Fließ­ban­d­ac­tion

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Mit fort­lau­fen­der Spiel­dau­er kann „In­fi­ni­te War­fa­re“die Ga­me­play-mo­no­to­nie nicht ka­schie­ren: Die Shoo­touts sind ki­no­reif und bra­chi­al in­sze­niert, aber es bleibt beim im­mer glei­chen Mus­ter. Selbst an­fangs noch be­ein­dru­cken­de Mo­men­te, wie ab­stür­zen­de oder in­ein­an­der­kra­chen­de Rie­sen­zer­stö­rer, wer­den über­stra­pa­ziert und im Dau­er­takt ab­ge­spult. Wäh­rend um Sie her­um die Um­ge­bung in­ter­ak­tiv er­scheint, bal­lern Sie sich ge­rad­li­nig den Weg frei und soll­ten Sie doch ein­mal von ei­ner Ex­plo­si­on er­fasst wer­den, so ist dies fes­ter Be­stand­teil der Sto­ry. Die Le­vel­struk­tur un­ter­bin­det jeg­li­che Aus­flugs­ver­su­che, so kön­nen Sie Ih­ren Te­am­mit­glie­dern bei Ab­zwei­gun­gen häu­fig nicht fol­gen, son­dern müs­sen sich strikt an die vom Spiel vor­ge­ge­be­nen Bah­nen hal­ten. Da­bei strotzt das Spiel vor un­lo­gi­schen Mo­men­ten. Ro­bo­ter­kum­pel Et­han ret­tet Ih­nen in ei­nem Mo­ment das Le­ben und räumt ei­nen an­flie­gen­den Ga­bel­stap­ler aus dem Weg, doch bei den meis­ten Hin­der­nis­sen und Tü­ren müs­sen Sie selbst Hand an­le­gen. Selbst in ei­nem dra­ma­ti­schen Mo­ment, als Ih­nen jeg­li­cher Sau­er­stoff zu ent­schwin­den scheint, war­tet die ge­sam­te Cr­ew an ei­ner ver­sperr­ten Tür auf Ih­re Ret­tungs­tat, ob­wohl die He­bel­wir­kung denk­bar un­güns­tig ist und Ro­bo­ter­freund Et­han das Hin­der­nis spie­lend al­lein öff­nen könn­te. Die Fi­xie­rung auf Ih­re he­roi­schen Ta­ten sorgt für ei­ne ver­zerr­te Wahr­neh­mung: Ga­me­play und Story­ab­lauf ste­hen sich oft im Weg, an­statt sich sinn­voll zu er­gän­zen.

Block­bus­ter-op­tik

Gra­fisch lässt das Spiel nur we­nig Wün­sche un­er­füllt: Fun­keln­de Eis­höh­len, hei­ße La­va­strö­me, der Aus­blick auf die Er­de vom ei­ge­nen Zer­stö­rer und per­fekt in­sze­nier­te Zwi­schen­se­quen­zen las­sen ei­nen ehr­fürch­tig vor dem Bild­schirm ver­har­ren, ins­be­son­de­re die Ka­me­ra­fahr­ten ste­hen ei­nem Ki­no­film in nichts nach. Die deut­sche Syn­chro darf da­ge­gen als miss­lun­gen be­zeich­net wer­den, denn so­wohl Stimm­la­ge als auch Be­to­nung pas­sen nur sel­ten zu den han­deln­den Cha­rak­te­ren. Ent­täu­schend ist auch Kit Ha­ring­tons Rol­le in der Ge­schich­te: Der vir­tu­el­le Pro­mi er­scheint meist nur in kli­schee­haf­ten Bö­se­wicht-vi­deo­an­spra­chen und sein En­de dürf­te eben­so schnell in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten wie sein Kurz­auf­tritt zu Be­ginn des Spiels. Die ge­lun­gen über­ar­bei­te­te 2007er-fas­sung „Mo­dern War­fa­re Re­mas­te­red“, die „In­fi­ni­te War­fa­re“bei­liegt, be­weist zu­dem ein­drucks­voll, wie we­nig sich in 10 Jah­ren „Call Of Du­ty“ge­än­dert hat: Auf ei­nen spie­le­ri­schen Be­frei­ungs­schlag müs­sen Fans wei­ter war­ten.

CHRIS­TI­AN TROZINSKI

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