­ma ist weit mehr als nur pi­kan­tes Ge­würz und son­nen­gel­bes Fär­be­mit­tel: Sie ist vor al­lem ei­ne der äl­tes­ten na­tür­li­chen Arz­nei­en mit ei­ner breit ge­fä­cher­ten Heil­wir­kung, die sie welt­weit ein­zig­ar­tig macht. Ein Heil­mit­tel, von dem Me­di­zi­ner heu­te sa­gen, es sei so wirk­sam wie man­ches Me­di­ka­ment – nur viel ver­träg­li­cher. Was al­les in die­ser Wur­zel steckt, konn­ten ih­re frü­hen Ent­de­cker nur ah­nen. So gru­ben vor rund 5000 Jah­ren die ers­ten Me­di­zin­män­ner und Scha­ma­nen in den schwül-hei­ßen Sumpf­ge­bie­ten Süd­ost­asi­ens di­cke, flei­schi­ge Kur­ku­ma-rhi­zo­me aus dem feuch­ten Erd­reich. Sie tru­gen sie in ih­re Hüt­ten, trock­ne­ten und zer­klei­ner­ten sie zu ei­nem gel­ben, aro­ma­tisch duf­ten­dem Pul­ver, ei­ner Tink­tur oder zu Mus – und be­han­del­ten da­mit er­folg­reich ei­ne gan­ze Rei­he von Er­kran­kun­gen: Sie setz­ten Kur­ku­ma ge­gen Er­käl­tun­gen ein, als Kräf­ti­gungs­mit­tel bei Atem­wegs­er­kran­kun­gen, be­han­del­ten da­mit ent­zün­de­te Ge­len­ke, Ma­gen­schmer­zen, Darm­träg­heit, ver­wen­de­ten sie als Auf­la­ge auf Wun­den, als Wi­ckel ge­gen Schwel­lun­gen und Kopf­schmerz. Kein Lei­den, das die Kur­ku­ma nicht zu hei­len ver­moch­te. Das sprach sich her­um, und so ver­brei­te­te sich die „Zau­ber­knol­le“, die „Wun­derWur­zel“durch Han­dels­leu­te auf dem See­weg über al­le Kon­ti­nen­te und er­lang­te gren­zen­lo­sen Ruhm für ih­re au­ßer­ge­wöhn­li­chen Heil­kräf­te. Die ayur­ve­di­schen Heil­kun­di­gen be­schrie­ben sie in den al­ten Schrif­ten als „sieg­reich über die Krank­hei­ten“, in der Tra­di­tio­nel­len Chi­ne­si­schen Me­di­zin ( TCM) wur­de sie als rei­ni­gen­de und en­er­gie­brin­gen­de Wur­zel ge­schätzt, und in der Klos­ter­me­di­zin brach­te sie es un­ter dem Na­men Gelb­wurz zu gro­ßer Be­rühmt­heit bei Wund-lei­den und Darm­pro­ble­men. Mehr als 4000 me­di­zi­ni­sche Stu­di­en über Kur­ku­ma und ih­re Wir­kung gibt es in­zwi­schen, und al­lein in den USA lau­fen der­zeit mehr als 70. Heu­te weiß man: Die Kur­ku­ma ver­dankt ih­re Fä­hig­keit zur Vor­beu­gung und Hei­lung rund 660 hoch po­ten­ten Wirk­stof­fen, vor al­lem aber ih­rem Pflan­zen­stoff Kur­ku­min, ei­ner Sub­stanz , die so au­ßer­ge­wöhn­lich ist und solch enor­me an­ti­oxi­da­ti­ve und ent­zün­dungs­hem­men­de Wir­kun­gen be­sitzt, dass sie er­wie­se­ner­ma­ßen die Ge­sund­heit von buch­stäb­lich je­dem Or­gan in un­se­rem Kör­per schüt­zen und ver­bes­sern kann. Mehr noch: Der re­gel­mä­ßi­ge Kur­ku­ma-ver­zehr kann selbst vor so schwe­ren Krank­hei­ten wie Dia­be­tes, Schlag­an­fall und Krebs schüt­zen. Das ist be­legt.

In der Ayur­ve­da­me­di­zin ist die Wir­kung der Kur­ku­ma auf die Ver­dau­ungs­kraft von gro­ßer Be­deu­tung, die als Ag­ni be­zeich­net wird. Ist sie ge­schwächt, fehlt es uns an Ener­gie. Wir füh­len uns mü­de, ha­ben Pro­ble­me mit der Ver­dau­ung und nei­gen da­zu, öf­ter krank zu wer­den, weil un­se­re Ab­wehr nicht op­ti­mal ar­bei­tet. Doch wie wirkt sich Kur­ku­ma auf die Ver­dau­ung aus? Ver­schie­de­ne Stu­di­en zei­gen: Das in den Wur­zeln ent­hal­te­ne Kur­ku­min regt die Ver­dau­ungs­kraft an, för­dert die Pro­duk­ti­on von En­zy­men, die die Le­ber ent­gif­ten – das zen­tra­le Ent­gif­tungs­or­gan un­se­res Kör­pers. Kur­ku­min hemmt das Wachs­tum von Bak­te­ri­en und Pil­zen, es för­dert den Gal­len­fluss und regt die Fett­ver­dau­ung an, wirkt ent­kramp­fend auf die Mus­ku­la­tur un­se­rer Ver­dau­ungs­or­ga­ne und lin­dert so Blä­hun­gen und un­an­ge­neh­mes Völ­le­ge­fühl. Wer zu Ma­gen-darm-be­schwer­den neigt, kann vor­beu­gen, in­dem er 1 TL Kur­ku­ma-pul­ver beim Ko­chen un­ter das Es­sen rührt. Gut kau­end in klei­nen Por­tio­nen ge­nie­ßen. In der Tra­di­tio­nel­len Chi­ne­si­schen Me­di­zin wird Kur­ku­ma ne­ben ih­rer Heil­wir­kung auf Ma­gen, Milz und Blut häu­fig bei Rheu­ma ein­ge­setzt. Auch hier konn­ten wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en die Wir­kung be­wei­sen: Kur­ku­ma lin­dert Ent­zün­dun­gen, regt den Stoff­wech­sel an, rei­nigt das Blut und stärkt die Im­mun­kräf­te. Ganz be­son­ders ef­fek­tiv ist der Wirk­stoff Kur­ku­min bei Ar­thro­se-pa­ti­en­ten: In ei­ner Un­ter­su­chung zeig­te die Kur­ku­min­the­ra­pie ähn­lich gu­te Wir­kung wie Me­di­ka­men­te. Die Schmer­zen gin­gen zu­rück, Schwel­lun­gen und Rö­tun­gen wur­den ge­mil­dert eben­so wie un­an­ge­neh­me Hit­ze in den be­trof­fe­nen Ge­len­ken. Bei rheu­ma­ti­schen Be­schwer­den, so­wie Schul­ter- oder Knie­ge­lenk­schmer­zen kann ei­ne Auf­la­ge mit Kur­ku­ma Lin­de­rung ver­schaf­fen. Da­zu 1 EL Kur­ku­ma-pul­ver mit et­was Was­ser zu ei­nem di­cken Brei ver­rüh­ren und auf die be­trof­fe­nen Be­rei­che auf­tra­gen. Et­wa 5 Mi­nu­ten ein­wir­ken las­sen und mit ei­nem feuch­ten Tuch ent­fer­nen. Die Kraft der Kur­ku­ma soll so­gar ei­ne hei­len­de Wir­kung auf un­se­re See­le ha­ben. Schon in den al­ten ve­di­schen Schrif­ten steht ge­schrie­ben, dass die Kur­ku­ma „Ojas“stei­gert, un­se­re spi­ri­tu­el­le Ener­gie, und dass sie den Men­schen „Satt­va“schenkt, die Ver­bin­dung zu un­se­rem Ur­sprung, zu der Schön­heit al­len Le­bens. So ga­ben die In­der der Kur­ku­ma­wur­zel den Na­men Ni­sha, was über­setzt so viel heißt wie „Strah­lend schön wie die ster­nen­kla­re Nacht“. Es ist die Ver­nei­gung vor der Wur­zel, die wäh­rend ih­res Wachs­tums tief in der Er­de nie­mals vom war­men Licht der Son­ne be­rührt wird, die aber den­noch die Kraft be­sitzt, aus sich selbst her­aus zu leuch­ten. Und die­ses Licht gibt sie an uns wei­ter …

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