Eck­hart Tol­le: Lie­ben heißt, im an­de­ren sich selbst zu er­ken­nen

Lie­ben heißt, im an­de­ren sich selbst zu er­ken­nen

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Wie ist dein Ver­hält­nis zur Na­tur? Was geht in dir vor, wenn du spa­zie­ren gehst oder dir ei­nen Son­nen­un­ter­gang an­schaust? So­lan­ge du die Na­tur nur mit dem Kopf wahr­nimmst, über das Den­ken, kannst du ih­re Le­ben­dig­keit, ihr Sein nicht spü­ren. Was du siehst, ist die Form, doch du bist blind für das Le­ben in­ner­halb der Form. Und da­mit blind für das hei­li­ge Ge­heim­nis. Denn un­ser Ver­stand re­du­ziert die Na­tur zu et­was, aus dem sich Pro­fit schla­gen lässt. Er macht aus der Na­tur ei­ne Art Wa­re, ana­ly­siert, was wis­sen­schaft­lich aus­ge­wer­tet wer­den kann oder ei­nen an­de­ren Zweck er­füllt. So wird aus dem Ur­wald Bau­holz, der Berg wird aus­ge­beu­tet oder be­zwun­gen und der Vo­gel­flug zum For­schungs­ge­gen­stand. Wenn du die Na­tur wahr­nimmst, lass Raum für Ge­dan­ken­lee­re, für das Nicht­den­ken. So gibst du der Na­tur die Chan­ce, dir den Weg nach Hau­se zu zei­gen. Sie kann dir hel­fen, aus dem Ge­fäng­nis des ewi­gen Den­kens aus­zu­bre­chen. Zu oft ver­lie­ren wir uns im Han­deln, Den­ken, Er­in­nern und Vor­aus­pla­nen – in ei­nem La­by­rinth ver­wir­ren­der Kom­ple­xi­tät und in ei­ner Welt vol­ler Pro­ble­me. Die Na­tur zeigt uns den Weg zu uns selbst. Lehrt uns, ein­fach zu sein – wir kön­nen still sein, da sein, eins sein. Sie führt uns zu­rück ins Hier und Jetzt. Zu­rück in die Lie­be, in die Ver­bun­den­heit mit al­lem. Denn die Er­kennt­nis des Eins­seins ist Lie­be. Eins­sein mit der Na­tur und mit den Men­schen. Dann kön­nen wir bei al­len In­ter­ak­tio­nen im an­de­ren uns selbst er­ken­nen. Dann brau­chen wir nicht mehr zu in­ter­agie­ren, in­dem wir uns ein Bild von der be­tref­fen­den Per­son ma­chen, sie mit ih­rer Form iden­ti­fi­zie­ren. Da man selbst über die Iden­ti­fi­ka­ti­on mit der Form hin­aus­ge­gan­gen ist, braucht man auch für an­de­re kei­ne Fal­len, Käst­chen und Scha­blo­nen mehr. Dann wal­tet die Lie­be. Wir kön­nen uns auch nicht an­nä­hernd vor­stel­len, wie die Welt aus­se­hen wür­de, wenn die Mensch­heit in die­sem neu­en Be­wusst­seins­zu­stand wä­re. Ich will auch kei­ne Spe­ku­la­tio­nen an­stel­len, ob­wohl man es könn­te. Mit Si­cher­heit wür­de man die Struk­tu­ren von Men­schen­hand nicht wie­der­er­ken­nen. Sie wä­ren völ­lig an­ders als jetzt. Die­se Er­de wä­re ein Pa­ra­dies. Sie ist ein Pa­ra­dies. Die Men­schen ha­ben zwar al­les dar­an ge­setzt, sie zur Höl­le zu ma­chen. Aber sie ist im­mer noch pa­ra­die­sisch schön. Ich will auch nicht be­haup­ten, dass auf der Ebe­ne der For­men kei­ne Be­schrän­kun­gen mehr be­ste­hen wür­den. For­men wür­den wei­ter­hin kom­men und ge­hen. Und doch ist Har­mo­nie mög­lich. Und doch kann man in Har­mo­nie mit der Ver­gäng­lich­keit al­ler Er­schei­nungs­for­men le­ben, im Zu­stand der Lie­be le­ben. Dann liebt man al­le Er­schei­nungs­for­men nicht ih­rer Form we­gen, son­dern man liebt die Es­senz je­der Er­schei­nungs­form. Das „Ei­ne Le­ben“, das sich in Mil­lio­nen Le­bens­for­men ma­ni­fes­tiert. Man liebt das „Ei­ne Le­ben“, des­sen Mil­lio­nen For­men nur zeit­wei­li­ge Ma­ni­festa­tio­nen sind. Liebt in ihm sich selbst. Das ist das neue Be­wusst­sein. Wir kön­nen lie­ben, heißt, ein­fach im an­de­ren uns selbst zu er­ken­nen. Und eins zu sein mit der Na­tur. Eck­hart Tol­le (69) wur­de in Deutsch­land ge­bo­ren und ver­brach­te hier die ers­ten 13 Jah­re sei­nes Le­bens. Im Al­ter von 29 Jah­ren ver­än­der­te ei­ne tief­grei­fen­de spi­ri­tu­el­le Er­fah­rung sein Le­ben von Grund auf. Bü­cher wie „Le­ben im Jetzt – Das Pra­xis­buch“, „Ei­ne neue Er­de“so­wie „Die Ein­heit al­len Le­bens“und meh­re­re CDS – u. a. „So­gar die Son­ne wird ver­glü­hen“– sind im Gold­mann Ver­lag er­schie­nen.

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