Die Ver­gan­gen­heit ist jetzt

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Der Te­enager Ja­ke (Asa But­ter­field) hat Zeit sei­nes Le­bens das Ge­fühl, nicht in sei­ne Welt, das mo­der­ne Flo­ri­da, zu pas­sen. Das kann an den Ge­schich­ten lie­gen, die ihm sein Groß­va­ter frü­her er­zählt hat und an die er so lange glaub­te. Es sind Ge­schich­ten von ei­nem Kin­der­heim in Wa­les, in dem ei­ne Miss Pe­re­gri­ne (Eva Green) Pfei­fe rau­chend über ganz be­son­de­re Kin­der wacht. Em­ma (Ella Pur­nell) ist bei­spiels­wei­se leich­ter als Luft, muss da­her Blei­schu­he tra­gen und sieht dank ih­rer rie­si­gen Au­gen fast aus wie ei­nes der Bil­der aus „Big Eyes“(eben­falls von Bur­ton). Oli­ve (Lau­ren Mccros­tie) muss Hand­schu­he tra­gen, um nicht mit ih­ren Hän­den al­les in Flam­men auf­ge­hen zu las­sen, und Mil­lard (Ca­me­ron King) ist so­gar un­sicht­bar. So setzt sich die Lis­te der be­son­de­ren Kin­der fort, mit de­nen Groß­va­ter Abe (Te­rence Stamp) bis 1943 sei­ne Ju­gend ver­brach­te. Als Abe plötz­lich auf mys­te­riö­se Art zu To­de kommt und ihm da­bei so­gar sei­ne Au­gen ge­raubt wur­den, möch­te Ja­ke die In­sel se­hen, um mit dem Tod sei­nes Groß­va­ters ab­zu­schlie­ßen. Erst ist er ent­täuscht, als sich zeigt, dass das Heim in Rui­nen liegt, weil es 1943 von ei­ner Bom­be ge­trof­fen wur­de. Al­ler­dings kommt al­les ganz an­ders: Die Ge­schich­ten des al­ten Man­nes sind wahr. In ei­ner von Miss Pe­re­gri­ne er­stell­ten Zeit­schlei­fe sind die Kin­der am Le­ben, und er­le­ben im­mer wie­der den 3. Sep­tem­ber 1943, den

Tag an dem die Bom­be fiel.

Be­son­ders Eva Green be­stimmt den Ton des Films. Als je­mand, der so­wohl in „Der gol­de­ne Kom­pass“, „Fran­k­lyn“und „Pen­ny Dread­ful“schon auf düs­te­re Art das je­weils Fan­tas­ti­sche, Mor­bi­de und Gru­se­li­ge ver­kör­pert hat, ist sie ei­ner der Cha­rak­ter­köp­fe in „Die In­sel der be­son­de­ren Kin­der“. Auch Haupt­dar­stel­ler Asa But­ter­field und Ella Pur­nell als (nur buch­stäb­lich) leich­tes Mäd­chen Em­ma sind wirk­lich gut be­setzt. Den Bö­se­wicht Bar­ron spielt Sa­mu­el L. Jack­son. Die jün­ge­ren Kin­der sind auf manch­mal schau­ri­ge Art rich­tig süß. Vi­el­leicht ist es ge­ra­de des­halb so scha­de, dass man so we­nig über sie er­fährt. Im Ori­gi­nal heißt der Film, ba­sie­rend auf dem gleich­na­mi­gen Ju­gend­ro­man von Ran­som Riggs, „Miss Pe­re­gri­ne’s Ho­me for Pe­cu­li­ar Child­ren“. Das Wort „pe­cu­li­ar“be­deu­tet nicht nur be­son­ders, son­dern auch selt­sam, auf­fäl­lig und son­der­lich. Ge­ra­de weil sie als son­der­lich auf­ge­fasst wer­den, ver­ste­cken Frau­en wie Miss Pe­re­gri­ne sie in Zeit­schlei­fen, da­mit sie dort in Si­cher­heit vor Ver­fol­gun­gen sind. Bei­na­he je­des der Kin­der ist so ober­fläch­lich ge­zeich­net, dass man au­ßer den Be­son­der­hei­ten kaum et­was über ih­re Hin­ter­grün­de und ih­re Per­sön­lich­kei­ten er­fährt. Da­durch wer­den die Kin­der, die ei­gent­lich we­gen ih­rer Ei­gen­schaf­ten zu Au­ßen­sei­tern ge­wor­den sind, ge­nau hier­auf re­du­ziert: Sie sind son­der­bar. Zu­dem wirkt der Film durch die kom­pak­te Hand­lung et­was voll ge­stopft. Vi­su­ell folgt Tim Bur­ton sei­nem Er­folgs­re­zept: Er er­schafft ei­ne an­de­re, schau­rig-schö­ne Welt, die toll aus­sieht und auch mit ei­nem ge­lun­ge­nen Mu­sik-sco­re ver­se­hen ist. Be­son­ders die Sze­nen, in de­nen Em­ma ih­re Fä­hig­kei­ten zeigt, sind op­tisch und mu­si­ka­lisch ganz zau­ber­haft. Dass zu den Ef­fek­ten ein na­he­zu fo­to­gra­fi­scher Rea­lis­mus kommt, der auch die klei­nen „Ma­kel“der Darstel­ler zeigt, sorgt da­für, dass al­les ins­ge­samt an­ge­nehm sur­re­al wirkt. Sound­tech­nisch muss der Raum­klang po­si­tiv an­ge­merkt wer­den. Wenn die fie­sen Hol­lows durch die Ge­gend zie­hen, hat man wirk­lich das Ge­fühl, sie von übe­r­all zu hö­ren. Wer das al­les voll aus­kos­ten will, kann sich die Zwei-disc-edi­ti­on mit Blu-ray und 3D Blu-ray oder die 4k Ul­tra Hd-va­ri­an­te ho­len. Und wie steht es um Tim Bur­ton? Ist das freund­li­che Gru­seln wie frü­her? Nur fast. Das düs­te­re Herz schlägt noch, aber an­schei­nend nicht mehr ganz am al­ten, schwar­zen Fleck.

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